„Man fühlt sich einfach sicherer“

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Trainer Christoph Schäfer (schwarzer Anzug) führt den teilnehmenden Frauen einen Armhebel vor. Foto: Kosjak
(von Dino Kosjak)

Claudia Lück geht Jasmin Brinkhoff an den Kragen. Mit einer tänzerischen Wende gelingt es Jasmin Brinkhoff, dem Griff zu entkommen und die Finger der Angreiferin mit einem Hebelgriff zu sichern. Die beiden Hattingerinnen lernen Selbstverteidigung.

Dies ist ihre dritte Unterrichtsstunde, und hier und da halten die beiden inne, um zu überlegen, welche Bewegung als nächstes folgt. Doch mit ihren Fortschritten sind sie zufrieden. „Die Bewegungen werden nach und nach selbstverständlich“, sagt Jasmin Brinkhoff. Und Claudia Lück fügt hinzu: „Anfangs kostet es schon Überwindung, so rau miteinander umzugehen, aber mittlerweile klappt es ganz gut“.
Zum ersten Mal bietet der 1. Judo und Jiu Jutsu Club Hattingen (JJJC) einen kostenlosen Selbstverteidigungskurs für Frauen an. Er findet statt an vier Terminen. Geleitet wird er von Christoph Schäfer, dem Leiter der Abteilung Jiu Jutsu.
Das Unterrichtsziel bestehe darin, einfache Handgriffe für knifflige Situationen zu erlernen, so Christoph Schäfer. Neben dem Erlernen der einzelnen Techniken gehe es auch um die Schulung des richtigen Verhaltens. „Die Frauen sollen lernen, laut zu werden und Grenzen aufzuzeigen: Stopp, bis hierher und nicht weiter!“
Im Verlauf des Unterrichts betont Christoph Schäfer mehrfach, dass auf eine Bedrohung von Anfang an entschlossen zu reagieren sei. „Wenn ihr bedrängt werdet, muss sofort etwas kommen, ob ihr nun den Schlüssel werft oder spuckt.“ Ein Angreifer könne auf diese Weise wenigstens für einen Augenblick verwirrt werden.
Der eigentliche Gegenangriff müsse dann umgehend und mit vollem Einsatz erfolgen. „Das muss richtig knallen“, sagt er. „Wenn ich das nicht richtig mache, dann steht der sofort wieder auf und ist erst recht sauer.“ Mit dem richtigen Vorgehen dagegen könne die Zeit gewonnen werden, die nötig ist, um sich in Sicherheit zu bringen. 
An Einsatz lassen es die Kursteilnehmerinnen nicht mangeln: Wieder und wieder schlagen Unterarme gegeneinander und werden Faustrücken zum Kopf der Trainingspartnerin geschleudert. Die hält ihre eigene Hand als Trefferfläche auf Höhe ihres Gesichts. So sammeln sich blaue und gelbe Flecken wenigstens nur an den Armen – und nicht im Gesicht.
Zur heutigen Stunde sind acht Frauen gekommen. Unterstützt werden sie von weiblichen und männlichen Trainingspartnern aus dem JJJC. „Oh, das hat ja geknackt.“ Ein wenig erschrocken wirkt Margarete Serrano schon, als sie Stefan Richters Finger aus dem Hebel entlässt. Der aber verzieht keine Miene, woraufhin beide lachen. Margarete Serrano ist begeistert: „Auf so einem Kurs habe ich schon länger gehofft, dass vielleicht die Polizei oder ein Verein mal einen anbietet.“ Denn sie sei an Selbstverteidigung sehr interessiert, weniger aber an der Mitgliedschaft in einem Verein.
Die Sprockhövelerin Vivian Weingarten, mit 21 Jahren die jüngste Teilnehmerin, möchte dagegen dem Verein beitreten, um regelmäßig zu trainieren. „Man fühlt sich einfach sicherer“, sagt sie.
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