Deutschförderer: Sprache lebendig vermitteln

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Rund zwanzig Teilnehmer kamen zum Gründungstreffen der "Deutschförderer" Foto: Pielorz
 
Das Thannhauser Modell und die entsprechenden Materialien dienen oft als Grundlage für Deutschkurse Foto: Pielorz
Hattingen: Gemeindezentrum Johannes |

Die „Deutschförderer“ haben sich gegründet. Der STADTSPIEGEL berichtete über die Idee von Hans-Karl Höflich, einem ehemaligen Schulpsychologen, vormittags an Grund- und weiterführenden Schulen Unterstützung für Flüchtlingskinder anzubieten, die die deutsche Sprache lernen. Kontakt gibt es bereits zu fünf Grundschulen und der Gesamtschule in Welper. Zum Gründungstreffen dieser Initiative kamen rund zwanzig Besucher ins Gemeindezentrum in die Uhlandstraße.

Ob wirklich alle „Deutschförderer“ werden, bleibt abzuwarten. Aber in jedem Fall war die Resonanz auf die Idee gut und die Besucher mit Eifer bei der Sache. Sie bringen höchst unterschiedliche Professionen und auch Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe mit.
So saß beispielsweise ein ehemaliger Elektroingenieur mit am Tisch, der schon Kontakt zu Flüchtlingen durch ehrenamtliche Arbeit im Haus Friede hat. Eine Studentin der Fotografie wollte mithelfen, ebenso viele pensionierte Lehrer und Lehrerinnen. Unter den Interessierten waren auch eine Bewährungshelferin, aktive Lehrer mit einem Zeitfenster für Ehrenamt, eine Fremdsprachensekretärin. Menschen, die schon bei der Kleiderkammer arbeiten und ein Ergotherapeut. Ihre Zielsetzung ist gleich: „Wir möchten gern mit Flüchtlingen arbeiten, insbesondere mit Kindern und Jugendlichen. Es sind unsere neuen Nachbarn, mit denen wir viel zu tun haben werden.“
Manche, die dort sitzen, haben Erfahrung mit Deutschkursen nach dem Thannhauser Modell. Hier hat ein Deutschkurs-Helferkreis aus Thannhausen in Schwaben ein Konzept erarbeitet, in dem zwölf Themen auf 46 illustrierten Arbeitsblättern erste einfache Sprachkenntnisse vermitteln sollen. „Ich nehme dies gern als Grundelement“, so Christa Heinbruch, die auch schon in einem Projekt der Stadtbibliothek mit Flüchtlingen die deutsche Sprache vermittelt. Alle, die bisher schon Erfahrungen gesammelt haben, sagen: „Schwierig ist die Fluktuation der teilnehmenden Flüchtlinge. Und es bringt überhaupt nichts, sie mit komplizierten Konjugationen oder Deklinationen der Sprache zu versorgen. Sie müssen, unterstützt von Mimik und Gestik, einfache Wörter und Sätze des Alltags lernen. Die Vermittlung der Sprache muss lebendig sein.“ Empathie ist eine entscheidende Voraussetzung.
Ideengeber Hans-Karl Höflich ergänzt: „Ziel ist es, vormittags in die Schulen zu gehen und dort nach Absprache mit den Lehrern sich um einzelne Kinder zu kümmern. Das können bestimmte Übungen sein, das kann Lesen und Vorlesen sein, das kann aber auch ein praktischer Besuch auf dem Markt sein. Und vielleicht ergibt sich aus der individuellen Betreuung der Kinder auch ab und zu eine Freizeitgestaltung oder irgendwann vielleicht eine Art Patenschaft“
Es fehle an Strukturen, beklagen die Teilnehmer. Ideen und Angebote gäbe es in der Flüchtlingshilfe viele, doch die Vernetzung der Angebote ließe zu wünschen übrig.

Weiteres Treffen

Lebhaften Beifall findet die Idee einer Dozentin, mit Rollenspielen auf die Flüchtlinge einzugehen und diese Möglichkeit für den Spracherwerb zu nutzen. Dies könne sie möglicherweise auch in einem Workshop einigen Mitstreitern der „Deutschförderer“ vermitteln. Aber auch das Angebot eines Teilnehmers, in geeigneten PC-Räumen über Möglichkeiten des Spracherwerbs mit geeigneten Programmen zu informieren und mit ihnen zu arbeiten, findet Interesse.
Höflich, der selbst als Kind 1956 aus der damaligen DDR flüchtete und auch drei Jahre in mehreren „Flüchtlingsunterkünften“ lebte, kann sich gut in die Situation der jungen Menschen hineinversetzen. Vier Schwerpunkte bilden sich in der Gründungsphase: Kinder und Schule, Jugendliche und Schule, Kinder und Freizeit sowie Jugendliche und Freizeit.
Die nächsten Schritte sind die Kontaktaufnahme zu den unterschiedlichsten Einrichtungen, Klärung der Bedarfe und Organisation des jeweiligen Einsatzes.
Die „Deutschförderer“ treffen sich wieder am Donnerstag, 18. Februar, 10 Uhr, im Gemeindezentrum in der Uhlandstraße 32.
Alle, die sich für den Aufbau des Netzwerkes und einer solchen Arbeit mit Flüchtlingskindern interessieren, sind herzlich eingeladen. Wer Informationen benötigt oder Fragen hat, kann sich per E-Mail wenden an deutschfoederer-en@gmx.de
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