Bald schimmert und flimmert es an der Lippe
Libellen kehren dank verbesserter Wasserqualität ins Lippe-Gebiet zurück

Prachtlibelle am Gewässer. Foto: EGLV
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Haltern. Sie sind faszinierende Geschöpfe, die schon seit jeher mit Gewässern in Verbindung gebracht werden. Der Dichter Heinrich Heine beschrieb die Libelle als „schimmernde, flimmernde Gauklerin“. Ein treffender Vergleich für das geflügelte Insekt, das der Lippeverband als Bewohner des Monats im März vorstellt. Auch in Haltern kommt die Prachtlibelle an den Ufern der Lippe immer häufiger vor. Die verbesserte Wasserqualität und neue Lebensräume machen es möglich.

„In Deutschland finden wir zwei Prachtlibellen-Arten. In den nächsten Monaten können wir beide Arten bei uns im Lippe-Gebiet entdecken“, weiß die Biologisch-technische Assistentin Sylvia Mählmann vom Lippeverband. Neben der häufiger vorkommenden „Gebänderten Prachtlibelle“, die dunkelblau-grün schillert und auffällig gemusterte Flügel hat – schwarzblau schillernde Binde beim Männchen, ein weißer Flügelfleck bei den Weibchen – kommt auch die „Blauflügel Prachtlibelle“ im Verbandsgebiet vor. Wie ihr Name schon verrät, leuchten ihre Flügel auffällig blau – jedenfalls die der Männchen. Weibchen geben sich mit einem dezenten braunen Farbton zufrieden. Beide Arten werden zirka fünf Zentimeter groß und haben eine Flügelspanne von bis zu sieben Zentimetern.

Rüttel- oder Rückwärtsflug – Libellen sind Flugkünstler

Allgemein zählen Libellen mit zu den besten Flugkünstlern unter den Insekten. Die großen Arten erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 15 Meter in der Sekunde. Durch einen „Rüttelflug“ können sie in der Luft stehen und sogar kurze Strecken rückwärts fliegen. Zwei Flügelpaare, die sie unabhängig voneinander bewegen können, machen es möglich.

Liebes-Vereinigung im Paarungsrat

Die Flugzeit liegt je nach Witterung zwischen Mai und September. Die heimischen Prachtlibellen fallen vor allem durch ihren flatternden, gaukelnden Flugstil auf, der an Schmetterlinge erinnert. Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Balzverhalten und verteidigen durch spezielle Schauflüge ihr Revier. Doch ist erst mal ein Weibchen angelockt, erfolgt das Liebesspiel der Libellen vereint im sogenannten „Paarungsrad“. Dazu umklammert das Männchen mit seinen Hinterleibszangen den Brustbereich des Weibchens. Jetzt müssen sich die Partner kräftig verbiegen – das herzförmige Paarungsrad entsteht.

Libellen-Larve lebt zwei Jahre im Wasser

Zur Eiablage geht das Libellenweibchen auf Tauchstation. Innerhalb einer Minute legt es bis zu 22 Eier an Unterwasserpflanzen ab – insgesamt sind es ungefähr 300 Eier. Bewacht wird sie dabei durch das Männchen, das von einem erhöhten Platz die Konkurrenten vertreibt. Aus den Eiern schlüpfen nach zirka zwei Monaten die Larven, die eine auffällig stabförmige Gestalt mit sehr langen Beinen haben. Ihre Entwicklungszeit beträgt je nach Witterung ein bis zwei Jahre. In dieser Zeit durchlaufen sie mehr als zehn Stadien. Dabei frisst der räuberische Jäger kleine Insektenlarven, Schnecken, Würmer und Flohkrebse. Aber auch vor kleineren Artgenossen macht er nicht halt. Doch die Larven werden auch selbst zu Gejagten. Sie stehen auf dem Speiseplan von Rückenschwimmern, Raubwanzen, Fischen, Eisvögeln und Graureihern.

Warten auf Schlüpf-Wetter für die Verwandlung

Ab Mitte Mai durchlaufen die Larven die vollständige Metamorphose, also die vollständige Verwandlung zur erwachsenen Libelle. Dazu klettert sie an der Ufervegetation aus dem Wasser und wartet dort auf sonniges Wetter zum Schlüpfen – zurück bleibt ihre Hülle als Zeuge der erfolgreichen Verwandlung. Nach zirka zwei Wochen ist die junge Libelle geschlechtsreif, nach rund vier Wochen endet ihr Leben bereits im Spätsommer – wenn sie nicht zuvor den zahlreichen Fressfeinden zum Opfer gefallen ist.

Prachtlibelle sucht Landeplatz

„Für Prachtlibellen ist eine gute Wasserqualität mit genügend Sauerstoff genauso wichtig wie ausreichend Sonne. Gewässer, die im Sommer eine Wassertemperatur zwischen 16 und 24 °C bieten und reich an Wasser- und Röhrichtpflanzen sind, sind als Lebensräume ideal. Besonders aus dem Wasser ragende Blätter sind wichtige Lande- und Paarungsplätze“, beschreibt Sylvia Mählmann den idealen Lebensraum der zarten Insekten. Gewässerbegradigungen, Uferverbau, Verschmutzung durch Düngemittel oder Pestizide gefährden die Libellen. Auch Mäharbeiten rauben den Insekten ihren Lebensraum. „Im Lippeverbandsgebiet nimmt die Libellenzahl durch die Vielzahl an Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und der Vielfalt an Gewässerstrukturen kontinuierlich zu“, freut sich die Biologisch-technische Assistentin. Immer häufiger würde daher auch die seltenere „Blauflügel Prachtlibelle“ nachgewiesen.Durch das Programm „Lebendige Lippe“ soll sich der längste Fluss in NRW natürlicher entwickeln. Diese Veränderungen erfassen die Lippeverbands-Mitarbeiter-innen und Mitarbeiter des Labors anhand von Probenahmen entlang der Lippe und ihrer Nebenläufe. Dabei untersuchen sie regelmäßig insgesamt 431 Kilometer Wasserläufe im Verbandsgebiet. Ausgewählte Lebewesen, die etwas über die Wasserqualität verraten, stellt der Lippeverband in den nächsten Monaten in seiner Serie „Bewohner des Monats“ vor.

Hintergrund:
Die Lippe ist ein 220 Kilometer langer Nebenfluss des Rheins. Sie entspringt in Bad Lippspringe und mündet in Wesel in den Rhein. Auf der rund 147 Kilometer langen Strecke zwischen Lippborg und Wesel fließt die Lippe durch das Gebiet des Lippeverbandes. Hier hat das Land NRW die Unterhaltung und den Ausbau des Flusses an den Lippeverband übertragen. Der Lippeverband übernimmt neben der allgemeinen Pflicht der Gewässerunterhaltung auch die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie an der Lippe. Hierzu hat der Lippeverband im Jahre 2013 das Programm „Lebendige Lippe“ für seinen Zuständigkeitsbereich aufgelegt und neben der Fortsetzung der bestehenden Projekte mehrere neue Projekte begonnen.

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