150 neue Gäste in Gladbeck: Wer? Was? Wann? Wo?

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Gladbeck: Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule | Als Bürgermeister Ulrich Roland das Wort ergreift, ist ihm der Stress der letzten 24 Stunden anzumerken. Am Donnerstag, 23. Juli, meldete hatte sich in den Morgenstunden die Bezirksregierung gemeldet. Gladbeck habe am Sonntag, 26. Juli, 150 Geflüchtete zu erwarten. Viel mehr Informationen sind es auch am Freitagmittag nicht, als die Pressekonferenz beginnt. Es steht aber fest, dass die Menschen in der Großsporthalle der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule in Rentfort-Nord untergebracht werden.

"Schon in den letzten Jahrzehnten hat Gladbeck Gäste aufgenommen, mitunter mussten auch sie in zentral in Hallen untergebracht werden. Dass aber so kurzfristig eine so große Anzahl an Menschen angekündigt wird, so wenig Zeit für Vorbereitungen bleibt, das alles ist eine ganz neue Situation. Ich hoffe jetzt auf die Solidarität der Stadtgesellschaft, und da bin ich zuversichtlich", eröffnet Roland die Sitzung.

Im Empfangssaal des Alten Rathauses sind Abgesandte verschiedenster Ämter und Verbände aus dem Stadtgebiet zusammengekommen: Unter anderem sind das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Katholischen Kliniken Emscher-Lippe (KKEL), das Ordnungsamt, das Amt für Integration und Ausländerwesen, die Feuerwehr, das Amt für Soziales und Wohnen und das Jugendamt vertreten. Die Koordination der zu meisternden Aufgaben übernimmt Thomas Andres, Leiter der Abteilung "Existenzsicherung und Wohnen" im Amt für Soziales und Wohnen. Und die Planungen, so stellt Andres anfangs fest, seien abgeschlossen, besonders dank der Hilfsbereitschaft und der Expertise des DRK-Verbands Gladbeck.

Logistisches Meisterstück


"Wir sind durchaus ausgebildet, auch innerhalb kürzester Zeit die notwendigen logistischen Vorkehrungen treffen zu können", beruhigt Wilhelm Walter, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes, die Anwesenden. Für die Vorbereitungen konnte er haupt- wie ehrenamtliche Mitglieder seines Kreisverbandes gewinnen. Er fügt an: "In den vergangenen Jahren konnten wir dahingehend wichtige Erfahrungen sammeln; wir wissen, was gebraucht wird." Tatsächlich ist der logistische Aufwand enorm: Neben 150 Feldbetten, 450 Einwegkopfkissen, 450 Decken und 30 Bierzeltgarnituren (je ein Tisch, zwei Bänke) muss auf Hygiene-, Brandschutz- und Fluchtwegvorschriften geachtet werden. "Auch müssen wir auf alle möglichen Eventualitäten vorbereitet sein. Schwangere, Diabetiker, Säuglinge - sie alle bedürfen besonderer Versorgung. Hier hilft uns der Landesverband des DRK", so Walter. Doch auch Dolmetscher, mehrsprachig beschriftete Hinweisschilder und vieles mehr müsse organisiert werden. Neben dem Roten Kreuz wird auch der Ortsverband Gladbeck/Dorsten des Technischen Hilswerks (THW) mit ehrenamtlichen Kräften bei den Vorbereitungen sorgen. Die KKEL werden die Neuankömmlinge dreimal täglich mit Lebensmitteln versorgen, sogar ein Sportverein bot seine Hilfe an: Mitglieder des BV Rentfort haben sich bereit erklärt, den Boden der großen Sporthalle mit einem PVC-Belag auszulegen und so zu schützen.

Halle in Rentfort ohne Alternative


Ulrich Roland erläutert, warum die Wahl auf die Wahl auf die Dreifach-Sporthalle in Rentfort-Nord gefallen ist: "Keine andere Halle auf Gladbecker Stadtgebiet hat die erforderliche Größe oder erfüllt annähernd die Sicherheitsverordnungen." Hier stimmt auch Agnes Stappert, Leiterin des Amtes für Jugend und Familie, zu: "Die Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule ist eine multikulturell geprägte Schule, das Freizeittreff Rentfort Nord befindet sich in unmittelbarer Nähe, das sind gute Vorzeichen. Und eine Alternative gibt es derzeit nicht."

Auch sei im Moment nicht gewiss, wie lange die Halle als Notunterkunft herhalten müssen wird. Peter Breßer Barnebeck vom Referat für Wirtschaftsförderung und Kommunikation verweist auf die schwierige Situation, in der sich auch die Stadtverwaltung befindet: "Es ist derzeit auch nicht bekannt, um was für Menschen es sich bei den Gästen handelt. Nationalität, Aufenthaltsstatus, Religionszugehörigkeit - all das ist unbekannt und wird sich erst im Verlauf des Sonntages aufklären. Es ist nicht einmal klar, aus welcher Stadt in NRW der Bus losfahren wird, der hier ankommen soll."

Sicherheit gewährleistet


Die Sicherheit der Geflüchteten ist ebenfalls gewährleistet. Ein Sicherheitsdienst wurde von der Bezirksregierung beauftragt, auf dem Gelände an der Enfield-Straße permanent für Schutz zu sorgen; die Polizei signalisierte ebenfalls die Bereitschaft, verstärkt Präsenz zu zeigen. "Zwar rechnen wir fest mit der großen Willkommenskultur der Gladbeckerinnen und Gladbecker, dennoch sind wir verpflichtet, für die Sicherheit unserer Gäste zu sorgen", so Bürgermeister Roland. Abschließend lobte der erste Bürger die zahlreichen Solidaritätsbekundungen und Hilfsangebote aus der Bevölkerung, die bereits bei der Stadtverwaltung eingegangen seien.

Bei weiteren Fragen, Anregungen und Angeboten steht die Stadtverwaltung unter der E-Mail-Adresse fluechtlingshilfe@stadt-gladbeck.de und unter Tel. 992243 zur Verfügung.

Roland: "Wir alle haben ein Riesenglück, hier zu leben. Frieden, Wohlstand, ein Rechtsstaat - das sollten wir gern mit denen teilen, die dieses Glück nicht haben."
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