Lungenkrebs heilbar? Metastasen gestoppt - Bethanien-Ärzte erzielen Behandlungserfolg

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Väter der neuen Immuntherapie: Dr. Kato Kambartel, Koordinator des Lungenzentrums Bethanien (l.), Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Lungenklinik und Leiter des Lungenzentrums (2. v. r.) sowie Privatdozent Dr. Peter Liebisch von der Onkologischen Praxis Moers (r.) begutachten mit Patient Bernd Kirchhausen (65) aus Moers Röntgenaufnahmen seiner Leber vor und nach der Immuntherapie. (Foto: KBM/ Ulla Michels)

Im Krankenhaus Bethanien werden seit einem halben Jahr Lungenkrebs-Patienten mit der neuen Immuntherapie behandelt.

Die Behandlungsergebnisse bei den ersten zwanzig Patienten geben Grund zu „realistischem Optimismus“, wie Dr. Voshaar als Chefarzt der Lungenklinik und Leiter des Lungenzentrums es mit der nötigen Vorsicht ausdrückt. Denn die Therapieerfolge mit dem Medikament Nivolumab sind bei einigen Patienten geradezu bahnbrechend, während das Medikament bei anderen Patienten keine oder nur geringe Erfolge zeigt.
Das Lungenzentrum Bethanien gehörte zu den ersten Schwerpunktkliniken in Deutschland, die mit dem Medikament behandeln durften - zum Teil mit Sondergenehmigung, als das Medikament hierzulande noch gar nicht zugelassen war. Die Forschung zur Immuntherapie läuft weltweit auf Hochtouren. Denn die Immuntherapie stellt einen völlig neuen Behandlungsansatz dar.
Einer der derzeit zwanzig im Lungenzentrum Bethanien mit der Immuntherapie behandelten Patienten ist Bernd Kirchhausen aus Moers. Der 65-jährige Rentner war Ende Juli 2013 wegen Lungenkrebs operiert worden. Erfolgreich, wie es schien. Doch zwei Jahre später, im Herbst 2015, entdeckten die Bethanien-Ärzte zahlreiche Metastasen des Lungenkrebses in der Leber des Patienten. Nach Operation, Chemo- und Strahlentherapie eine niederschmetternde Diagnose für den Patienten. Doch mit der neuen Immuntherapie gab es noch eine Chance. Denn die Ärzte hatten den Krebs des Patienten sehr genau genetisch untersucht und herausgefunden, dass die neue Immuntherapie bei Bernd Kirchhausen wirken müsste. Seither erhält Bernd Kirchhausen alle zwei Wochen in der Onkologischen Praxis Moers auf dem Bethanien-Gelände Infusionen, die sein Immunsystem in die Lage versetzen, die Krebszellen in der Leber effektiv zu bekämpfen. In nur vier Monaten sind die im November noch zahlreichen Metastasen in der Leber nicht mehr sichtbar. Und das alles ohne Operation, ohne Chemotherapie und ohne Strahlentherapie. Angesichts solcher vor wenigen Jahren noch undenkbarer Erfolge sprechen die Ärzte von einer bahnbrechenden Fortschritt durch die neue Therapie.

Keine Nebenwirkungen durch das Medikament

Für Patient Bernd Kirchhausen und seine Familie bedeutet die Behandlung viel. „Mein Mann kehrt ins Leben zurück. Im vergangenen Herbst war er abgeschlagen und kraftlos. Jetzt hat er wieder Appetit und nimmt am Leben teil“, sagt seine Frau. Für die Ärzte ist das keine Überraschung: Ein dieser Tage aufgenommenes Röntgenbild der Leber von Bernd Kirchhausen zeigt, dass die Metastasen in der Leber nicht mehr zu sehen sind. Das körpereigene Immunsystem hat ganze Arbeit geleistet. Nebenwirkungen durch die Therapie verspürt der Patient keine. Das Medikament sei sehr gut verträglich, betonen die Ärzte. Kein Vergleich zu den manchmal sehr belastenden Nebenwirkungen von Strahlentherapie und Chemotherapie.
Das Wirkprinzip der Immuntherapie ist erstaunlich einfach: Krebszellen haben die trickreiche Fähigkeit, sich vor den Angriffen des menschlichen Immunsystems zu schützen, indem sie ihm vorgaukeln, harmlose Körperzellen zu sein, die nicht angegriffen werden dürfen. Die Immuntherapie nimmt den Krebszellen diesen Schutz - die Krebszellen können vom Immunsystem somit entdeckt und zerstört werden, wie bei Bernd Kirchhausen und den anderen Lungenkrebspatienten in Bethanien. Die Therapie wirkt allerdings derzeit nur bei den Patienten mit einer bestimmten Krebsart. Nicht alle Tumore sprechen auf die Immuntherapie an. Deswegen müssen die Ärzte genau untersuchen, für welchen Patienten die Immuntherapie wirklich in Frage kommt.
Ob die neue Therapie den Lungenkrebs lediglich zum Stillstand bringt oder ob Lungenkrebs mit der Behandlung sogar geheilt werden kann, wissen die Ärzte noch nicht. Dazu ist die Therapie schlicht und einfach noch zu neu. Und angesichts vieler Rückschläge bei der Krebsbekämpfung mahnen auch die Ärzte in Bethanien zur Zurückhaltung bei der Bewertung der jetzt beobachteten Erfolge.

Verhaltener Optimismus

Privatdozent Dr. Peter Liebisch, Facharzt der auf dem Campus Bethanien ansässigen Onkologischen Praxis Moers, in der die Bethanien-Patienten ihre Immuntherapie-Infusionen erhalten, formuliert es so: „Das Verschwinden von Metastasen bedeutet nicht gleich Heilung. Es könnte sein, dass sich trotz Immuntherapie erneut Metastasen im Körper von Patienten bilden. Aber solange die Immuntherapie den Patienten hilft und keine ernsten Nebenwirkungen auftreten, behandeln wir unsere Patienten damit weiter.“
Derzeit ist das Medikament Nivolumab in Deutschland nur zur Behandlung beim schwarzem Hautkrebs zugelassen und beim sogenannten Plattenepithel-Karzinom der Lunge - wenn zuvor bereits eine Chemotherapie erfolgt ist. „Die Immuntherapie ist nur dann sinnvoll, wenn eine Operation oder Strahlentherapie nicht möglich sind“, sagt Oberarzt Dr. Kato Kambartel vom Lungenzentrum Bethanien. Auch Patienten mit anderen Krebsarten wird die Therapie in Zukunft vielleicht einmal helfen können: „Wir rechnen damit, dass im Laufe des Jahres diese Therapie bei weiteren Krebsarten zugelassen wird, etwa beim Adeno-Karzinom der Lunge und beim Nierenzellkarzinom“, sagt Dr. Kambartel.
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