Von Socken, Schals und einem Projekt für junge Skater

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Heidi präsentiert selbstgestrickte Socken von der 94jährigen Frau Böhm.
 
Stricken ist ihr leidenschaftliches Hobby im Kick: (v.l.) Heidi, Lilo, Ingelore, Renate, Erika und Hildegard Fotos (2): Biene
Hattingen: kick | (von Leon Reinecke)

Wer kennt sie nicht? Die Gespräche zu Weihnachten darüber, wie schön früher alles war und wie anders es doch heute ist. Auch Heidi, Lilo, Ingelore, Renate, Erika und Hildegard wissen das. Die Damen stricken momentan fleißig für den Weihnachtsmarkt. „Wir stricken schon seit Jahren zusammen. Am liebsten Socken, weil die so schön von der Hand gehen“, schildert Heidi. Gestrickt wird im Kick und die fertigen Sachen kann man in der Ehrenamtbude auf dem Hattinger Weihnachtsmarkt erstehen.

Vor vielen Jahren waren es noch zwei bis drei Damen, die sich hin und wieder zum Stricken trafen. Heute sitzen bis zu 15 Frauen bei Kick in der Augustastraße am Tisch. Feste Zeiten gibt es nicht. Die Damen lernten sich mit der Zeit kennen und freundeten sich an. In der Strickgemeinschaft herrscht ein sehr freundlicher, herzlicher und offener Umgang miteinander.
Ihre Handarbeiten erledigen sie aber nicht bloß zum Spaß. Sie sammeln Geld mit dem Verkauf ihres Gestrickten und spenden dies an verschiedene Projekte. Die Frauen haben als eines ihrer ersten Projekte mit der Förderschule St. Georg zusammen gearbeitet, in der sie dann auch häkelten. Später umstrickten sie einen Baum als Kunstprojekt. Das Gestrickte kam unter anderem schon einem Kinderhospiz und dem Hattinger Verein „Kindern in Namibia“ zugute. Im Moment planen sie, mit den nach Hattingen kommenden Flüchtlingen zu stricken.
Vorher müssen sie jedoch noch ein paar Socken stricken. Denn diese sollen auf dem Weihnachtsmarkt in der Ehrenamtsbude auf dem Kirchplatz am Donnerstag, 27. November, verkauft werden. Die Erlöse aus dem Gestrickten und den Holzarbeiten der St. Georg-Schule sind für die Sanierung der Skateranlage bestimmt.

Auch auf dem Weihnachtsmarkt

Der Weihnachtsmarkt selbst gefällt den Damen gut. Dass der Hattinger Weihnachtsmarkt nicht über den Heiligen Abend hinaus geht, finden sie sehr wichtig und man solle sich bloß nicht an anderen Städten orientieren, in denen dies nicht so wäre. Es sei bereits Tradition, dass der Weihnachtsmarkt nach dem Totensonntag beginnt und kurz vor Weihnachten endet. So gehöre der Abschluss Frau Holle mit dem Öffnen des letzten Türchens am Heiligen Abend schon morgens um 11 Uhr. Alles andere, was über dieses Ereignis hinaus gehe, sei nur Kommerz und hätte nichts mit dem festlichen Gedanken und Fühlen zu tun.
Obwohl sie mit ihren Handarbeiten ja quasi selbst Bestandteil des Weihnachtsmarktes sind, bezeichneten sie das Geschehen zur besinnlichen Zeit als „verrückt“ im Vergleich zu damals.
Insgesamt seien die Feiertage früher schöner gewesen. Die Adventszeit hätte mit den ersten Plätzchen begonnen. Man hat gebastelt und gesungen. „Heute beginnt die Weihnachtszeit des Geldes wegen schon im August“, sind sich die Frauen einig, die nur ihre Vornamen verraten möchten. Früher war es für sie immer die beste Zeit des Jahres, als es noch um das Beisammen sein und die „zauberhafte“ Zeit ging und nicht um Geschenke. Sie kommen ins Schwärmen, als sie erzählen, wie es in ihrer Jugend noch keine Hektik gab, sondern nur Freude.
Bei den familiären Festen damals hätten sie übrigens auch schon gestrickt, merken sie mit einem Augenzwinkern an.
Der Sinn der Adventszeit gehe heute verloren. Das Nikolausfest wäre früher auch für die Erziehung wichtig gewesen – nicht für kleine Geschenke. Aber: „Die Geschenke werden wieder kleiner werden als in den letzten Jahren“, sind sie sich sicher. Dies liege nämlich an dem wenigen Geld, das man noch für Geschenke hätte.
Wer nun noch Socken für den Winter braucht, kann ihnen ja einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt abstatten oder beim Stricken im Kick an der Augustastraße, denn dabei ist wirklich jeder willkommen.
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