Kinder im Container? Jugendhilfeausschuss beschließt Überbelegung

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Auf dem Prüfstand: Wohnungen und Container als Unterbringungsmöglichkeit. Archivfoto: Höser/LK

Steigende Geburtenzahlen und vermehrte Zuzüge nach Essen waren im Sommer Grund für den Jugendhilfeausschuss, eine Überbelegung von 475 Plätzen für Kindergärten im gesamten Stadtgebiet zu beschließen. Der Bezirk IV bekommt in verschiedenen Einrichtungen 68 davon ab, die meisten zusätzlichen Plätze gehen an AWO-Kitas.

Tatsächlich ist die Entscheidung aus der Not geboren und stößt auf viel Kritik: "Das kann nicht im Sinne unserer Politik sein", bemängelt Grünen-Lokalpolitiker Thorsten Drewes. "Wir haben uns immer für frühkindliche Bildung eingesetzt." Seine größtes Problem ist, dass die zusätzlichen Plätze zwar finanziell abgedeckt sind, aber keine personelle Aufstockung eingeplant ist. In einigen Stadtteilen sind zwar neue Gruppen vorgesehen, keine aber im Großraum Borbeck. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf knapp 3 Millionen Euro, von denen jeweils rund die Hälfte in 2016 und in 2017 abgerufen wird.

Zahlen stimmen nicht mehr

Eine weitere Schwierigkeit erkennt Klaus-Dieter Pfahl, 1. Vorsitzender der CDU-Dellwig, in der Integration der Flüchtlinge: "Das hat man doch gar nicht berücksichtigt!" Längst würden die Zahlen nicht mehr stimmen, weil die Flüchtlinge nach und nach auch Wohnungen belegen würden. Nachdem die Stadt Essen im vergangenen Jahr wegen der Flüchtlingskrise zur Verhinderung von Obdachlosigkeit auf die Zeltdörfer zurückgreifen musste, kann Integration und Unterbringung angesichts sinkender Zahlen langsam in geregelte Bahnen gelenkt werden.
Allein mit der Überbelegung ist die Sache für Stadt und Jugendhilfeausschuss aber längst nicht getan: Aktuell wird geprüft, ob sich noch weitere Plätze in Wohnungen und Containern realisieren lassen. Entscheidend ist dabei besonders der Kostenfaktor. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse entscheidet der Ausschuss dann über die Umsetzung.
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