Der Herr der Münzen

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Der Herr der Münzen: Numismatiker Heinz Josef Kramer mit ein paar Exemplaren.
 
Zählt zu seinen Lieblingsstücken: Das Portrait der Anna Salome von Salm-Reifferschadt.
Seit nun mehr als 25 Jahren betreut der pensionierte Mathelehrer ehrenamtlich die Münzsammlung im Essener Ruhrmuseum. Dafür bekam er sogar den Landesverdienstorden überreicht. Überdrüssig aber, neue Münzen zu suchen und zu sammeln, ist Heinz Josef Kramer seiner Tätigkeit noch lange nicht. Erst vor kurzem erhielt er ein außergewöhnliches Konvolut, das seinen Blick von seinem Schreibtisch in Frohnhausen in die geheimnisvolle und ferne Welt Mittelasiens von vor 2.200 Jahren lenkte.
Dabei wurde ihm die Numismatik absolut nicht in die Wiege gelegt. Erst nach seiner Pensionierung im Jahre 1988 und Dank seiner Frau hat Kramer begonnen sich mit Münzen zu befassen.
„Ich musste mich auf die Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit machen. Däumchen drehen und vor der Glotze sitzen, das war nichts für mich. Als mich dann auch noch meine Frau aus der Küche geworfen hat und meinte, ich soll mich doch bitte ein Hobby suchen, hatte ich ja keine Wahl mehr“, schmunzelt Kramer.
Und das hat der ehemalige Mathe- und Physiklehrer dann auch gemacht. Als dem „leidenschaftlichen Essener“ dann nämlich auffiel, dass es in der Domschatzkammer des Stifts Essen zwar jede Menge sakraler Gegenstände wie etwa die Goldene Madonna gibt, aber keine Münzen, die die Äbtissinnen des Stifts prägen lassen durften, war sein Ehrgeiz geweckt. „Als mir das aufgefallen ist, habe ich auch direkt gesagt, dass das in der Sammlung der Domschatzkammer fehlt. Und irgendwie hatte ich den Job dann auch schon“, so Kramer weiter.
Der Einstig in die Thematik war aber gar nicht mal so leicht. Da Kramer so gesehen kein Vorwissen hatte, musste er sich das zunächst einmal aneignen: Er hat Bücher gewälzt, sich Dokumente vorgenommen und viele Mails geschrieben. „Unter den Adressaten waren auch die ein oder anderen Professoren. Und weil ich ja neu auf dem Gebiet war, habe ich alle möglichen Fragen gestellt. Manchmal hatte ich da schon Bammel, dass eine nicht so schöne Antwort zurückkommt, weil ich ja wirklich alles mögliche gefragt habe und keine Berührungsängste hatte“, erinnert sich Kramer. „Aber glücklicher Weise bin ich an sehr hilfsbereite Menschen geraten, die mir auch noch die aller nervigste Frage bis ins kleinste Detail erklärt haben.“ Und so hat das „Hobby“ langsam aber stetig Form angenommen und Kramer schaffte es für die Kammer eins bemerkenswerte Münz- und Medaillensammlung aufzubauen.
Fragt man Kramer nach Stücken, die ihm besonders ans Herz gewachsen sind, schmunzelt er. „Ich glaube generell mag man immer die Stücke am liebsten, die man nicht haben kann. Aber zu meinen Lieblingsstücken gehören in jedem Fall der Asnid-Dinar, was man mit „Pfennig aus Essen“ übersetzen könnte und welcher die älteste Münze Essens ist. Dieser wurde bei Bohrungen in Nordpolen gefunden.“ Auch sehr gerne hat Kramer das Stück, auf dem das Portrait von Anna-Salome von Salm-Reifferscheidt, 1646 bis 1688 Fürstäbtissin des katholischen Stifts Essen, zu sehen ist. „Hierauf kann man auch schön sehen, dass sie sich in weltlicher Tracht abbilden hat lassen. Und weil diese Frau damals den Mut dazu besessen hat, fasziniert mich diese Münze so sehr.“
Wer glaubt, dass sich Kramer nur in der Domschatzkammer oder im Ruhrlandmuseum bewegt, irrt. Seit dem Jahr 2000 können auch private Sammler oder Besitzer von Münzen diese zu ihm bringen und sich eine Expertise von Kramer erstellen lassen. Auch das macht er ehrenamtlich und nimmt dafür kein Honorar. „Viele der Münzen, die ich zu Gesicht bekomme, sind Allerweltsmünzen. Aber ab und an stößt man auf richtige Prachtstücke. Und wenn dann etwa römische Kaisermünzen vor mir liegen, ist das schon ein tolles Gefühl“, so Kramer. Oder so wie beim oben beschriebenen Konvolut aus Mittelasien.
Dankbar, dass sich der Numismatiker ihrer Sammlungen annimmt und eine kostenlose Expertise erstellt, sind die Menschen aber sehr. „Umso mehr freut es mich dann, wenn sie sich auf andere Art und Weise bedanken. Einmal habe ich Post aus Israel bekommen und darin stand, dass eine Dame für mich zwei Bäume in Galiläa hat pflanzen lassen. Ein anderer hat mir ein Gedicht geschrieben und ein weiterer Herr aus der Türkei hat mir eine kleine tanzende Derwischfigur als Dank für meine Arbeit geschenkt.“
Je länger man sich mit Heinz Josef Kramer unterhält, desto stärker wird einem bewusst, wie fasziniert der Essener von seinem „Hobby“ ist, obwohl er selbst keine eigene Münzsammlung besitzt. „Dieses Vorhaben habe ich ganz schnell wieder aufgegeben, weil wenn man keine Eingrenzung hat, kann das schnell ins Uferlose führen. Mir reicht die Beschäftigung mit der Domschatzkammer und dem Ruhrlandmuseum. Da sind sowieso meine liebsten Stücke und diejenigen, die eine Geschichte zu erzählen haben“, schließt Kramer.
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