Mit schärferem Blick

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Bisher arbeitet Tanja Bremer in einem kleinen Arbeitszimmer in ihrem Haus an ihren Bildern. Das möchte sie aber bald ändern, da sie mehr Platz benötigt.
 
Nicht nur in ihrem Flur, sondern im gesamten Haus hängen Bilder der Wahl-Hattingerin, von klein- bis großformatig.
Mit Mitte 40 entschied sich Tanja Bremer, einen neuen Weg einzuschlagen und begann daher ein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Essen (HBK). Im Rahmen der Serie „Zu Besuch...“ erklärte sie dem STADTSPIEGEL, was das für sie bedeutet.
„Ich empfinde es als sehr großes Glück, dass ich nun meiner Leidenschaft nachgehen kann“, sagt Bremer, die erst vor wenigen Jahren mit ihrem Mann nach Hattingen zog. Schon von Klein auf habe sie sich für die Malerei interessiert. „Das fing bereits mit den Wasserfarben im Kindergarten an.“

Dennoch entschied sie sich nach dem Abitur - vor allem auch auf Wunsch ihrer Eltern hin - für ein Sprachen-Studium und arbeitete bis vor zwei Jahren als Übersetzerin. „Als ich dann in der Zeitung von der Gründung der neuen Hochschule las, weckte das sofort mein Interesse.“ Der Zuspruch ihres Ehemannes animierte sie schließlich dazu, ihren Job zu kündigen, eine Mappe mit rund 20 Werken anzufertigen und sich an der ETB zu bewerben.
Mit Erfolg: In wenigen Tagen beginnt für die 45-Jährige das vierte Semester. „Es ist erstaunlich, was ich in dieser kurzen Zeit schon alles an der ETB gelernt habe“, berichtet sie. So habe sie nicht nur ihre Technik verfeinert, sondern auch einen viel schärferen Blick für Kunstwerke bekommen. „Ich habe tatsächlich gelernt, richtig hinzuschauen“, sagt Tanja Bremer. „Auf den ersten Blick sieht man nämlich tatsächlich nur das Gesamtkunstwerk. Aber auf den zweiten und dritten Blick erkennt man auch die einzelnen Details. Und dann beginnt man auch zu hinterfragen, was damit wohl ausgedrückt werden soll.“

Wie genau oder wo sie nach ihrem Bachelor-Abschluss als Künstlerin arbeiten möchte, weiß Tanja Bremer noch nicht. „Das halte ich mir offen.“ Bei einigen Ausstellungen waren ihre Werke bereits zu sehen. „Dadurch wurde auch erst kürzlich ein Kunst-Interessierter auf mich aufmerksam und hat zwei meiner Bilder gekauft“, freut sie sich. Ansonsten habe sie auch schon einzelne Werke an Bekanne verkaufen können. Der Großteil hängt allerdings noch in ihrem Haus verteilt.

„Müsste ich meinen eigenen Stil beschreiben, würde ich mich wohl zu den Realisten zählen“, sagt Tanja Bremer die überwiegend figürlich malt. „Doch eigentlich würde ich mich auch noch gar nicht als Künstlerin betiteln. Ich finde, dass man sich es erst erarbeiten muss, sich so bezeichnen zu dürfen. Ich stecke aber noch in der Entwicklung.“ Sowieso ist die Wahl-Hattingerin sehr kritisch mit ihrer eigenen Arbeit, sieht teilweise Verbesserungsbedarf in vielen ihrer bisherigen Werke.
Mit viel Disziplin und Perfektionismuss setzt sie sich jeden Tag vor die Staffelei und arbeitet an ihren Bildern. „Das erfordert ein hohes Maß an Konzentration.“ Derzeit arbeitet sie nicht nur an einer Serie mit Händen, sondern auch an einer Serie mit Bildern, die Straßen abbilden. „Ich male auch sehr gerne Landschaftsbilder oder Bilder von naturgewalten.“ An Ideen mangele es ihr zumindest nicht.

Nicht nur das Studium an sich, auch das Material koste natürlich sehr viel Geld. „Ich habe das Glück, dass mein Mann mich diesbezüglich unterstützt“ Und zwar nicht nur finanziell, sondern auch mental. „Er motiviert mich, äußert aber auch ehrliche Kritik und begleitet mich oftmals auf Ausstellungen.“ Eine wirkliche Leidenschaft für Kunst habe er aber nicht. „Aber gerade das ist gut, er betrachtet dann alles ohne Sachverstand, das ermöglicht auch mir nochmal eine ganz andere Perspektive.“

Nun hofft Tanja Bremer, dass sie bald ein schönes Atelier in Hattingen findet. „Mein Mann und ich fühlen und sehr wohl hier und sind froh, dass es uns beruflich damals hierher verschlagen hat.“ Die Umgebung mit vielen Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung, aber auch die offene Art der meisten Bürger, sei ihr sehr schnell positiv aufgefallen. „Vielleicht kann ich mich ja auch mit anderen Hattinger Künstlern zusammenschließen und gemeinsam ein Atelier finden“, so eine Überlegung der Kunst-Studentin. „Eines ist jedenfalls klar: Mein kleines Arbeitszimmer reicht auf Dauer nicht mehr aus.“ Vor allem, weil schon wieder viele weitere Arbeiten in Planung sind.
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