Für die Trockenlegung der Karnaper Keller sollen bis zu 150 Bäume fallen

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Den schönen Alleecharakter dürfte es bald in Karnaper Wohnstraße seltener geben. Die Drainageverlegung macht es, so die Stadtwerke, erforderlich, dass vor allem am Boshamerweg, an der Hattramstraße, der Gravelottestraße und an der II. Schockenhecke Bäume gefällt werden.
Bis zu 150 Bäume müssen ab Februar in Karnap gefällt werden, um die Drainage zu verlegen, mit der gegen den hohen Grundwasserspiegel angekämpft werden soll. Die­se Auskunft der Stadtwerke schockierte auf einer Sitzung in der vergangenen Woche auch die anwesenden Kommunalpolitiker. „Wir hätten mit diesem Wissensstand den Plänen nie zugestimmt“, erklärt der Karnaper CDU-Ortsvorsitzende Jörg Uhlenbruch.

Es ist gerade auch dieser Alleecharakter, der zum Reiz der schmalen Wohnstraßen in Karnap-West beiträgt. Genau der aber könnte zum Teil bald verloren sein, denn wenn die Pläne zur Verlegung der Drainage umgesetzt werden, gibt es ein paar Alleen weniger. Die Bäume stehen den Baggern im Weg, ihre Wurzeln sind aber auch für die sechs Meter tief verlegten Anlagen hinderlich.

Im Dezember sollen die Anwohner auf einer Versammlung genauer informiert werden. Die Kommunalpolitiker, denen bereits vergangene Woche die Pläne vorgelegt wurden, erschraken über das Ausmaß der Fällungen.

„Das ist ein Unding“

Bis zu 150 Bäume müssen weg. Dadurch „wird der Charakter der Siedlungen in Karnap nachhaltig verändert“, mahnt CDU-Ratsher Uwe Kutzner (lokalkompass.de/370229). Natürlich sehe man die Notwendigkeit, „den von dem erhöhten Grundwasserspiegel betroffenen Hauseigentümern Entlastung zu verschaffen“. Kutzners Karnaper Fraktionskollege Jörg Uhlenbruch beklagt jedoch die späte Information über diesen Aspekt des Vorhabens: „Dass diese Fakten bisher nicht bekannt gemacht wurden, ist ein Unding.“

Die Verlegung von Drainagen soll das Problem der nassen Keller beseitigen helfen. Karnap ist als Pilotprojekt für die Emscherregion ausgeguckt. „Pilotprojekt heißt: Ob es funktioniert, weiß niemand genau“, sagt der SPD-Ratsherr Guido Reil, der seit Jahren für die Trockenlegung der Keller in Essens nördlichstem Stadtteil kämpft. Auch ihm war dieser Teil der Auswirkungen bisher nicht bewusst.
Reil macht sich selbst und den Anwohnern Mut: „150 Bäume, das wäre der schlimmste Fall.“ Doch klar sei: „Eine Menge werden es auf jeden Fall. Es wird nicht mehr so aussehen wie vorher.“ Zu der geplanten Maßnahme sieht er jedoch keine Alternative, wiewohl natürlich jeder für sich die Frage beantworten müsse: „Was ist schlimmer, nasse Keller oder Baumfällungen?“
Die CDU dagegen will eine Überarbeitung der Pläne. Schließlich komme zur Umweltschädigung die Tatsache, dass es keine Garantie für den Erfolg der Baumaßnahmen gebe. Sprich: Niemand weiß, ob die Drainage wirklich zum Erfolg führen wird.

Keine Garantie für die Wirksamkeit

Um so wenig Bäume wie möglich fällen zu müssen, wollen die Beteiligten frühzeitig Grün und Gruga sowie einen Baumsachverständigen einbeziehen. Und wo immer möglich, soll nachgepflanzt werden. Flachwurzler sind gefragt.
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Renate Sültz aus Lünen | 20.11.2013 | 06:22  
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