Interview mit Theo Brauer: "Ich kenne keinen einzigen Klüngel"

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Kleves Bürgermeister Theo Brauer (Foto: Klaus Schürmanns)
Am 13. September wird ein neuer Bürgermeister in Kleve gewählt. Theo Brauer (66) hatte diesen Job elf Jahre inne. Zeit für eine Zwischenblilanz. Ein Interview.


Und? Wenige Monate vor der Staffelübergabe schon ein bisschen wehmütig, Herr Brauer?

Theo Brauer: Nein, ich nehme noch jeden Tag mit der gleichen Begeisterung meine Aufgaben als Bürgermeister wahr. Innerlich habe ich mich im Moment noch überhaupt nicht auf den Abschied vorbereitet. Aber der Abschiedsschmerz wird kommen.

Was werden Sie am meistern vermissen?

Mein Team. Ich habe all die Jahre sehr engagierte und gute Mitarbeiter/innen gehabt. Und natürlich die engen Kontakte zu den Mitbürgerinnen und Mitbürgern denen ich seit 1994 als stellvertretender Bürgermeister und Bürgermeister begegnen konnte und durfte.

Und was werden Sie auf keinen Fall vermissen?

Die komplizierten europäische Vergabeverfahren.

Besonders in den sozialen Netzwerken wird diese Frage immer wieder diskutiert: Gibt es so etwas wie einen Klever Klüngel?

Ich kenne keinen einzigen Klüngel. Es gibt zahlreiche Interessengruppen in unserer Stadt und deren Engagement begrüße ich. Sie stehen natürlich in Konkurrenz, aber das ist doch völlig in Ordnung. Solange Gemeinwohl über Einzelwohl geht, bin ich diesen Gruppen sogar sehr dankbar.

Spielt bei den vielen gesellschaftlichen Interessengruppen in Kleve auch der Neidfaktor eine Rolle?

Gesunde Konkurrenz belebt das Geschäft. Diese Interessengruppen sollen klare Kante zeigen. Was ist daran schlecht?

Was hat sich während Ihrer Amtszeit besonders stark verändert in Kleve?

Zunächst einmal haben wir die Verwaltung strukturell modernisiert. Städtebaulich hat sich Kleve besonders in der Unterstadt an allen Ecken und Kanten verändert. Da ist nicht nur die Entwicklung des Hochschulgeländes zu nennen. Wir haben damit begonnen, die Feuerwehrgerätehäuser zu erneuern, die Nordumgehung ist uns gelungen, die Zielplanung für die B220 neu steht.

Wir haben jetzt ein Radverkehrskonzept, für die Wirtschaft schnelleren Internetzugang, die Schullandschaft verändert und viel Geld in die Kindertagesstätten und die U 3 Betreuung für Kinder gesteckt. Ich könnte hier noch viel mehr Dinge aufzählen. Aber es ist sehr viel passiert. Auswärtige bestätigen mir das positiv, indem sie sagen: Kleve kennt man nicht mehr wieder.

Gibt es irgendetwas, von dem Sie heute sagen: Ach, hätte ich doch ....

Ich hätte mir gewünscht, die Bürger bei manchen Projekten mehr einbeziehen zu können. Das war leider aufgrund der gesetzlichen Regulierungsdichte nur selten möglich. Wie beim Unterstadtverfahren. Das hat mich doch sehr verärgert. Die oft sehr komplexen Beratungswege und Verfahrensschritte sind den Bürgerinnen und Bürgern oft nur schwer zu vermitteln.

Es gibt bisher drei Nachfolgekandidaten für das Amt des Bürgermeisters in Kleve. Haben Sie eine Favoritin oder einen Favoriten? ....

Nein. Ich freue mich über jede Person, die sich als Bürgermeisterkandidat bewirbt. Davor habe ich Respekt. Ich wünsche mir für die Bewerberin und die Bewerber in den nächsten Wochen ein faires Miteinander und dass die Bürgerinnen und Bürger eine gute Entscheidung bei der Bürgermeisterwahl treffen.

Was braucht man denn, um ein guter Bürgermeister von Kleve zu werden?

Kleve lieben und mit Leib und Seele Kleve leben. Für mich war das ein Traum, ein schönes Geschenk. Bürgermeister in Kleve zu sein hat mir sehr viel Spaß gemacht.
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1 Kommentar
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Willi Heuvens aus Kalkar | 10.06.2015 | 09:00  
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