Wenn Facebook für Schulzoff sorgt - Workshop im Computainer

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Von den Jungs der Gertrud-Bäumer-Realschule gibt es den Damen nach oben.
Wie? Sie halten Facebook, Twitter & Co. immer noch für neumodischen Schnickschnack? Wie man den Sinn und Nutzen von Sozialen Netzwerken auch bewerten mag: Teilen, liken und tweeten - das kleine Einmaleins sollten Sie beherrschen. Für ihre Kinder gehört es nämlich zum Alltag.

Kurze Probe aufs Exempel: „Wer von Euch ist bei Facebook?“ Elf von dreizehn Sechstklässlern strecken die Finger in die Höhe. Und der Trend geht zum Zweit- bzw. Dritt-Netzwerk. Die Profile der Gertrud-Bäumer-Realschüler sind unter anderem auch bei Google+, Twitter oder Ask.fm hinterlegt.

Bilder gucken, chatten und Witze teilen - Netzwerken macht Spaß, kann im Extremfall aber das gesamte Schulklima gefährden. An der Grünstraße hat man genau diese Erfahrung gemacht: dass schnell und gedankenlos hingetippte Zeilen für mächtig Ärger auf dem Schulhof, ja sogar im gesamten Stadtteil sorgen können. Das Kollegium war ratlos. „Viele Lehrer wissen nicht, was ihre Schüler in den Sozialen Netzwerken treiben. Die Kinder sind viel weiter als die Lehrer“, weiß Meike Schünemann.

Um die Heranwachsenden für die Tücken und Gefahren der virtuellen Kontaktpflege zu sensibilisieren, wandte sich die Sozialarbeiterin an der Gertrud-Bäumer-Realschule an den Computainer in Vogelheim. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Stadtteiltreffs - Verena Henrichs, Esther Stabenow und Armin Breier - erarbeitete sie ein Konzept für einen regelmäßigen Workshop, der den Kindern den sicheren Umgang mit Sozialen Netzwerken näherbringen soll.

Nicht nur Gefahren: Web 2.0 kann nützlich sein


Zentraler Bestandteil ist ein Episodenfilm, in dem der Student Paul nützliche Tipps parat hält. Das fängt schon bei der Wahl des Passwortes an. Der eigene Geburtstag, der Name des Haustieres oder der Freundin - viel zu unsicher, weil Bekannte und auch Fremde an diese persönlichen Informationen herankommen. Die Schüler der Gertrud-Bäumer-Realschule können ein Lied davon singen: „Mein Facebook wurde gehackt“, berichtet einer der Jungs. Plötzlich hatte er Statusmeldungen auf der Pinnwand, von denen er nichts wusste. „Ich werde mein Passwort ändern“, verspricht er nun. Am besten eignet sich eine willkürliche Kombination aus Klein- und Großbuchstaben sowie Zahlen. Auch wenn ein solches Gebilde schwieriger zu merken ist...

Und weiter geht‘s im Facebook-Knigge: „Hunger und Ermüdung sind keine Statusmeldungen“, weiß Paul. Es sei denn, man möchte seine Kontakte langweilen. Ein weiterer Tipp, der insbesondere dann wichtig wird, wenn sich die Kontakte nicht mehr auf den engsten Freundeskreis beschränken, lautet: „Das Internet vergisst nie!“ Privatfotos, die nur für einen kleinen Kreis bestimmt sind, Bilder von der letzten Party beispielsweise, sollten nicht öffentlich an der Pinnwand aushängen. So manche Aufnahme, festgehalten mit dem Handy, ist zum Youtube-Hit mutiert. Dabei gibt nicht jedes Internet-Phänomen ein gelungenes Bewerbungsschreiben ab. Das „Star Wars Kid“, ein Junge, der mit Hilfe einer Golfballangel unbeholfen einen Lichtschwertkampf imitierte, leidet noch heute - Jahre und eine Milliarde Klicks später - unter den Folgen der Berühmtheit.

Womit der Workshop bei einem besonders ernsten Thema angekommen ist: Cyber-Mobbing. Verborgen hinter einer (vermeintlich) anonymen Identität lässt sich es im Internet ungeniert lästern und beleidigen. Die Jungs von der Gertrud-Bäumer-Schule haben Erfahrung. Vergleichsweise harmlose, verglichen mit den Horror-Geschichten, die durch den Boulevard geistern. Man muss aber schon schlucken, wenn man hört, womit Zwölfjährige konfrontiert werden.

Soziale Netzwerke in den Lehrplan integrieren

Da ist es verständlich, dass Lehrer mit Netzwerk-Problemen überfordert sind. Facebook und Co. tauchen nur spärlich in den Lehrplänen auf, wer mitreden möchte, muss sich des Themas oft in der Freizeit annehmen. Zusätzlicher Aufwand, den nicht jeder Kollege investiert.

Dabei bietet das Internet keineswegs nur Gefahren, Ziel des Workshops im Computainer ist es ohnehin nicht, das Web 2.0 zu verteufeln. Man muss es zu nutzen wissen. „In dieser Hinsicht ist das System Schule noch sehr starr“, weiß Meike Schünemann. Die Sozialarbeiterin ist überzeugt: „Die Neuen Medien lassen sich in den Unterricht einbinden.“ Von den Schülern gäbe es den Daumen nach oben.
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