Reportage über Flüchtlinge: Ein syrisches Lächeln, das ansteckt

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Ahmed Abhakiki hatte beim ersten Treffen der Flüchtlinge im VHS-Saal eine Menge Spaß. (Foto: Janina Rohden)
 
Die Brüder Abdahlhadi (l.) und Mohammad Alfadel sind mit ihren Eltern zum Treffen in den VHS-Saal in Gelsenkirchen gekommen und setzten sich sofort an den Mal-Tisch. (Foto: Janina Rohden)
Gelsenkirchen: VHS-Saal |

„Mit meiner Familie habe ich nur Kontakt, wenn sie Strom hat. Dann können wir ein bisschen über das Internet Kontakt halten.“ Ahmed Abhakiki schaut sehr konzentriert und nachdenklich in den Saal. 50 Erwachsene und sieben Kinder machen den Saal der Volkshochschule an der Ebertstraße zu einem sehr belebten Ort. In diesem Moment scheint aber alles stehen zu bleiben.

Ahmed hält kurz inne und denkt an seine Familie, die in Syrien festsitzt. „Mein Bruder ist noch in München, er hat es auch geschafft“, sagt der 20-Jährige. Für einen kurzen Moment lächelt er. Die vermeintliche Stille im Saal weicht, als wenige Meter weiter vier Kinder lachend auf der kleinen Bühne miteinander Fangen spielen.

Seit neun Monaten ist Ahmed in Deutschland und seit einem in Gelsenkirchen und wohnt dort in einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO). „Er ist so alt wie mein Sohn“, wirft Elke Spitaler ein, die neben dem Flüchtling sitzt. Leider wohnt ihr Sohn aktuell aber nicht in Gelsenkirchen. „Sonst würde ich ihn sofort Ahmed vorstellen. Ich bin mir sicher, dass sie sich verstehen würden.“ Elke Spitaler ist eine von sieben Gelsenkirchenern, die beim ersten Treffen dabei ist und sich neben ihrem Beruf ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren will. Die Ehrenamtlichen geben Tipps, sie vermitteln, sie übersetzen. Notfalls mit Händen und Füßen.

Der Bruder in München, die restliche Familie in Syrien

Ahmed hört aufmerksam zu. Sein Blick weicht aber immer wieder zu den Nachbartischen. Sieben Gruppen-Tische sind aufgebaut. An der Seite stehen verschiedene Kekse mit und ohne Nüsse, mit Schokolade und ohne. Wasser, Orangen- und Apfelsaft stehen griffbereit. Ahmed zählt zu den wenigen, die alleine zu dem ersten Treffen vom „Café Miteinander“ im VHS-Saal gekommen sind. An einigen Tischen sitzen Ehepaare mit ihren Kindern, die miteinander spielen, malen und ab und zu höflich nach einem Glas Saft fragen. Die Eltern unterhalten sich mit AWO-Mitarbeitern, die arabisch sprechen können und somit zwischen den Flüchtlingen und den Ehrenamtlichen vermitteln. An jedem Tisch sitzt ein AWO-Mitarbeiter. Auch an dem von Ahmed. Der würde zu gerne jetzt seinem Bruder auch ein Glas Saft bringen. „Ich möchte als erstes einen Integrationskurs belegen“, wirft der 20-Jährige plötzlich ein, um schnell abzulenken. Damit erhofft der Syrer schnelleren und besseren Anschluss an seine neuen Mitbürger zu finden. „Am liebsten will ich Auto-Mechaniker werden.“ In diesem Moment funkeln die Augen von Ahmed wieder und er strahlt über das ganze Gesicht.

Ahmed trägt einen grauen Pullover, der eine Art Reißverschluss über seine rechte Brust hat, dazu eine dunkle Jeans und Turnschuhe, die vom vielen Tragen schon etwas abgenutzter sind. In Teilen habe er schon von Sachspenden profitiert, sagt er.

Erst ein Integrationskurs, dann Auto-Mechaniker werden

„Er ist sehr freundlich und wirkt sehr sympathisch“, sagt Elke Spitaler. Karim Ahmed von der AWO übersetzt die freundlichen Worte der Gelsenkirchenerin für seinen Namensvetter. Der muss lächeln und dabei langsam nicken. Danach legt er vorsichtig und etwas verlegen seine rechte Hand kurz an die linke Schulter von Elke Spitaler und sagt etwas auf Arabisch. Karim Ahmed versteht ihn sofort und übersetzt: „Er bedankt sich sehr für die freundlichen Worte und sagt, dass er das über die Gelsenkirchener auch nur widergeben kann.“

In diesem Moment muss Ahmed Abhakiki nicht an seinen Bruder in München und die restliche Familie in Syrien denken. Er lächelt einfach nur und wirkt für ein paar Minuten glücklich.

Hintergrund

> Das „Café Miteinander“ ist ein Sprach- und Orientierungstreffen für Flüchtlinge, bei dem gebürtige, alteingessene und neudazugewanderte Gelsenkirchener ins Gespräch kommen und sich kennenlernen sollen.

> Die ersten Treffen des Cafés fanden im VHS-Saal an der Ebertstraße 19 statt und werden von AWO-Ehrenamtlichen mit Unterstützung der AWO Integrationsagentur organsisiert. Für Kinder gibt es eine Spielecke sowie eine Führung durch die Kinderbibliothek.

> Weitere Standorte in Ückendorf (KIGE), Rotthausen, Schalke Nord und Buer starten auch demnächst.

Diese Reportage ist im Rahmen der Initiative "Das geht uns alle an" vom BVDA (Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter) entstanden.

> Hier geht zu den Themen vom BVDA
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