Essener Stadtarchäologe versucht Wissenslücken in Sachen Stadtgeschichte zu schließen

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Dr. Detlef Hopp mit einem alten Weltkriegs-Helm aus seinem Depot.

Wie ist es um das Geschichtsbewusstsein in unserer Region bestellt? Unterhält man sich mit dem Essener Stadtarchäologen Dr. Detlef Hopp, dann wäre dies ein Feld, dass bereits in den Schulen gerne besser beackert werden dürfte. "Es fehlt das heute doch eher altmodische Fach Heimatkunde", betont er und möchte die Essener allein schon von Berufs wegen für die Vorgeschichte und die Geschichte dieser Stadt sensibilisieren.

Nach genau einem Vierteljahrhundert Arbeit in der Stadtarchäologie kennt Hopp Essen wie seine Westentasche. Keine Baustelle, auf der er nicht bereits geforscht und kaum ein Stadtteil, in dem er nicht schon wichtige Funde gemacht hat, die Aufschluss über früheres Leben in dieser Stadt und geschichtliche Zusammenhänge liefern.
Gerade eben hat ihn die Suche nach der genauen Lage des Hauses Hüchtebrock in Borbeck beschäftigt, nach dem dort sogar eine Straße benannt wurde. Doch die Lokalisation des Ortes, wo einst vielleicht sogar ein Wasserschloß gestanden haben könnte, lässt sich nicht konkret bestimmen. Muss Hüchtebrock letztendlich sogar ins Reich der Fabel verwiesen werden?
"Solche stadtgeschichtlich wichtigen und interessanten Fragestellungen werden durch aktuelle Baumaßnahmen und sogenannte Verdachtsfälle aufgeworfen, denen wir in diesem Zusammenhang nachgehen", erklärt der passionierte Forscher, der an der Bochumer Ruhr-Uni Ur- und Frühgeschichte im Hauptfach und Klassische Archäologie und Humanbiologie in den Nebenfächern studiert hat. Ende der 80er Jahre promovierte er und arbeitete u.a. für die Universitäten Osnabrück und Essen.
Bei der Recherche stößt Hopp immer wieder an Grenzen, die ihm die Arbeit erschweren. "Laufende Baumaßnahmen stillzulegen, grenzt an eine Katastrophe", betont er. Da bleibt oft nur ein kurzes Zeitfenster, um sich vor Ort umzusehen.
Dass Essen für einen Archäologen ein echter Glücksfall ist, muss Hopp nicht erst betonen. "Essen hat im Vergleich zu anderen Städten viele frühe Zentren und Ortsteile, die sehr alt und zum Teil sogar schon im Mittelalter entstanden sind. Die Innenstadt rund um den Dom, Werden, Steele, Burgaltendorf, Rellinghausen und auch Borbeck...

"Unsere Stadt hat einiges zu bieten"

So lagern im Depot zahlreiche Kisten mit Tonnen von Material, das bisher noch nicht aufbereitet und gezeigt werden konnte. Nach jedem Grabungsjahr gibt es zwar im Rathaus eine Ausstellung, in der wichtige Funde auch für die Öffentlichkeit zu sehen sind, doch ein dauerhafter Ort, wo Essener Archäologie ausgestellt ist, existiert nicht, denn auch das Ruhr Museum kann nur kleine Ausschnitte zeigen.
"Dabei hat Essen einiges zu bieten", blickt Dr. Detlef Hopp auf bedeutende Funde der Vergangenheit zurück. "So ist die Vogelheimer Klinge mit einem Alter von 300.000 Jahren einer der ältesten Funde des Rheinlandes."
Als Kind in Essen aufgewachsen erinnert sich Hopp gern an Besuche im Dom, die ihn schon früh auf die Spur der Stadtgeschichte brachten. Siebenarmiger Leuchter oder Teufelssäule waren es damals, Fragmente von Tonscherben oder ein winziger Torso aus Porzellan und Sammeltassenreste mit Gravur sind es unter anderem heute. "Wir sind als Archäologen immer auch ganz nah am Menschen", erklärt er. Was die Arbeit besonders spannend macht. Jeder Fund erzählt seine eigene Geschichte und die der Bürger, denen er gehört hat.
Die Tatsache, dass er in Essen als Stadtarchäologe seit Jahren quasi allein auf weiter Flur ist, stimmt ihn ab und an nachdenklich. Umso mehr ist es ihm ein Anliegen, Schüler und Studenten mit seiner Leidenschaft für Archäologie anzustecken und sein Wissen weiterzugeben. Als Dozent an der Uni Bochum bietet sich ihm aktuell die Gelegenheit dazu. Eine gute Portion Heimatkunde inklusive.
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Jochen Schlobetzky aus Essen-Werden | 10.06.2017 | 02:06  
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