Grubenpferde – Glorifizierung oder ehr eine traurige Wahrheit

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Hört man heute Erzählungen oder Berichte über Grubenpferde habe ich oft das Gefühl dass der Erzählton etwas Heldenhaftes und mystisches annimmt, aber war ihr Leben unter Tage wirklich so heldenhaft und sind sie auch wie solche behandelt worden?

Wenn man sich in der Sachliteratur ein wenig über Grubenpferde einliest, rückt sich das Bild oftmals ehr in eine traurige Wahrheit.

In der Literatur findet man die ersten Aufzeichnungen über den Einsatz von Grubenpferde Ende des 18. Jahrhunderts im britischen Bergbau. Ihr Einsatz endet Mitte des 19. Jahrhunderts, wobei man nicht ausschließen kann, dass noch heute in Privatgruben Pferde oder andere Lastentiere eingesetzt werden.

Zur Hochzeiten des Bergbaus im Ruhrgebiet waren bis zu 8.000 Pferde unter Tage im Einsatz.

Ihr Einsatzgebiet unter Tage war das Ziehen von Loren, die zum Abtransport der Kohle diente. Da die Pferde ein Vielfaches mehr an Gewichten ziehen konnten als die Kumpel, waren sie eine große Erleichterung für die körperlich harte Arbeit unter Tage. Hier entstand wahrscheinlich auch der Mythos dass Grubenpferde zählen konnten, denn waren mehr Loren als gewohnt angehängt worden, weigerten sich die Tiere die Last zu ziehen.

Die Grubenpferde waren oftmals nicht das Eigentum der Zechen, sondern wurden von Verleihfirmen gestellt, diese kümmerten sich auch um die Versorgung der Tiere mit Futter, und Medikamenten. Die Betreuung der Tiere wurde von der Zeche übernommen, auch kam diese für verletzte und lahme Pferde auf. Bei Todesfällen wurde die Entschädigung von Regierungsseiten gezahlt, außer bei „Rotz“ hier kam die verantwortliche Zeche für die Entschädigung auf.
Selbst Notschlachtungen fanden unter Tage statt, wenn man sich auf die Literatur verlassen kann war ein solcher Fall, so dramatisch dies auch ist, oft auch ein Glücksfall für die Kumpel, denn somit kam in entbehrungsreichen Zeiten auch mal Fleisch auf den Tisch der Kumpel.

Die Verleihfirmen waren oftmals bemüht die Bedingungen unter denen die Grubenpferde unter Tage lebten auf einem hohen Standart zu halten, die Überprüfung dessen erwies sich allerdings als ehr schwierig bei der Anzahl der eingesetzten Pferde.
Wurde Arbeiter dabei „erwischt“ dass sie die Tiere schlecht behandelten sei es bei den Futter- und Wasserrationen, oder dass sie die Tiere schlugen gab es harte Strafen dafür. Angefangen bei Lohnabzug bis hin zur strafrechtlichen Verurteilungen.

Zu Beginn des Einsatzes von Grubenpferden wurden die Tiere mittels mehren Gurten um den Körper in die Schächte eingebracht, die Panik der Tiere kann man sich nur im Ansatz vorstellen. Später, so kann man es nachlesen wurden sie auch über die Förderkörbe an ihren Einsatzort gebracht.

Obwohl es strenge Auflagen über die Anzahl der Tageseinsätze der Pferde gab, sowie über Erholungsphase über Tage sind viele Pferde unter Tage geboren worden und haben das Tageslicht nie gesehen. Viele von uns haben davon gehört, dass Grubenpferde im Laufe ihres Arbeitseinsatzes blind geworden sind, entweder durch wiederholte Verletzungen der Augen oder, weil das Augenlicht auf Grund der vorherrschenden schlechten Beleuchtung unter Tage einfach nicht notwendig war, praktisch ein evolutionärer Vorgang.

Es gibt aber nicht nur traurige und negative Beispiele. Viele Kumpel akzeptierten und behandelten ihre vierbeinigen Kollegen wie einen „echten Kollegen“. Sie verbrachten ihre wenigen Pausen zusammen mit den Tieren, brachten ihnen zusätzliche „Leckerein“ mit, kümmerten sich liebevoll um ihre Pflege und Versorgung.

Unter großem Medienrummel wurde Tobias am 23.06.1966 als letztes Grubenpferd im Revier über Tage gebracht.
Nach 10 Jahren harter Arbeit entließ man ihn auf der Zeche General Blumenthal in Recklinghausen in die wohlverdiente Rente, auch wenn er dies erst nicht wollte und auf dem Weg zum Förderkorb erstmal wieder zurück in seinen Stall unter Tage lief.
Laut WDR Bericht kam er mit viel Speck auf den Rippen (da die Kumpel ihn mit reichlich Butterbrot und Kartoffelschalen versorgten, und er zum Schluss ehr nur zur täglichen Bewegung eine Lore zog) auf seine Rentnerwiese in Recklinghausen, selbst der Bergwerksdirektor ließ sich dieses Spektakel nicht entgehen.

Jedoch war Tobias nicht das letzte Grubenpferd im Pott. Auf der Anlage Bochum Gerthe stand Seppel noch zwei Monate in seinem Stall unter Tage, bevor auch er in Rente geschickt wurde. Ohne Medienrummel, laut WDR Bericht gibt es nicht einmal ein Foto über seine Grubenausfahrt.

Dieser Bericht kann und soll auch nur einen ganz geringen Einblick in die Geschichte der Grubenpferde geben, und ist wahrscheinlich sehr einseitig geschrieben (ehr aus der Sicht eines Tierliebhabers) vielleicht haben sie andere Geschichten über Grubenpferde gehört oder haben sogar noch selber Erfahrungen mit ihnen gemacht.
Ich würde mich freuen diese zu lesen und natürlich über ein offenes Diskussionsforum.


Quellen:

Wikipedia
Deutsches Bergbaumuseum
rrf-online.de/referenz/grubenpferde.pdf
www.1.wdr.de/
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1 Kommentar
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Silvia Eisold aus Lünen | 03.03.2013 | 17:28  
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