Kampf für den eigenen Frieden

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Rasha und Zafer Alyuosef mit einem Dolmetscher (links) zu Besuch in der Gesamtschule. Foto: Pielorz
 
Die Schüler der Gesamtschule hören konzentriert zu. Foto: Pielorz

Drei Wochen dauerte die Flucht der syrischen Familie Alyousef von Syrien nach Deutschland. Das Ehepaar Zafer und Rasha flüchtete mit ihren Kindern Hamza (4) und Sara (5) aus dem Krieg in den Frieden. Seit dem Herbst 2015 haben sie in Sprockhövel eine Wohnung bezogen. Die Kinder besuchen den Kindergarten, die Familie möchte Deutsch lernen und sich ein neues Leben aufbauen.

Die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Hasslinghausen veranstaltete einen Aktionstag gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und hatte dabei auch das syrische Ehepaar Alyuosef zu Gast. Gemeinsam mit einem Dolmetscher berichtete das Paar über seine Flucht aus Syrien und wie es nun weitergehen soll.
„Im Juni 2015 beschlossen wir, Syrien zu verlassen“, erklärt Zafer Alyuosef. „Mein Sohn war damals drei Jahre alt, meine Tochter vier Jahre. Beide Kinder kannten nur Krieg und Bomben. Selbst beim Frühstück mussten wir Angst haben. Nie wusste man, was als nächstes passieren würde. Einmal fielen drei Tage keine Bomben, da war ich mit meinem Sohn auf der Rutsche am Spielplatz. Das hat er immer so gern gemacht. Aber der Krieg hat alles kaputt gemacht. Ich habe 17 Jahre in einem Labor im Krankenhaus gearbeitet. Jetzt ist alles zerstört. Meiner Familie ging es vor dem Krieg gut. Wir konnten Urlaub machen, auch im Ausland. Unsere Familie ist nicht arm und wir sind eine große Familie. Doch jetzt ist alles anders.“
Zusammen mit seiner Frau Rasha machte sich Zafer mit den Kindern und dem Gepäck auf den Weg. Zunächst bis zur türkischen Grenze. „Wir waren viele. Wir standen dort und warteten. Beamte kamen, sie sagten etwas. Ich habe das nicht verstanden, ich spreche kein türkisch. Man hielt mir eine Pistole an den Kopf, vor den Augen meiner Kinder und meiner Frau. Nur aus Provokation. Endlich durften wir einreisen. Wir sind einen Berg hochgelaufen und dann haben wir in der nächsten Stadt jemanden gesucht, der uns weiterhelfen kann.“
Mit einem kleinen Boot für zehn Personen (vierzig saßen auf dem Schiff) fuhren sie nach Griechenland. „Während der Überfahrt kreiste ein Hubschrauber über dem Boot. Wir wussten nicht, wer das war, wir hatten Angst. Doch es war ein griechischer Hubschrauber. Dann ging es zu Fuß weiter.“ Sie wurden Opfer von Betrügern, wie so viele Flüchtlinge. „Wir verstehen die Sprachen der Länder nicht, durch die wir kommen. Manche haben alles verkauft und mit dem Geld flüchten sie nach Europa. Manche Dinge sind für Flüchtlinge viel teurer als sie eigentlich kosten. Wir wissen das nicht und zahlen oft mehr als die Dinge wert sind.“
Weiter ging es über Mazedonien mit dem Zug, dann nach Serbien. „Immer wieder haben wir irgendwo gestanden und stundenlang gewartet. Viele Flüchtlinge wurden ohnmächtig. Einmal sahen meine Kinder Beamte ein Eis essen und haben mich gefragt, ob sie den Mann fragen können, ob sie auch eines bekommen. Ich habe ihnen gesagt, dass es nicht gehe. Denn es waren viele Kinder um uns herum und niemand hatte ein Eis.“

Schüler sind beeindruckt

Über Österreich kam die Familie schließlich nach Deutschland. „In einem Café habe ich meine Frau und meine Kinder zum ersten Ma lwieder Lachen hören. Wir wurden mit Kleidung und Lebensmitteln versorgt. Wir haben in vier Wochen mehrere Flüchtlingsunterkünfte kennengelernt, bis wir in Sprockhövel ankamen. Dann haben wir hier später eine Wohnung bekommen.“
Gern würde Zafer Alyuosef nach dem Erlernen der deutschen Sprache wieder in seinem Beruf arbeiten. Die Kinder besuchen beide den Kindergarten und haben Freunde gefunden. Sara spricht schon sehr gut Deutsch. „Syrien, das ist meine Heimat. Aber ich kann dort mit meinen Kindern und meiner Frau nicht leben. Vielleicht, wenn der Krieg irgendwann vorbei ist, können wir zurückgehen. Ich weiß es nicht.“ Hoffnung auf einen schnellen Frieden hat er nicht.
Ursprünglich wollte die Familie noch weiter nach Schweden, weil dort entfernte Verwandte leben. Doch jetzt wollen sie Sprockhövel zu ihrer neuen Heimat machen.
Die Gesamtschüler lauschen den Erlebnissen der Familie schweigend. Dann stellen sie einige Fragen, die Betroffenheit ist ihnen anzusehen. Zum Schluss betont Zafer Alyuosef, dass er sich freue, dass man sich Zeit zum Zuhören für seine Geschichte und seine Familie genommen habe. Und er lädt die Schüler ein zu einem privaten Besuch in ihrer Wohnung in Sprockhövel und nennt seine neue Anschrift. „Da wohnt ‚familiy Alyuosef‘. Kommt uns besuchen, wir freuen uns auf euch.“
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