Den Kindern gerecht werden

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Monika Spielkamp vor ihrer Fischlaker Schule. Foto: Bangert
 
Im Rektorenzimmer herrscht lockere Arbeitsatmosphäre. Foto: Bangert

Monika Spielkamp ist nun auch offiziell die Leiterin der Fischlaker Grundschule

Ihr Rektorenzimmer hat wenig Präsidiales. Hier wird gearbeitet, das sieht man dem nüchternen Raum an. In der Ecke stapeln sich große Säcke und Kisten. Zieht hier jemand um? Die nun auch offizielle Leiterin der Fischlaker Grundschule lacht: „Ja, sieht fast so aus…“

In Wirklichkeit sind hier aber die Erzeugnisse gemeinsam verbrachter Freizeit gelagert: Für den Osterbasar am 24. März haben sich Eltern und Lehrer zusammengehockt, genäht, gebastelt, da ist einiges zusammen gekommen.

Notendruck?

Würde Monika Spielkamp spontan ihre Grundschulzeugnisse finden? „Die liegen bei meinen Eltern.“ Die müssen sehr stolz gewesen sein auf ihre Tochter, die nur Einser und Zweier nach Hause brachte. Da gab es doch bestimmt eine Belohnung? „Öh, nein. Wenn die Eltern zufrieden waren mit unseren Zeugnissen, sind wir Eis essen gegangen. Mehr nicht.“ Notendruck gab es nicht in ihrer Duisburger Heimat. Dafür wird die inzwischen 37-Jährige nun immer mehr damit konfrontiert: Das Abschluss-Zeugnis des vierten Schuljahrs wirft so manchen Konflikt auf. Einige Eltern möchten Lehrkräfte tatsächlich dazu bewegen, die Übergangsempfehlung etwas „euphorischer“ zu formulieren. „Das sind dann schon mal zähe Verhandlungen, aber wir werden nicht irgendwas schreiben, nur weil die Eltern das so wünschen. Damit würden wir den Kindern nicht gerecht.“ Die Pädagogin strebt stets dahin, ihren Schützlingen eine optimale Betreuung zukommen lassen zu können: „Wichtiger Leitgedanke ist Lernen zu lernen. Die Methodenkompetenz fürs spätere Leben.“ Der olle Spruch „Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir“ erfährt hier wirklich noch Wertschätzung und wird auch umgesetzt.


Eine Beziehung aufbauen

Das ist manchmal gar nicht so einfach, wie man bei jeder Einschulung schnell feststellt. Die i-Dötzchen kommen heutzutage „anders“ in die Schule: „Im ersten Schuljahr müssen wir massiv an der Sozialkompetenz arbeiten. Immer mehr Kinder reagieren auf eine allgemeine Ansprache der Klasse überhaupt nicht. Aber das bekommen wir hin. Man muss eine Beziehung aufbauen zu den Kindern, dann läuft es auch…“ Ab der vierten Klasse tritt dann ein anderes Phänomen auf den Plan: „In der Schule sind Smartphones verboten. Aber sie glauben gar nicht, was nachmittags und am Wochenende in diversen WhatsApp-Gruppen los ist. Das müssen wir dann montags aufarbeiten.“ Essentiell wichtig ist da natürlich die Zusammenarbeit mit den Eltern. Und hier huscht ein Lächeln übers Gesicht der Schulleiterin: „Unsere Eltern sind echt klasse. Sehr engagiert, bei Anfragen ist die Resonanz immer sehr hoch. Die Mithilfe klappt hier bestens. Aber sie sind schon anspruchsvoll…“ Das gute Miteinander führt nicht nur zu gemeinsamen Bastelstunden, es gibt sogar ein Eltern- und Lehrertheater. Eine spaßige Truppe, Monika Spielkamp immer mittendrin, auch ihre Frau Lucia mischt mit: „Wir sind schon in den Startlöchern für unsere fünfte Produktion. Am 7. und 8. Oktober werden wir im Jonasaal auftreten.“ Alexandre Dumas, die „Drei Musketiere“, ein Mantel- und Degen-Klassiker. Ihre Rolle? Einer der Musketiere, Aramis. Der ist ein Wanderer zwischen Welten, einerseits Geistlicher, andererseits sehr dem Weltlichen zugetan. Ein schwieriges Spannungsfeld. Ein bisschen blitzt da die Realität durch. Denn Monika Spielkamp unterrichtet nicht mehr wie früher Katholische Religion: „Das darf ich seit 2011 nicht mehr, da ich mit einer Frau verheiratet bin.“ Das nagt. Aber sie ist eine fröhliche Zeitgenossin, hat sich köstlich amüsiert, als die Kollegen ihr ein Straßenschild „Spielkampsweg“ vors Büro hefteten.

