Des Pfarrers Meinung zur aktuellen Kirche

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Im Herbst 2013 wird Johannes Hammer (49) sein fünfjähriges Dienstjubiläum in der St.-Aloysius-Kirchengemeinde feiern können.



Blickt er zurück und schaut er gleichzeitig nach vorn, dann sieht er „Veränderungen in der Priesteraufgabe“. Das wird schon daran sichtbar, dass er nicht nur für eine katholische Pfarrgemeinde Ansprechpartner ist. Johannes Hammer: „Der Priester war früher eher Taktgeber, heute ist er Begleiter, Wegbereiter und, ganz wichtig, Zuhörer.“ Er hinterfragt, „ob wir als Kirche an den Menschen dran sind“. Das Zusammenleben der Menschen in Beruf und Familie hat sich stark gewandelt. „Wir dürfen nicht vorbeihören, sondern müssen hinhören, was den Menschen bewegt.“

Stärkere Kooperationen der Gemeinden

Auf die stärkere Kooperation zwischen den katholischen Kirchengemeinden bzw. deren Zusammenschluss angesprochen meint er: „Als Kirche müssen wir schrittweise vorgehen und dürfen nichts übers Knie brechen, aber wir müssen überlegen, was wir tun können, was machbar ist.“ Hammer macht keinen Hehl daraus, „dass wir in den Kirchengemeinden Iserlohns vor 20 Jahren im Schnitt zwanzig Prozent Kirchenbesucher hatten, heute sind es nur noch gut zehn Prozent.“ Hammer kurz und knapp: „Das sind die aktuellen Fakten. Wir haben z.B. seit 2005 in den Gemeinden Hlst. Dreifaltigkeit und St. Aloysius 800 Mitglieder verloren.“ Als Ursache macht er wesentlich die demographische Entwicklung dafür verantwortlich. Sicherlich auch die zurückgehende kirchliche Glaubenspraxis. Er erinnert sich an seine vierjährige St.-Aloysius-Zeit als Vikar zurück. Das war von 1991 bis 1995. „Ich weiß noch, dass die damals existierende KJG (Katholische Junge Gemeinde) über 100 Mitglieder hatte und wir mindestens einmal im Jahr Fahrten mit 40 bis 50 Jugendlichen durchgeführt haben. Das ist nicht mehr. Heute verfügen wir noch über eine überschaubare Meßdienerarbeit in den Pfarreien. Erfreulich ist die gut laufende Pfadfinderarbeit in St. Hedwig am Nußberg.“

Veränderte Mentalität bei den Christen

Hammer sieht eine wichtige Veränderung in der Mentalität der christlichen Gemeinden. „Der christliche Glaube wird individueller gelebt. Pfarrgemeinde, Kirche als Institution haben nicht mehr den Stellenwert wie in früheren Zeiten. Die Erwartungen der Menschen sind anspruchsvoller geworden. Ich versuche natürlich, den individuellen Wünschen z.B. bei Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen entgegen zu kommen. Man stößt dabei irgendwann an Grenzen.“ Johannes Hammer hinterfragt, „was in der Zukunft im Glauben noch trägt und was eventuell schwieriger wird.“ Er empfindet es als vermessen zu wissen, was in 20 Jahren ist. Er ist aber fest davon überzeugt: „Die Gemeinde wird aus vielen kleinen Gemeinschaften existieren, die den Glauben leben. Diese Kreativität dürfen wir nicht behindern. Wir müssen die kleiner werdenden Gemeinschaften begleiten, sie in ihrem Beharrungsvermögen stärken und untereinander vernetzen. Dann können das höchst agile Gemeinschaften sein.“
Im Blick auf die ökumenische Zusammenarbeit habe sich in den vergangenen Jahren in Iserlohn manches entwickelt. „Ich denke nur an die erfolgreiche ökumenische Kirchenmusikarbeit oder an gemeinsame caritative bzw. diakonische Projekte. Das belegt, dass im Zusammensein der Konfessionen mehr möglich ist als wir manchmal denken. Dabei übersehe ich nicht die schmerzlich empfundenen Grenzen im Miteinander, die durch verschiedene Auffassungen der Konfessionen bezüglich des Kirchenverständnisses oder des Verständnisses von Eucharistie und Abendmahl zunächst einmal gesetzt sind.“
Johannes Hammer ist sich sicher, dass Kirche auch in Zukunft in unserer Gesellschaft Bedeutung haben wird - „aber eben anders.“
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