Eier-Skandal bringt vor Ort viele Käufer

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Verbraucher wollen im Moment genau wissen, was drin ist im Hühnerei. (Foto: Magalski)
Gammel-Fleisch, Frostschutz im Wein und Würmer im Fisch. Skandale gab es um Lebensmittel schon eine ganze Reihe - nun sind es Chemikalien in Eiern! Der Lüner Anzeiger sprach mit Anbietern aus der Region über die Auswirkungen.

Eier sind ein Naturprodukt – das jedenfalls ist die Erwartung der Verbraucher. In Millionen von Eiern, der Großteil kam aus den Niederlanden, war das nicht der Fall. Ein Unternehmen aus Belgien habe nach bisherigen Ermittlungen ein Insektizid unter ein Reinigungsmittel gemischt, so sei die schädliche Chemikalie in die Hühnerställe gelangt und letztlich in die Eier. Herkunft spielt mit einem Schlag eine große Rolle und das merken vor allem die lokalen Vermarkter. Thomas Fränzer kommt mit seinem Stand jeden Dienstag und Freitag zum Wochenmarkt nach Lünen, verkauft Gemüse, Obst und Eier. „Der Skandal hat den Absatz von Eiern bei uns um rund dreißig Prozent gesteigert, wir erleben im Moment einen unheimlichen Zulauf.“ Fränzer hat Eier aus Freilandhaltung und Kleingruppen im Angebot, er kennt seine Lieferanten. „Die Eier kommen von den Höfen Schulte-Berge in Warendorf und Mertenskötter in Ahlen, also alles ganz aus der Nähe.“ Kunden informiert der Markthändler auch in einen Aushang über die Herkunft seiner Eier. Kollege Klaus Eickenscheidt, der ebenfalls auf dem Wochenmarkt in Lünen steht, macht ähnliche Erfahrungen. „Die Verunsicherung bei den Kunden ist groß, siebzig bis achtzig Prozent fragen uns nach der Belastung.“ Weil Eickenscheidt nur Eier aus eigener Produktion verkauft, weiß er was drin ist in seinen Produkten. Fipronil ist kein Thema. Der Markthändler hat ein ganz anderes Problem: Die Hühner legen natürlich nicht plötzlich die doppelte Menge, entsprechend knapp wird es im Moment mit der Verfügbarkeit aller Größen. Eickenscheidt hofft, dass einige neue Kunden auch bleiben, wenn der Skandal verschwunden ist aus den Medien.

Hunderte Eier gehen über die Theke

Sechshundert Legehennen „arbeiten“ auf dem Hof Freisendorf in Niederaden und legen am Tag etwa fünfhundert Eier. Julian Freisendorf könnte im Hofladen locker mehr gebrauchen, denn fünfhundert Eier gehen aktuell an einem Tag über die Theke. „Unser Eier-Regal habe ich so leer noch nicht erlebt“, schildert der Landwirt und auch bei ihm fragen die Kunden nach der Herkunft. „Insektizide setzen wir nicht ein und ohnehin kontrolliert regelmäßig das Veterinäramt.“ Viele Besucher kommen seit der Fipronil-Skandal die Schlagzeilen beherrscht auch auf den Hof Spinne, denn hier in der Bauernschaft Buxfort zwischen Selm und Südkirchen gibt es ebenfalls frische Eier. „Im Moment haben wir fast täglich Kunden, die sich besonders für die Haltung unserer Hennen interessieren”, erzählt Petra Balster-Spinne. Die Eierleger residieren in zwei sogenannten Hühnermobilen, die fahrbaren Ställe bringen die Tiere immer wieder an andere Stellen auf der Weide. Den Tag über können die Hühner im Gras picken, am Abend geht es dann in die abgeschlossene Stall-Etage. Alois Thier ist sozusagen der Hühner-Baron von Bork. Eier aus seinen Ställen landen schon seit rund vierzig Jahren auf den Frühstückstischen, verkauft werden sie unter anderem auf dem Wochenmarkt in Bork und in der Bäckerei Langhammer. Thier und seine Frau halten rund tausend Tiere, versorgen sie zusammen mit der Familie und wissen so, was drin ist im Ei.

Keine Ware mehr seit Samstag

Bio hat sich der Hof Schulze-Wethmar auf die Fahne geschrieben und Vitus Schulze-Wethmar spürt die Auswirkungen des Skandals. „Kunden fragen uns vermehrt nach deutschen Bio-Eiern.“ Familie Schulze-Wethmar hat sie im Hofladen, sogar ganz aus der Nähe. Bio-Landwirt Altfeld kommt einmal in der Woche aus Nordkirchen. Die Zusammenarbeit besteht mittlerweile seit fast dreißig Jahren und so kommt das Futtergetreide für die Hühner vom Hof Schulze-Wethmar. „Ein Kreislauf“, sagt Vitus Schulze-Wethmar.Petra Goertz vom Gahmener Hofladen verkaufte am Samstag die letzten Eier, seitdem herrscht Flaute. Mittwoch kommt die nächste Lieferung von Ostermann aus Fröndenberg, dann gibt es ab Donnerstag wieder Eier. „Der Ansturm war groß, wir freuen uns über das Vertrauen der Kunden“, erzählt Sabine Goertz. Spritzmittel gegen Milben verwende ihr Lieferant ohnehin nicht, er setze auf ungefährliches Urgesteinsmehl.

Supermarkt-Gruppen in Kontakt mit Behörden

Welche Auswirkungen hat der Fipronil-Skandal auf die Supermärkte? „Die Qualität und Sicherheit unserer Produkte haben für uns höchste Priorität, dies gilt auch für unser Angebot an frischen Eiern“, so Kerstin Hastedt vom Edeka-Presseteam. Eier der Edeka-Eigenmarke stammten ausschließlich aus Deutschland, darüber hinaus stehe man in engem Austausch mit den Lieferanten und den zuständigen Behörden. Die Rewe-Group, zu der auch Discounter Penny gehört, nahm nach den ersten Nachrichten über das Insektizid bundesweit alle Eier aus den Niederlanden aus den Regalen. „Da die Situation in Deutschland überhaupt nicht mit der in den Niederlanden vergleichbar ist, verkaufen wir unverändert Eier aus Deutschland“, sagt Pressesprecher Andreas Krämer. Die Rewe-Group stehe im regelmäßigen Kontakt mit den Behörden und verlange von ihren Lieferanten Garantien und Untersuchungsergebnisse bis zum einzelnen Stall. Discounter Aldi nahm aus Sicherheitsgründen alle Eier aus dem Sortiment.

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