Sezieren ab Seseke - Literat Peuckmann im Gespräch

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Möchte in seinen detailreichen Erfolgskrimis auf soziale Ungerechtigkeit hinweisen: Autor Heinrich Peuckmann.
 
Peuckmann im Kreise einiger Autoren aus dem renommierten "PEN-Zentrum Deutschland". Ende 2015 möchte er eine PEN-Tagung nach Dortmund bringen.
Kamen: Kamen |

Schreiben ist für den Krimi-Autor Heinrich Peuckmann scharfe Wahrnehmung, fundiertes Wissen, genau Recherche und präzise Arbeit - wie die eines Mediziners. Die Tat- und Handlungsorte des Kameners liegen jedoch meist westlich der Seseke.


„In den Büchern, da zieht es mich meist eher nach Dortmund. Da kenne ich mich bestens aus. Das ist mir wichtig, denn alles muss korrekt und stimmig sein“, erklärt der ehemalige Lehrer für die Fächer Deutsch, Religion und Literatur an einem Bergkamener Stadtgymnasium.
Zu seiner Heimat und seinem Wohnort Kamen, die das Präsidiumsmitglied der deutschen Schriftsteller-Vereinigung PEN ebenfalls detailliert kennt, hat der 66-Jährige ein kritisches Verhältnis. Kultur würde in der Stadt mit dem schiefen Turm eher am Rande wahrgenommen, dabei gäbe es doch davon genug. Peuckmann führt weiter aus: „Das ist im ganzen Ruhrgebiet so. In Kamen aber verschärft. Es fehlt den Bürgern am Stolz auf die eigene Kultur, die eigenen Sachen. Wir machen uns alle selber klein“.

"Wir machen uns alle selber klein!"

Warum denn aber dann die Region als Matrix? „Ich benutze meine Umgebung um realistische Geschichten zu schreiben. Ich möchte den Alltag möglichst exakt darstellen und mache lange Recherchen und Pläne bevor ich mich an das tatsächliche Schreiben mache. Wenn ich mich woanders so gut auskenne, dann kann die Geschichte auch dort spielen“, relativiert der Vater von drei Söhnen und unterstreicht: „Ich bin kein regionaler Schriftsteller! Das lehne ich ab!“
Mit seinen Erfolgsbüchern möchte Peuckmann also nicht zwangsläufig auf Lokales hinweisen, sondern auf allgemeine Probleme, Widersprüche und soziale Ungerechtigkeiten, die sich eben auch in der Region finden. In seinen Büchern geht es zum Beispiel um die Kluft zwischen Arm und Reich. Ein Buch spielt im Umfeld der gemeinnützigen Hilfsorganisation „Tafel“. Natürlich wird auch immer die Frage gestellt, wer der Täter ist - die Gesellschaft oder das Individuum. „Ich kann nur sagen, dass die Ausgebeuteten meist immer die sind, die noch weiter ausgebeutet werden“, wirft der Schriftsteller ein.

„Ich bin kein regionaler Schriftsteller! Das lehne ich ab!“

Neben Kinder- und Jugendbüchern, Dramen, Drehbüchern, Gedichten und Erzählungen sind es vor allem die Kriminalromane, die Peuckmann bekannt gemacht haben. Sein aktuelles Werk „Gefährliches Glitzern“ wurde gerade von der einflussreichen Krimiautorenverbindung „Das Syndikat“ zum Buch der Woche gekürt. Der Plot durchzieht die Archäologie-Szene mit Verweisen auf das Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte und seinen Direktor sowie auf einen Bergkamener Kneipier, der Peuckmanns Kommissar bei den Ermittlungen weiterhelfen wird.
So ganz kommt der Autor von der Region doch nicht los. Und das ist gut so, denn damit werden zugleich auch Spannungsverhältnisse zwischen altem und neuem Ruhrgebiet und die Wünsche der Menschen im Überlebenskampf thematisiert. Vielleicht nimmt der Zugang zu hiesigen sozial-gesellschaftlichen Aspekten auch eher einen unbewussten Weg in die Zeilen Peuckmanns. Wie bei der Gestaltung seiner bekanntesten Figur, dem pensionierten Kommissar Bernhard Völkel. „Einer meiner Söhne zieht mich immer damit auf, dass der ja so ist wie ich“, offenbart der Autor. Gleichsam dem Gesetzeshüter in Rente scheint es Peuckmann immer zu einem nächsten Werk zu packen. Es könnte also weiter spannend am Hellweg bleiben.
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