Rollentausch in Wattenscheid: Bochum II - RWE 2:4

Güngör Kaya bereitete das 1:0 vor und erzielte das vorentscheidende 3:1. Archivfoto: Gohl
Rot-Weiss Essen hat die richtige Antwort geliefert: Nach dem noch schmeichelhaften 1:4 am Dienstag zuhause gegen Mönchengladbach II, zeigten die Bergeborbecker im Wattenscheider Lohrheide-Stadion ein komplett anderes Gesicht, indem sie die Bochumer Reserve mit 4:2 in die Schranken verwiesen.

Los ging es schon mit der Startelf: Markus Heppke rückte von der Innenverteidigung zurück in defensive Mittelfeld, neben ihm lief Sebastian Grummel auf. Kapitän Timo Brauer ging dafür auf die rechte Abwehrseite. Güngör Kaya wurde von Trainer Waldemar Wrobel in die Spitze beordert, Lukas Lenz nahm mit einem Bankplatz vorlieb. Genau wie Benedikt Koep, der am Dienstag eine schwache Partie abgeliefert hatte und dem – nach entsprechenden Äußerungen seines Beraters in der Rheinischen Post – Wechselabsichten nachgesagt werden. Für ihn kehrte Holger Lemke in die Startformation zurück, ebenso wie die etatmäßige Nummer eins, Dennis Lamczyk.

Der personell umgekrempelten Mannschaft war von Beginn an anzumerken, dass sie die ursprünglich schon für Dienstag angekündigte Wiedergutmachung leisten wollte: RWE stelle das dominantere Team, kam aber gegen eine schwache Bochumer Elf 25 Minuten lang nicht zwingend zum Zuge. Dann brach Kevin Grund per Kopf den Bann, die Vorarbeit leistete Kaya – das 1:0.

In der Folge kamen die Gäste immer besser mit dem schwierigen Geläuf zurecht – die Mannschaft von VfL-Trainer Iraklis Metaxa anscheinend umso weniger. Sein Team fand praktisch nicht statt. Und blieb nach 45 Minuten trotzdem im Rennen. Markus Heppke erzielte mit einem sehenswerten Freistoß das 2:0 (44.) – ein Tor, das die Rot-Weissen ausgiebig ihrem Übungsleiter widmeten. Denn beim anschließenden Jubel hatte man das Gefühl, es ginge hier und heute um Wrobels Job, dabei hatte er doch gerade erst zu Wochenanfang sein Vertrag bis 2014 verlängert. Die Bochumer nutzten den kollektiven Taumel und erzielten klammheimlich den Anschlusstreffer. Ärgerlich aus Essener Sicht, aber beste Voraussetzungen für eine unterhaltsame zweite Hälfte.

Und die bekamen die 1.350 Zuschauer auch geboten: In den ersten zehn Minuten lieferten sich beide Teams einen Schlagabtausch – den die Rot-Weissen für sich entschieden. Kaya sei Dank. Der Stürmer hatte in Halbzeit eins noch zwei dicke Dinger vergeben, dennoch blieb genug Selbstvertrauen für eine herrliche Direktabnahme. Einige RWE-Anhänger goutierten diesen wunderbaren Treffer mit dem Einsatz von Bengalos - eine Szene, mit der sich die Geschäftsführung womöglich noch beschäftigen muss. Die Mannschaft zeigte sich allerdings unbeeindruckt und drängte nach kurzer Spielunterbrechung auf das 4:1. Mit Erfolg: Auch Kerim Avci ließ sich am Abend der schönen Tore nicht lumpen (60.).

„So, wie der Gegner gespielt hat, so würden wir auch gerne spielen“, hatte sich Wrobel nach der Gladbach-Klatsche gewünscht. Seine Mannschaft tat ihm diesen Gefallen. Und auch die Bochumer spielten mit, indem sie nur allzu bereitwillig die RWE-Opferrolle vom Dienstag einnahmen. An diesem Eindruck konnte auch der 2:4-Anschlußtreffer von Hans Kyei kurz vor dem Abpfiff nicht mehr rütteln.
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