Ein ganz besonderer „Ritterschlag“

Diese Anekdote sagt viel aus über das gute Klima im Kollegium. Jetzt erfuhr die Fischlaker Schule einen „Ritterschlag“ der besonderen Art: Anderswo werden Schulleiter händeringend gesucht, hier wollten gleich vier Kandidaten die Nachfolge von Susanne Süß antreten. Mehr braucht man über die überdurchschnittliche Beliebtheit der Schule an der Bernhardstraße gar nicht zu wissen. Monika Spielkamp war „quasi“ Vertreterin von Süß, dann über zwei Jahre kommissarische Schulleiterin. Es kamen die offizielle Ausschreibung und gleich drei Konkurrentinnen: „Da ist mir das Herz in die Hose gerutscht.“ Doch wer sich noch an ihre Grundschulzeugnisse erinnert, ahnt das gute Ende. Nach einer aufwendigen Qualifizierung unter anderem in Schulrecht und zweitägiger Prüfung war die Pädagogin völlig ausgelaugt: „Da wurden wir so richtig auf links gedreht!“ Oha. Aber am 25. Januar konnte sich Monika Spielkamp ihre Bestallungs-Urkunde im Schulamt abholen. Denn sie erhielt die Stelle der Schulleiterin, ihre Prüfer stellten fest: „Übertrifft die Anforderungen in besonderem Maße“. Passt irgendwie zur Fischlaker Schule, die harte Zeiten durchmachen musste: „Als ich vor zehn Jahren hier anfing, waren wir sechs Lehrer für vier Klassen mit unter 100 Kindern. Da schwebte die Zusammenlegung mit der Jacobsallee in Heidhausen über unseren Köpfen.“ Und inzwischen? Monika Spielkamp rechnet vor: „185 Schüler, 13 Leute im Kollegium, nun wieder 43 Neuanmeldungen. Stabil zweizügig. Das ist klasse.“

Wünsche

Alles gut im Staate Fischlaken? Eigentlich ja, aber Monika Spielkamp zählt Wünsche auf: „Da wären einige bauliche Wünsche. Wir haben keine Turnhalle, keine Aula. Eine Mehrzweckhalle wäre schön. Die Fassade müsste gemacht werden, die Pausenhalle bräuchte Schalldämmung, der Lärmpegel dort ist gigantisch. Der Pavillon ist völlig überaltert, die Heizkörper dort können nur entweder 12 oder 30 Grad. Die Jungentoiletten müssen saniert werden. Die Klassenräume bräuchten einen neuen Anstrich.“ Was steht noch an? Nach dem Osterbasar kommt am 5. Mai der Sponsorenlauf rund um den Schulhof: „Wir möchten neue Bewegungselemente anschaffen. Die alten sind in die Jahre gekommen und müssen ausgetauscht werden.“ Danach steht die Projektwoche ins Haus: „Wir beschäftigen uns mit MINT, haben dazu verschiedene Angebote ausgesucht. Die Kinder konnten ihr Lieblingsthema auswählen: Brückenbauen, Fliegen, Dinosaurier…“
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