Excursion zum Gerther Mühlenbach - 5. Langer Tag der Stadtnatur in Bochum, wir sind dabei!

8. Juni 2018
14:00 Uhr
Seniorenbu00fcro-BO-Nord, 44805 Bochum
28Bilder

Das Quartier55+ des Seniorenbüros Nord beteiligt sich am Freitag, 08.Juni 2018, mit einer Wanderung in das Gebiet vom Gerther Mühlenbach und Harpener Bach.

In früheren Jahren wurde das Abwasser und auch das der verschiedenen chemischen Betriebe weitgehend offen über den Gerther Mühlenbach abgeleitet.
Trotz dieser Ableitungen kam es am Zusammenfluss Harpener Bach, Gerther Mühlenbach zu einem üppigen Bewuchs mit Schilf, vielen Pflanzen und Bäumen, die den unterschiedlichsten Tierarten Platz bieten.
Seit 1985 steht dieses große Feuchtgebiet unter Naturschutz.

Unterirdisch ist das Grundwasser jedoch mit vielen Schadstoffen verseucht. Geplant ist nun eine Pflanzenkläranlage, um das Grundwasser zu reinigen.

Unsere Wanderung führt uns entlang des Gerther Mühlenbachs in dieses schöne Naturschutzgebiet, wo uns eine Expertin über die geplanten Maßnahmen, Hintergrund und Geschichte informiert.

Bitte festes Schuhe anziehen, das Gebiet ist sumpfig

Treffpunkt: 14:00 Seniorenbüro Nord/Quartierstreff 55+, Gerther Str. 20, 44805 Bochum
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Wanderung wird geführt von Kalle Ahlbach.

Wollten Sie auch schon immer wissen, was da am Gerther Mühlenbach eigentlich gebaut wird und warum alle Fuß- und Radwege in diesem Gebiet gesperrt sind? Auf dieser Wanderung bekommen Sie viele Informationen.

Wussten Sie eigentlich, dass der Gerther Mühlenbach in der Gerther Geschichte von großer Bedeutung war und erst durch den Betrieb von Lothringen zu einem reinen Abwasserkanal verkam?

Viele Informationen finden sich in dem Aufsatz des Pastors Leich aus dem Jahr 1954, nachzulesen im 6. Bochumer Heimatbuch:

Was der Ölbach erzählt

Hier einige Auszüge:

Das Ölbachtal war ehemals als stilles Wiesen- und Waldtal an Flora und Fauna interessant und landwirtschaftlich sehr lieblich.
Die mächtigen Schultenhöfe und deftigen Halbbauern- und Kötterhäuser in Gerthe, Harpen, Laer an der Bodenwelle angeschmiegt oder im Tal versteckt, sind ein Bild urwüchsigen westfälischen Bauerntums. Sie verdanken ihren Wohlstand dem gesegneten Boden des Ölbaches. Die Gerther Bauern waren 1486 die reichsten weit und breit.

Die Ölbachleute sind allezeit besinnlich und zäh in ihrem Denken gewesen. Vor 100 Jahren erzählte man noch von den Römern und Karl dem Großen, die hier gewesen wären, und von Wittekind. Man kannte auch den Vers: „Hiärmen, slo Liärmen, slo Pipen, slo Trummen, dä Kaiser will kummen met Stangen und Prangen, will Hiärmen ophangen."
Als man christlich geworden war, hielt man mit Zähigkeit und Liebe an Glauben und Kirche. „Hand am Pflug und Gott im Herzen", „Dä Kiärke maut mä bihollen."

Jeder muß im Leben arbeiten. So ist es auch dem Ölbach ergangen. Die Menschen haben ihn dazu angespannt. Auf seiner kurzen Wanderung von 2 ½ Stunden mußte er erstaunlicherweise sechsmal Mühlenräder drehen: In der Holter-, Wiescher-, Suntumer-, Hevener-, Ostermanns- und Luhns-Mühle. Außerdem setzte er noch den Daumhammer in Laer in Bewegung und half dort das Eisen schmieden und Sensen anfertigen. In Harpen berührte er eine Gerberei und in Berghofen eine Ziegelei. Im Kleinen mußte er im Frühjahr ununterbrochen von der Quelle bis zur Mündung Wiesen flößen und also düngen, dafür lag über seinem Lauf wie ein stiller Dank der köstliche Duft des Heues.

Der Bergbau rückte ebenfalls in dieses Ölbachgebiet vor. (Stollen Isabella in Laer, Stollen im Lottental). Seit knapp 90 Jahren wagte sich der Mensch auch senkrecht in die Erde. Es entstanden die Schächte von Lothringen, Mansfeld, Harpener-Bergbau, Dannenbaum und aus dem ehemaligen „Glück und Segen" wurde ein Tiefbau Klosterbusch.

Der Ölbach war anfangs eigentlich stolz, als in seinem Bereich hohe festungsartige Gebäude und himmelragende Kamine und Fördertürme sich emporreckten. Allerdings wurde er etwas mißtrauisch, als er merkte, wie die reine Luft seines Tales verqualmt wurde, und wie durch die Zechen sein Wasser und die ihm zuströmenden Bäche und die armdick aus dem Lehm hervordringenden Quellen immerhin abnahmen und er also abmagerte und die Zuflüsse endlich fast völlig versiegten. Das kam daher, daß der Bergbau das Grundwasser in die Tiefe zog. Aber der Ölbach konnte sich wieder beruhigen: denn das fehlende Wasser wurde ihm von den Zechen, die nun das Grubenwasser zuführten, reichlich und doppelt ersetzt, so daß er fast stärker war als früher. Aber auch andere Flüssigkeiten ergossen sich in ihn: Schreckenswässer aus chemischen Werken und aus Kanälen. O weh, als er diese neuen Gewässer zu schmecken kriegte! Das roch und schmeckte wie Säure, Jauche, Benzol, Salz. Dabei wurde dem armen Bache so schlecht zu Mute, daß er meinte, der Boden sinke unter ihm weg, und er kriegte schweres Erbrechen, ganze Sumpfstrecken voll an der Wieschermühle.

Aber es half ihm nichts, er mußte weiter das üble Wasser schlucken und war ein Packesel geworden für alles, was andere Leute an Abwässern los sein wollten, und mußte sie zur Ruhr transportieren.

Da war alles Leben und alles Schöne in ihm erstorben. Ja, er mußte schließlich sogar um den Dreck schneller und glatter zur Ruhr bringen zu können, sich in eine Zwangsjacke von Stein und Zement stecken lassen, er wurde zum Abwässerkanal.

Der Ölbach ist heute entstellt und gegen früher nicht wiederzuerkennen. Kein Mensch will mehr an seinem Rande sitzen. Schließlich ist er froh, wenn er sich in die Ruhr stürzen, dort untertauchen und sein Geigenleben beenden kann. Vom nahen letzten Klärteiche her quaken ihm die Frösche und schnattern ihm die Wildenten den letzten Gruß nach. Einst wurde er bei seinem Einzug in die Ruhr von den dort wohnenden Bibern mit frohem Geplätscher begrüßt, lang ist's her. Und doch! Er bleibt der alte Ölbach, der uns so viel erzählt hat.

Autor:

Klaus Gesk aus Bochum

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