LWL-Archäologen öffnen Grafengruft

Blick in die Grafenkapelle des Klosters Wedinghausen. Im Vordergrund ist die mit einer Holzplatte abgedeckte Grafengruft zu sehen. Foto: LWL/W. Essling-Wintzer
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  • Blick in die Grafenkapelle des Klosters Wedinghausen. Im Vordergrund ist die mit einer Holzplatte abgedeckte Grafengruft zu sehen. Foto: LWL/W. Essling-Wintzer
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Arnsberg (lwl). Im Zusammenhang mit Sanierungsarbeiten graben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) derzeit im Kloster Wedinghausen in Arnsberg. "Viele Hinweise sprechen dafür, dass sie dort die Grabstätte des um 1200 verstorbenen Klostergründers Graf Heinrich I. von Arnsberg entdeckt haben", teilt der LWL der Presse mit.

Bei Ausgrabungen im Ostflügel des Klosters, dem einzigen noch erhaltenen Teil der mittelalterlichen Anlage, konnten die Fachleute eine Gruft freilegen. Diese ist nur 70 Zentimeter breit und besteht aus einer kleinen, gemauerten Kammer. Die Lage und Gestalt des Grabes deuten darauf hin, dass hier eine hochrangige Person bestattet worden ist. "Das besondere Kennzeichen der Exklusivität sind die verputzten und mit einer mehrfarbigen Bemalung verzierten Wände", erläutert Grabungsleiter Wolfram Essling-Wintzer von der LWL-Archäologie für Westfalen.

Das Kloster Wedinghausen wurde kurz vor 1173 von Graf Heinrich I. von Arnsberg gestiftet. Da ihm seitens des Erzbischofs von Köln die Schuld für den Tod seines Bruders angelastet wurde, war die Stiftung eine Art Sühneleistung. Schriftlich ist überliefert, dass der Klostergründer Heinrich I. im sogenannten Kapitelsaal beigesetzt wurde. "Das Kloster zählt zu den bedeutendsten Bau- und Bodendenkmälern der Region", betont Essling-Wintzer.

Auch die Lage der Gruft inmitten des ehemaligen Kapitelsaales spricht für eine Interpretation als Grablege Heinrichs I. Die Position wird durch die sogenannte Grafenkapelle betont. Ein Mitglied der gräflichen Familie ließ die Kapelle etwa im Jahr 1274 östlich an das Kapitelhaus anbauen. Die Gruft liegt genau auf einer Höhe mit der Kapelle, was sicherlich die Hebung des Ansehens der gräflichen Grabstätte bezweckte.

Auch den Sohn des Klostergründers, Heinrich II., hatte man nebst seiner Gattin Ermengard wohl hier bestattet. Archivalisch überliefert ist die Plünderung des Grabes kurz nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803. Der zeitgenössischen Schilderung zufolge barg man aus einer bemalten Gruft drei Schädel und weitere Knochen. Diese wurden anschließend samt dem darüber stehenden figürlichen Grabmal Heinrichs II. und Ermengards in die Probsteikirche gebracht.

Bislang konnte die Gruft nur zu einem kleinen Teil freigelegt werden. Ob es sich tatsächlich um die Grablege Heinrichs I. oder die seines Nachfolgers handelt, kann frühestens Ende November geklärt werden. Dann wird die provisorische Stützwand des Daches abgebaut, die derzeit noch einen Großteil der Grabstätte verdeckt.

Seit 2016 begleiten Archäologen des LWL die Umbau- und Sanierungsarbeiten im Kloster Wedinghausen in Arnsberg. "Wir sind der Laurentiusgemeinde dankbar, dass sie sich dazu entschlossen hat, die Anlage denkmalgerecht zu sanieren", so Essling-Wintzer. Da im Zuge dieser Arbeiten aber auch Überreste historischer Bausubstanz freigelegt werden, seien archäologische Untersuchungen vorab unverzichtbar. Nur so könnten die Archäologen wichtige Entdeckungen dokumentieren.

Blick in die Grafenkapelle des Klosters Wedinghausen. Im Vordergrund ist die mit einer Holzplatte abgedeckte Grafengruft zu sehen. Foto: LWL/W. Essling-Wintzer
Das Grabmal Heinrichs II. und seiner Frau Ermengard steht heute in der Probsteikirche St. Laurentius. Foto: LWL/W. Essling-Wintzer
Autor:

Hans-Jürgen Köhler aus Menden (Sauerland)

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