Besinnliches von Martin Funda: "Alles hat seine Zeit"

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Pfarrer Martin Funda, Evangelische Gemeinde Sprockhövel

„Alles hat seine Zeit“ – einer der bekanntesten Texte aus der Bibel (Prediger 3).

Und es folgt eine Aufzählung von Gegensätzen: weinen, lachen, schweigen, reden, geboren werden, sterben.
Alles hat seine Zeit bedeutet auch, dass alles seine Zeit braucht. Manchem müssen wir Zeit lassen. Wir können zwar versuchen, alles immer schneller zu schaffen: Abitur in acht Jahren, Poweryoga, Gas geben – aber dem Menschen wird man so nicht gerecht.
„Alles hat seine Zeit“ – einen richtigen Zeitpunkt, Zeitspanne und Abfolge.
Sommer, Winter, Saat, Ernte, kirchliche Feste, eine stille Zeit – alles gibt dem Leben einen Rahmen.
„Alles hat seine Zeit.“
Und wenn wir die Zeit umstellen wollen? Ich habe am letzten Wochenende alle Uhren in der Wohnung umgestellt, doch meine innere Uhr braucht Zeit. Ich habe eine Stunde früher Hunger, sagt mir mein Bauch.
Und mein Kopf braucht auch Zeit. Gedanken müssen reifen. Kreativität entsteht aus Langeweile, sagen die Fachleute.
Mit den bekannten Gegensätzen ist der Text aber noch nicht zu Ende:
„Man kann sich abmühen, wie man will, man hat doch keinen Gewinn davon.“
Hetze bringt nichts. Geschäftemachen führt nicht ins Glück. Halt mal!
Deshalb ist eine der wichtigsten Spielregeln für ein gutes Leben nicht nur stehlen, lügen und töten zu lassen, sondern auch den Sonntag zu heiligen. Mach mal Pause, schalte ab, genieß den Feiertag, mach Feierabend.
Selbst Sklaven haben in der Bibel ein Recht auf einen freien Tag. Da sollte dies doch auch für Verkäuferinnen gelten. Wenn Menschen es nicht mehr schaffen, an Arbeitstagen einzukaufen, kann die Lösung nicht sein, die Verkäuferinnen mehr arbeiten zu lassen, sondern andere weniger.
„Alles hat seine Zeit.“ Ganz erstaunlich ist die Lehre, die der Prediger aus seinen Betrachtungen der Zeit zieht: „Da wurde mit klar, dass es nichts Besseres gibt als bei allem fröhlich zu sein und sich gut gehen zu lassen.“
„Gott hat alles schön gemacht, er auch hat die Ewigkeit in das Herz des Menschen gelegt.“
Wir haben Zeit genug.
Also: wenn Sie keine Zeit haben, nehmen sie sich welche.
Amen.
Ihr
Pfarrer
Martin Funda
Evangelische Gemeinde Sprockhövel
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Torsten Richter-Arnoldi aus Hattingen | 31.10.2014 | 00:08  
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