"Spieglein an der Wand..."

Wir beschreiben nur unsere „Realität“, aber die Inszenierung verstecken wir häufig durch ein ansprechendes Make-up. Ohne Perücke, falsche Wimpern und dem kessen Lidstrich schrumpfen wir zu dem zusammen, was wir immer waren:
Ein Gefangener in seiner Scheinwelt – und das ein Leben lang.
Dann muss man die Realität so auf die Spitze treiben, dass die „Rationalität“ übergeht in das „Phantastische“. Und wenn man dann von der Vergangenheit spricht, dann wird alles zu einer „Legende“. Und die sollte man nicht vergessen! Denn auch ein Judas steckt in uns allen:
Die Mutter!
Du fühltest, wie dich die Gemeinheit voll in Besitz nahm und du endlich in deinem Zynismus versankst.
Du lecktest deine Wunden, als würdest du dich in einer Art Krieg befinden,
um dann anschließend im „stillen Kämmerlein“ zu weinen.
Und so verdächtigt ihr euch, Mutter und du, gegenseitig, das Leben des anderen durch Verletzungen zu überleben.
Und dein Überlebenswille hatte deine ganze Natur durchdrungen. Und die Mutter war die „böse“ Königin mit dem: „Spieglein an der Wand“. Ein Märchen, in dem die gute Frau zu einer sardonischen Frau wird.
Früher versuchtet ihr, die Mutter und du, eine verbale Plattform von „Respekt“ und „Liebe“ wieder herzustellen. Und gleichzeitig wusstest du, welche Folgten entstehen würden, wenn du nicht diesen moralischen Forderungen entsprachest:
Aber die Mutter stellte keine Fragen. Sie machte keine Vorwürfe und weinte nicht. Sie gab ihm nicht den Anschein ein „Opfer“ zu sein. Und die Mutter war 90 Jahre alt.
Bettlägerig! – das war nicht ihre Art. Und die Mutter verachtete sich eher, um sich nicht selbst zu bedauern.
Da hatte die Mutter nur noch wenige Woche zu leben.
Die Mutter ließ einfach los!
Und von der tröstenden Umarmung befreit, schien sie, die Mutter, nicht den Schutz vor dem Tod zu gebrauchen. Denn das Leben, was man gelebt hatte, ging so nicht weiter…
Im Halbdunkel döste die Mutter, als würde sie zusammenschrumpfen.
Eines Tages blieb sie im Bett liegen.
Die Mutter drehte sich noch einmal zu dir und lächelte fein:
„Das haben so viele Menschen vor mir geschafft, also schaffe ich es auch!“
Das war kein Satzfragment, sondern ein richtiger und klarer Satz.
Dann machte sie die Augen zu, als würde sie von einer schweren Bürde befreit und fiel in den Schlaf.
Du bemühtest dich, so leise wie möglich zu sein.
Ihre Schulter war eingezogenen und ihr Kopf lag nahezu halslos auf dem Brustbein. Eine alte Frau mit dünnem, weißem Haar und einen spitzen Greisengesicht. Hinter dem ehemals geschminkten Gesicht kam ein strenger Gesichtausdruck hervor.
Sie sah nicht aus wie eine Frau, noch wie ein Mann. Sie erinnerte an einen Naturgeist. Und bei dir löste sie eine Gänsehaut aus. Du konntest das gar nicht leugnen - das erschreckte dich!
Ihr Gesicht nahm einen Ausdruck einer leeren Maske an. So, als würde sie sich spukhaft unter ihr Plumeau zurückziehen.
Du aber hieltest ihre Hand, die dir so vertraut war.

Autor:

Dr. Mathias Knoll aus Arnsberg

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