Der Borkenkäfer im Wissener Wald - Raphael Freiherr von Loe: "Keine schönen Bilder"

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Sie sind nur wenige Millimeter groß, ihre Zugänge in den Baum kaum mit dem Auge erkennbar und ihre Hinterlassenschaften allenfalls bei gutem Wetter zu finden und doch richten sie einen Schaden an, der in die Zigtausende gehen kann: Der Borkenkäfer trieb jüngst im Wissener Wald sein zerstörerisches Unwesen.

VON FRANZ GEIB

"Das Thema Borkenkäfer ist in aller Munde, doch was es wirklich heißt, sehen wir erst viel später, in einem Ausmaß, dass auf den normalen Waldbesucher den Eindruck einer nicht-fachmännischen Forstwirschaft, im schlechten Fall sogar den des Raubbaus macht", erläutert Raphael Freiherr von Loe, Hausherr von Schloss Wissen und den dazugehörenden Landgütern. Was er damit meint: Auf einer mehrere Hektar großen Fläche im Wald bei Winnekendonk steht kein einziger Baum, oder um es mit Zahlen auszudrücken: 95 Prozent des Fichtenbestands ist verschwunden, und liegt aufeinandergestapelt am Boden, zum Teil ohne erkennbare Zeichen von Fäulnis oder sonstigen Schäden.
"Das sind keine schönen Bilder", gibt der Schlossherr zu, doch schuld daran sei nicht eine extensive Holzwirtschaft, sondern der Borkenkäfer. Der fand in den vergangenen Jahren beste Voraussetzungen die Fichtenschonungen anzugreifen: 2016 war ein zu feuchtes und ein zu warmes Jahr, welches "Hektare des Waldes" unter Wasser stehen (O-Ton Raphael Freiherr von Loe) und die Wurzeln verfaulen ließ. Im vergangenen Jahr kam Sturm Friederike und wirbelte durch die Baumreihen, entwurzelte oder hob die Bäume teilweise aus ihrem Wurzelwerk, so dass diese nicht mehr genügend mit Nährstoffen versorgt werden konnte.

Gerne in geschwächten Bäumen

Das war die Gelegenheit für den Borkenkäfer, der gerne, so der Schlossherr, auf geschwächte Bäume geht: "Und wenn man bedenkt, dass ein Borkenkäfer bis zu 800 Nachfahren produziert, dann kann man sich ausrechnen, wieviele der Tiere nach drei Populationen den Wald bevölkern..." Auf 64 Millionen Schädlinge kam von Loe allein in seinem Revier.
Und wenn die kleinen Insekten erstmal tätig werden, gibt es keine Rettung mehr, vor allem dann wenn der Baum seine eigenen Abwehrmechanismen, wie beispielsweise die Harzbildung, nicht mehr in Gang setzen kann. Am innersten Teil der Rinde, wo der Baum seine Nährstoffe in die Krone und die Äste transportiert, hält er sich auf. Der Schädling durchzieht die Rinde des Baumes mit seinen unzähligen Fraß- und Brutgängen, verhindert so eine geregelte Zufuhr an Nährstoffen, was meist zum Absterben des Baumes führt, wie Revierförster Frank Koch erläutert: "Wenn die äußeren Anzeichen wie die rötliche Färbung der Nadeln bereits die Krone erreicht haben, ist es für einen Baum zu spät."

Mühsame Suche nach befallenen Bäumen

Rechtzeitig zu erkennen, ob ein Baum oder eine Region im Wald von Börkenkäferbefall betroffen ist, ist ein schwieriges Unterfangen, erklärt Koch. Geben die klimatischen Verhältnisse einem erfahrenen Förster wie ihn Aufschluss darüber, dass ein Befall drohen könnte, muss sich der Revierförster dennoch wie ein Kriminaldetektiv durch die Haine arbeiten und mühsam nach tatsächlichen Anzeichen suchen: Die Eingänge des Schädlings in der Rinde eines Baumes sind aber nur maximal ein bis zwei Millimeter im Durchmesser ...
Für den Forstbetrieb Schloss Wissen ist die Situation extrem, brechen doch bis zu 60 Prozent der Erlöse weg, wenn nicht schnell reagiert wird, so Raphael Freiherr von Loe: "Denn frisches Holz lässt sich nunmal allemal besser verkaufen als befallenes." Und bis eine Wiederaufforstung und Durchmischung des Waldes erfolgt ist, dass sich genutzt werden kann, dauert es Jahre. Vorausgesetzt, dass nicht wieder extreme Wetterereignisse dem Schädling den Weg ebnen ... In dieser Rinde war der Borkenkäfer am Werk ... Raphael Freiherr von Loe und Frank Koch zeigen die zerstörten Flächen.Fotos(2): Steve

Autor:

Franz Geib aus Goch

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