Oma und Opa sein – der beste Job der Welt

Das neue Klavier ist da! Björn und seine Schwester Moana erlernen das Klavierspiel in der Musikschule. Ihre Mutter Melanie Gehring und Leih-Opa Christian Meyn-Schwarze sehen hier eine positive Entwicklung, die sie gerne fördern möchten, zumal die beiden Kinder auch kleine eigene Werke komponieren.
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  • Das neue Klavier ist da! Björn und seine Schwester Moana erlernen das Klavierspiel in der Musikschule. Ihre Mutter Melanie Gehring und Leih-Opa Christian Meyn-Schwarze sehen hier eine positive Entwicklung, die sie gerne fördern möchten, zumal die beiden Kinder auch kleine eigene Werke komponieren.
  • Foto: Michael de Clerque
  • hochgeladen von Lokalkompass Langenfeld - Monheim - Hilden

Mit erfüllendem Ehrenamt als Leihgroßeltern zum „Enkelkind" – Einblicke in die Praxis

Heike M. wünscht sich schon lange ein Enkelkind. Und wenn sie an den bevorstehenden Ruhestand denkt, wird dieser Wunsch noch heftiger. Auf der anderen Seite gibt es eine junge Familie mit zwei Kindern, deren leibliche Großeltern so weit weg wohnen, dass sie höchstens zu den Geburtstagen oder zu Weihnachten anreisen. Da liegt es doch eigentlich auf der Hand, beiden Seiten entgegenzukommen und so etwas wie eine „Oma auf Zeit" oder einen Leih-Opa zu organisieren. In unseren Städten nimmt dieser Gedanke zunehmend Gestalt an.

Text von Elfie Steckel, Foto von Michael de Clerque

Südkreis Mettmann. Die angehende Rentnerin Heike hatte auf ihrer Suche nach dem Leih-Enkelkind endlich eine Einrichtung gefunden, die tatsächlich ihren Wunsch erfüllen könnte. Sie hatte sich schon so sehr gefreut – doch nach zwei Nachmittagen in der Patenfamilie musste sie aufgeben: Sie reagierte äußerst allergisch auf die beiden Katzen im Haus! Sie war maßlos enttäuscht, dass eine solche Banalität ihren Traum platzen ließ. Dies ist eines von vielen Hindernissen, die es geben kann, bevor die Generationen zusammenkommen, wie wir bei der Recherche zu diesem Thema in Gesprächen mit vermittelnden Organisationen erfuhren. Aber wir erfuhren auch, dass das Zustandekommen der Partnerschaften superspannend ist und erstaunlicherweise meistens klappt – manchmal mit Hindernissen, aber es klappt! Und allen war gemeinsam, dass beide Seiten Verständnis füreinander aufbauen müssen und Vertrauen, das bis zur Vertrautheit wachsen kann.

Feuer und Flamme für das Projekt der „Familienpaten"

Ein Beispiel ist die 67-jährige Gudrun Ackers, die die plötzliche Arbeitslosigkeit vor 14 Jahren hart getroffen hat, wie sie uns erzählt. Sie beschloss, ein passendes Ehrenamt zu suchen. Beim Sozialdienst katholischer Frauen (skf) in Langenfeld meldete sie sich zunächst und half bei der „Tüte" mit. Als sie dann von dem neu entwickelten Projekt der „Familienpaten" hörte und sich nach Details erkundigte, war sie „Feuer und Flamme", formuliert sie nach über neun Jahren als „Leih-Oma".
Ihr Fazit: „Es gibt kein besseres Ehrenamt. Wir sind richtig glücklich mit unserem Patenkind. Mein Mann und ich werden von den Eltern wertgeschätzt, es stimmt zwischen uns richtig gut – ja, ich glaube, bei uns läuft es sogar besser als in mancher echten Familie!" Und aus ihrer lebhaften Erzählung über die Entwicklung des Kindes und der Beziehung zwischen beiden Familien spürt man die Begeisterung, aber auch die Zufriedenheit, die ihr dieses Ehrenamt gibt.
Gudrun erinnert sich, dass es anfangs schwierig war, sich auf das Kind – nennen wir es Vicky – einzustellen. Mit den Eltern dagegen soll es von Anfang an geklappt haben. Für Gudrun gab es einen „Oma-Tag", und der wurde über all die Jahre beibehalten, obwohl Vicky nun schon das Gymnasium besucht. Dabei durfte Vicky entscheiden, wo der Tag verbracht wurde: Wenn die Oma sie an der Grundschule abholte, gingen sie gemeinsam bis zur Kreuzung, und dann bestimmte Vicky, ob es nach links weiterging zur Oma oder nach rechts zu ihrem Elternhaus. Die Mutter wurde dann informiert, wo sie Vicky abholen sollte. Manchmal war das auch nicht nötig, weil Vicky bei den Leih-Großeltern übernachten wollte...

