Papstaudienz: WM-Stimmung im Vatikan

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Der scheidende Papst Benedikt XVI. steht direkt vor mir.
 
Ich mit der Eintrittskarte zur Audienz.
Am Donnerstag dreht sich alles um den Rücktritt des Papstes. Ich traf den Heiligen Vater bei einer Audienz in Rom, eine Begegnung, die ich auch als Journalistin niemals vergessen werde. Es war ein eindrucksvoller Morgen im Vatikan.

Im Januar 2006 fuhr ich mit zwei Freundinnen für ein paar Tage zum Neujahrsurlaub nach Rom. Da ich davon gelesen hatte, dass man Karten für eine Generalaudienz des Papstes bestellen kann, schrieb ich kurzentschlossen dem deutschen Pilgerbüro in Rom eine Email. Da ich keine Antwort erhielt, war ich nicht sicher, ob wir die Einlasskarten bekommen würden.

Der Papst reicht mir die Hand

In der italienischen Hauptstadt angekommen, gehen wir zum Pilgerbüro. Und wir haben Glück: Unsere Namen stehen auf der Liste und wir bekommen eine der begehrten Karten. Die Audienz beginnt um 10.30 Uhr und zwar ausnahmsweise im Petersdom. Als ich gegen 10 Uhr an Sankt Peter ankomme, traue ich meinen Augen nicht: Tausende von Gläubigen sind scheinbar schon seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen und daher vor uns im Vatikan.

Nach einer ausgiebigen Taschenkontrolle weist man uns Stehplätze im Langschiff des Gotteshauses zu, alle Sitzplätze sind schon längst besetzt. Von dieser Position ist es nicht möglich, den Papst aus der Nähe zu sehen. Und das möchte ich doch so gerne. „Geht doch in den Bereich des Chores“, schlägt ein Sicherheitsmitarbeiter vor. Dieser Rat wird sich als goldrichtig erweisen.
Dort stehen wir in dritter Reihe hinter der Absperrung. Aufregung liegt in der Luft. Plötzlich erscheinen Schweizer Gardisten, Mitglieder der päpstlichen Armee, gefolgt von Kardinälen.

Im Blitzlichtgewitter

Und dann kommt er: Benedikt XVI. ganz in Weiß gekleidet. Die Masse kennt kein Halten mehr. „Papa, Papa“, rufen die Mexikaner, schwarz-rot-goldene Fahnen werden geschwenkt und sorgen für einen Hauch WM-Stimmung im Vatikan. Die Italiener um uns herum zücken sofort ihr geliebtes „Telefonino“ (Handy), um Fotos zu machen.

Der Dom von Sankt Peter liegt in einem Blitzlichtgewitter.
Der Papst kommt an uns vorbei, er ist rund fünf Meter von mir entfernt und schüttelt fleißig Hände und geht immer wieder auf Gläubige aus aller Welt zu.
Nachdem er an uns vorbei gegangen ist, verlassen die Leute, die vor mir stehen, ihre Plätze und treten den Heimweg an. Ich kann in die erste Reihe aufrücken und dann passiert das, womit niemand gerechnet hat: Der Papst entschließt sich zu einer zweiten Runde durch den Dom und dann steht er vor mir.

Ein unvergleichlicher Moment

Der Heilige Vater streckt mir die Hand für einen kurzen Moment entgegen - und dann geht er schon wieder weiter. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass der Papst den Menschen so nah kommt. Diese Begegnung war für mich als Christin ein unvergleichlicher Moment, ein Augenblick, der sicherlich einmalig in meinem Leben bleiben wird. Oder vielleicht fahre ich bald noch einmal nach Rom zur Generalaudienz, doch Joseph Ratzinger wird dann schon kein Papst mehr sein ...

Infos:
Die Audienz findet jeden Mittwoch auf dem Petersplatz oder in der Audienzhalle statt. Zum Einlass sind kostenlos Eintrittskarten notwendig. Die Karten sollten mindestens drei Wochen höchstens drei Monate vor dem Audienzdatum bestellt werden. Genauere Informationen erhalten Interessierte unter www.pilgerzentrum.de. Papst Benedikt XVI. ist erst der zweite Papst, der aus seinem Amt zurücktritt
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