Gesichtsblindheit oder Prosopagnosie

Stell Dir vor: "Jochen guckt mich an und geht einfach an mir vorbei ohne mich zu grüßen!" Es ist ein Phänomen und geht vielen so: " Das Gesicht kenne ich doch, aber wer war das nochmal?" Irgendwann kommt man doch darauf, wer der Mensch war.
Es gibt allerdings Menschen, die Gesichter nicht wiedererkennen können.

Mehr Menschen als bislang vermutet sind von der angeborenen Wahrnehmungsschwäche, der Prosopagnosie, betroffen. Eine Studie der Universität Münster belegt diese Tatsache. Zwei Prozent der Bevölkerung leiden demnach an dieser Krankheit. Sie können Gesichter zwar sehen, sich aber danach an diese nicht mehr erinnern.

Diese Menschen entwickeln im Laufe der Zeit gewisse Tricks. Anstatt Auge, Nase oder Mund werden Stimme, Bewegung, Statur und Figur einer Person zu wichtigen Erkennungsmerkmalen, weiß die Forschungsgruppe zu berichten.
Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, die andere kränken oder verunsichern. Ein Handwerker, der seine Kunden nicht erkennt, wird schnell als unfreundlich abgestempelt. Mehrere Hunderttausend Deutsche leiden, ohne es zu ahnen, an dieser Schwäche. In einem Interviewverfahren der Forschungsgruppe der Uni Münster kristallisierten sich Menschen mit einem Wahrnehmungsdefizit heraus. Von rund 800 Personen waren 14 betroffen.

Bei Gesichtsblindheit ist der Mechanismus zur Berechnung von Mittelwert und Abweichung gestört. Dies bedeutet: Für diese Menschen kann jede Person, der sie begegnen, fremd sein. Sie können die Information Gesicht nicht mit bekannten Personen in Verbindung bringen. Es ist möglich, das Gesichtsblinde auf der Straße an Verwandten vorbeilaufen oder ihr eigenes Spiegelbild nicht wiedererkennen.

Die Krankheit oder Störung ist die Unfähigkeit, bekannte Gesichter zu erkennen. Die Prosopagnosie gehört zu den sogenannten visuellen Agnosien. Eine visuelle Agnosie ist eine Störung der Fähigkeit, Dinge (wie Gesichter oder Objekte) zu erkennen, obwohl die Funktion der Augen, der Reizweiterleitung zum Gehirn und der Wahrnehmung grundlegener Merkmale nicht gestört ist.

Es liegen weder Vergesslichkeit noch Konzentrationsstörungen vor.

Kindern fällt es besonders schwer mit dem Defekt zu leben. Sie trauen sich oft nicht von ihrer Mutter weg, weil sie Angst haben, sie nicht wiederzufinden. In der Schule benötigen diese Kinder eine lange Zeit, sich in die Klassengemeinschaft zu integrieren oder Freunde zu finden.

Prosopagnosie ist mit ähnlichen Phänomenen wie denen der Farbenblindheit zu vergleichen.

Autor:

Ingrid Hillenkamp aus Arnsberg

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