Mit dem Enkelkind wurde vorgelesen, gemalt und gebastelt

Auch der Opa war (und ist) ganz begeistert von dem Enkelkind, das er beispielsweise auf dem Weg zu allen Schwimmprüfungen trainierte. Mit dem Enkelkind wurde vorgelesen, gemalt, gebastelt, Ausflüge unternommen – eben all das, was auch „richtige" Großeltern mit den Enkeln machen, Über die Jahre sind die Familien zusammengewachsen, sie besuchen sich zu Geburtstagen und Familienfesten – und alle freuen sich, wenn auch die richtigen Großeltern aus Nord- und aus Ostdeutschland dazu kommen.
Man kann's drehen und wenden wie man will: Das Ehepaar Ackers findet „kein Haar in der Suppe", wie sie sagte. Im Gegenteil: Sie empfiehlt jedem, sich umzusehen, ob es nicht jemanden gibt, dem man Hilfe anbieten kann. Gudrun Ackers formuliert es so: „Es ist sehr bereichernd für beide Seiten. Gerade Alleinerziehende müssten noch viel stärker unterstützt werden. Beim Treffen mit den anderen Leih-Großeltern oder Familienpaten hören wir ganz viele, oft auch bewegende Geschichten aus den Familien..."

Die Leih-Enkelkinder bringen Farbe in graue Tage

Das Thema Alleinerziehende taucht auch wieder bei Christian Meyn-Schwarze auf, dem ersten Leihopa in der Stadt Hilden, dem neben etlichen Omas auch noch zwei weitere Männer folgten. Für den Erlebnispädagogen, der seit 26 Jahren einen Mitmachzirkus, Seminare und Lesungen mit Vätern und ähnliches anbietet, war das Thema Leih-Opa wie maßgeschneidert. Der 64-jährige kümmert sich seit über zwei Jahren um den heute 11-jährigen Björn und die neunjährige Moana, die bei ihrer alleinerziehenden Mutter leben. Seine beiden erwachsenen leiblichen Töchter haben ihm zugeraten, damit er sich wieder mit Kindern vertraut macht, bevor die „echten" Enkel eintreffen.
Seine Beschäftigung mit den beiden Kindern empfindet er als sehr beglückend: „Die Leih-Enkelkinder bringen Farbe in graue Tage. Im Laufe der Zeit wird man zu einem Teil der Familie, auch zum Ansprechpartner für die Eltern. In meinem Fall habe ich beispielsweise viele Gespräche mit der Mutter über die weiterführenden Schulen geführt". Seine Leih-Opa-Einsätze sind nicht an eine fixe Zeit gebunden, sondern richten sich nach dem Bedarf. Das kann am einem Abend oder bei einem zweitägigen Sportcamp in den Ferien sein, das kann auch Hilfe beim Anliefern des neuen Klaviers sein, wie bei unserem Termin (siehe Foto)...

