"Dürfen die das?" - neuer Eigentümer versetzt Anwohner in Aufruhr

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Mitte Juli angekündigt, nur eine Woche später ausgeführt: Die Markierungsarbeiten im Innenhof. Kostenloses Parken war einmal, nur wer mietet, darf seinen Wunschstellplatz nutzen.
 
Beispielhaft für den Zustand der Siedlung Ende Juli. Mittlerweile hat Zymost die Klingelanlagen erneuert, berichten Anwohner.

Eigentlich ließe sich aus der Siedlung etwas machen: Ein typisches Wohnkarree mit einer Grünfläche samt Spielplatz im Innenhof. Doch das Ensemble an der De-Wolff-Straße (Altenessen-Süd, direkt an der B224) wurde sich selbst überlassen: In den vergangenen Jahren wechselten rund 200 Wohnungen in diesem Gebiet gleich mehrfach den Eigentümer. Einige Mieter wollen diesem Verfall nicht mehr länger tatenlos zuschauen. Die Zymost Grundwert GmbH, seit Juni neue Eigentümerin, bekommt den Unmut ab. Doch die Geschäftsführung verweist auf die Versäumnisse der Vorgängerunternehmen.

Ob in Vogelheim oder Katernberg - der Essener Norden ist voll von solchen Geschichten. Plötzlich wechseln Immobilien den Besitzer, was die Mieter aus heiterem Himmel trifft. Wer kümmert sich um Reparaturen? Wer ist im Notfall mein Ansprechpartner? Weil die Kommunikation nicht immer einwandfrei funktioniert, bleiben diese Fragen offen. Der perfekte Nährboden für Verunsicherung. Auch im aktuellen Fall scheinen die Beteiligten mehr übereinander als miteinander zu reden.

Mit der Tür ins Haus gefallen: So empfanden einzelne Mieter des Wohnblockes an De-Wolff-, Großenbruch-, Hövel- und Gladbecker Straße das Auftreten des neuen Eigentümers Zymost. Der beteuert seine guten Absichten. Man plane langfristig mit dem neuen Bestand und beabsichtige, die Siedlung auf Vordermann zu bringen, heißt es in der Zentrale in Bocholt.

„Es ist vorgesehen, in den einzelnen Häusern umfangreiche Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten durchzuführen“, verkündete Zymost-Geschäftsführer Josef Möllmann in einem Begrüßungsanschreiben. Die erste Amtshandlung des Unternehmens kam allerdings weniger gut an.

Die Parkplätze im Innenhof, jahrelang kostenlos nutzbar, wurden mit Markierungen neu angelegt - und sind nun für monatlich 25 Euro erhältlich. Schmissig klingt die dazu gehörige Ankündigung aus dem Hause Zymost: „Bäumen, Sträuchern und Rasen geht es an den Kragen.“

Verständlich, dass manch‘ Alteingessenem der Kamm schwillt. Der liebgewonnene Stellplatz fällt weg, die benachbarte Grünfläche ebenfalls. „Dabei gibt es in den Häusern weitaus dringendere Probleme“, klagen Anwohner, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen. Feuchte Wände, defekte Heizungsanlagen, nicht schließende Türen - soweit eine erste Mängelliste. „Stattdessen scheint man bei Zymost aufs schnelle Geld aus zu sein“, so der Vorwurf. Und eine Frage, die sich den Betroffenen bei diesem Vorgehen aufdrängt, ist folgende: „Dürfen die das überhaupt?“

Sie dürfen. Sofern die Parkplatznutzung nicht vertraglich geregelt ist. „Was nicht im Mietvertrag steht, gehört nicht zur Mietsache. Das ist die Rechtsprechung, der die Landgerichte folgen“, erklärt Marc Engelbertz. Der Rechtsanwalt beim Mieterforum Ruhr prüfte für den Nord Anzeiger stichprobenartig einen Mietvertrag aus der De-Wolff-Straße. Sein Fazit: Alles rechtens.

Alles rechtens an der De-Wolff-Straße?

Diskussionswürdig ist allenfalls die Höhe der Stellplatzmiete. Schließlich befinden wir uns in Altenessen, in direkter Tuchfühlung zur B 224. „25 Euro sind schon relativ hoch“, findet auch Siw Mammitzsch, Geschäftsführerin der Mietergemeinschaft Essen, wo die Zymost Grundwert GmbH bislang noch nicht aufgefallen ist.

Letztlich regulieren wohl Angebot und Nachfrage die Verhältnisse auf dem „neuen“ alten Parkplatz im Wohnkarree. Einige Anwohner hätten sich bereits mit dem Angebot anfreunden können, heißt es bei Zymost.

Junior-Geschäftsführer Philip Möllmann räumt jedoch ein, dass der Einstand „unglücklich“ verlaufen ist: „Die Formulierung im Anschreiben war etwas drastisch. Wir haben nicht vor, die Grünfläche zu versiegeln. Uns geht es um einen vernünftigen Schnitt, einige Sträucher wuchern bis in die Hauseingänge.“

Dass die Parkplätze als erstes angegangen wurden, liege nun mal in der Natur der Sache: „Markierungsarbeiten sind schneller zu organisieren als umfangreiche Reparaturen.“

Und die sollen in den nächsten Wochen und Monaten auch stattfinden. Philip Möllmann wehrt sich gegen den Vorwurf, Zymost lasse die Mieter im Stich: „Man muss sich vor Augen halten, dass wir die Siedlung gerade vor acht Wochen erworben haben. In dieser Zeit sind die Versäumnisse der Vergangenheit nicht aufzuholen.“ Jeder Mieter, der sich mit einem Problem melde, dem lasse man auch angemessen zügig Hilfe zukommen. „Was in Altenessen im Übrigen auch schon geschehen ist“, so Möllmann weiter.

Vielmehr gebe es einzelne Mieter, die es dem Unternehmen gezielt schwermachen würden. An der De-Wolff-Straße scheint noch jede Menge Beziehungspflege und Überzeugungsarbeit vonnöten...
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