Jedes sechste Kind in Hattingen lebt in Armut

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Am Stand vom „HAZ – Arbeit und Zukunft“ waren die Schulsozialarbeiter Daniel Neuendorf und Inge Kampmann dabei. Die Giraffe dient als Symbol zur Förderung des Sozialverhaltens.Foto: Strzysz
 
Sozialdezernentin Beate Schiffer

„Wir können Armut nicht strukturell beseitigen, aber wir können Benachteiligungen durch gemeinsames Handeln vor Ort etwas entgegensetzen”, so Hattingens Sozialdezernentin Beate Schiffer in ihrer Einladung zur zweiten Armutskonferenz, die jetzt in der Realschule Grünstraße stattfand.


„Bei der ersten Armutskonferenz bestand bereits Einigkeit darüber, dass öffentliche Erziehungs-, Bildungs- und Kultureinrichtungen für eine gedeihliche Entwicklung und freie Entfaltung der Persönlichkeit sozial benachteiligter Kinder und Erwachsener unentbehrlich sind. Deshalb haben wir uns darüber verständigt, dass im Rahmen einer zweiten Armutskonferenz der Bildungsgedanke im Vordergrund stehen soll“, so Beate Schiffer.
Viele verschiedene Institutionen nahmen an der Armutskonferenz teil. So hat Bernd Loewe für „Hattingen solidarisch“, der auch gleich einen entsprechenden Beitrag unter www.lokalkompass.de/hattingen einstellte.
„Die Zahlen aus dem neusten Armutsbericht des Ennepe-Ruhr-Kreises belegen einen Anstieg der Menschen in Hattingen, die von Armut betroffen sind. Die offizielle Armutsquote beträgt jetzt 10,1 Prozent (9,6 Prozent), in absoluten Zahlen sind 5.589 (5.376) Menschen von jung bis alt betroffen. Die Armut verfestigt sich, bereits 17,8 Prozent der Kinder bis 14 leben in Armut. Sie sind häufiger betroffen als Erwachsene, erklärte auch Regine Hannappel von der Stadt Hattingen, die auch den ersten Demografie-Bericht für Hattingen erstellt hat“, beschreibt Loewe die Situation.
Neben „Hattingen solidarisch gibt es viele Institutionen vor Ort, die sich um Betroffene kümmern.
„Und das ist gut so“, sagt Erika Beverungen-Gojdka, Fachbereichsleiterin Soziales und Wohnen. Sie teilt nicht die Auffassung der Hattinger Tafel, dass sich mittlerweile zu viele Institutionen und Vereine um das immer gleiche Zielpublikum kümmern und die Arbeit dadurch zerfasert wird. Die Tafel, wir berichteten, hatte nicht an der Armutskonferenz teilgenommen.
„Armut stellt sich heute anders dar. Es geht nicht um Nahrung oder Kleidung, zumindest nicht hier in Hattingen. Es geht um Bildung und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wir möchten nicht, dass Kinder beispielsweise nicht in einem Sportverein sind, nur weil die Eltern den Beitrag nicht zahlen können. Diejenigen, die Wohngeld bekommen, erhalten automatisch Informationen über das Bildungs- und Teilhabepaket und wie sie es abrufen können. Schwieriger ist es, an diejenigen heranzukommen, die knapp über dem Existenzminimum liegen und keine Leistungen beziehen, trotzdem aber kein Geld für bestimmte Dinge übrig haben.“
Auch Altersarmut sieht Beverungen-Gojdka als zunehmendes Problem. „Gewiss, noch sind die Zahlen in Hattingen nicht hoch. Aber alle Experten sind sich einig, dass dies ein zukünftiges Problem wird und wir uns damit befassen müssen.“
Für Sozialdezernentin Beate Schiffer war die zweite Armutskonferenz ebenfalls ein Erfolg der Diskussion und Vernetzung. An der ersten Konferenz hatten rund 130 Menschen teilgenommen, jetzt waren es etwas weniger.
„Nach zwei Armutskonferenzen wird es jetzt mittelfristig eine Bildungskonferenz geben“, zieht sie Bilanz. „Bildung ist einer der entscheidenden Faktoren, über den sich Armut heute definiert. Wir haben nach der ersten Armutskonferenz die Schulsozialarbeit auf die Grundschulen ausgeweitet. Das war sehr wichtig. Wir wollen eine Schulung für Ehrenamtliche und unser Ziel ist es, dass kein Kind die Schule ohne qualifizierten Schulabschluss verlassen darf. Die öffentliche sozio-kulturelle Bildung muss ebenfalls jedes Kind erreichen.“
Beate Schiffer zeigt sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Konferenz.
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3 Kommentare
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Dr. Anja Pielorz aus Hattingen | 12.11.2013 | 15:38  
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Renate Sültz aus Lünen | 12.11.2013 | 16:08  
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Renate Sültz aus Lünen | 12.11.2013 | 16:09  
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