Die Kinder kommen auch zu ihr

Ein ganz anderer Fall ist der von Bärbel Schnibbe, die mit 52 Jahren noch jung für eine Oma ist, aber als Dialysepatientin sehr skeptisch war, ob man sie überhaupt in das Projekt einbeziehen würde. Sie hat es in Hilden über die Awo versucht – und geschafft. Eingehend wurde geprüft, ob sie den Stress aushalten kann, und dann kam sie endlich in „ihre" Familie mit drei Kindern: einem 5-jährigen Jungen und zwei Mädchen von 11 und 13 Jahren. Sie geht zu der Familie, die Kinder kommen aber auch zu ihr. Die Mädchen übernachten abwechselnd schon mal gerne bei ihr, der Junge ist froh, dass sich die Oma ihm ausgiebig widmen und mit ihm Lego oder Gesellschaftsspiele spielen kann. Oma und Kinder backen gemeinsam Waffeln und laden die Eltern dann zum Essen ein.
Bärbel Schnibbe ist auf einen Rollator angewiesen, weil sie nicht fest auf den Beinen ist. Doch selbst der lebhafte Junge hat gelernt, dass er die Oma nur drücken kann, wenn er auf den Stuhl klettert und nicht, wenn er spontan auf sie zurennt. Dann würde sie umfallen. Die Elfjährige geht gerne mit der Oma einkaufen, sie rät ihr aber auch zu Pausen, wenn sei merkt, es wird anstrengend. „Die Eltern wollten, dass die Kinder lernen, Einschränkungen zu akzeptieren", sagt Bärbel Schnibbe, die im übrigen froh und glücklich ist, Familienanschluss gefunden zu haben.
Ach, beinahe hätte ich es vergessen: Heike (siehe oben) wird die Enttäuschung über den gescheiterten Plan, Leih-Oma zu werden, bald verwunden haben. In diesen Tagen hat sie erfahren, dass sie endlich eine echte Oma wird, und das sogar von Zwillingen. Dann wird sie in der Familie ihrer Tochter wohl mehr gefordert sein, als sie es sich gewünscht hatte. Egal: Oma sein ist der schönste Job der Welt!

Der Weg zum Enkelkind:

In den drei Städten unseres Verbreitungsgebietes ist der Weg zum Leih-Enkel oder -Patenkind unterschiedlich, das Ziel ist allerdings immer das gleiche: Für beide Seiten soll mit dem Ehrenamt ein Wunsch erfüllt werden. In allen Städten gibt es zum Start in die gemeinsame Zeit auch einen Qualifikationskurs, in dem es um Erziehungsfragen und die Bedürfnisse der Kinder je nach Alter geht. Und noch eine Gemeinsamkeit: Paten werden immer gesucht, weil es genügend Eltern gibt, die sich Hilfe wünschen.

In Langenfeld kümmert sich der Sozialdienst katholischer Frauen (skf) mit Unterstützung der Stadt um die Interessenten, denen er „Familienpatenschaften anbietet, weil wir nicht nur die Menschen über 65, sondern auch jüngere ansprechen wollen", sagt Janine Hohmann, zuständig für Familien- und Jugendhilfe. Einmal pro Woche sind die Paten für zwei bis drei Stunden im Einsatz, darüber hinaus eventuell zusätzlich, „wenn es brennt". Erreichbar ist Janine Hohmann unter Telefon (02173) 3947625.

In Monheim hat das Mehrgenerationenhaus der evangelischen Gemeinde den „Oma-Opa-Hilfsdienst" ins Leben gerufen, der allerdings im Laufe der Zeit kaum noch Ersatz-Großeltern fand. Nachfragende Familien dagegen gibt es immer wieder, so dass Katrin Vinnicombe, die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses,das Projekt wieder beleben will. Sie wird für die Qualifizierung der „Großeltern" sorgen und sie auch über die Jahre begleiten. Erreichbar ist Katrin Vinnicombe unter Telefon (02173) 2757611.

In Hilden gibt es ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Stellwerk – Büro für Familie und Bildung der Stadt – und dem Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt. Initiatorin Kirsten Max sah das Problem vieler junger Familien, denen der Kontakt zur Großelterngeneration fehlt, weil die eigenen Großeltern weit entfernt wohnen, selbst noch berufstätig oder auch schon verstorben sind. Gleichzeitig wünschen sich viele Senioren einen Austausch mit Familien und besonders den Kindern. Erreichbar ist Kirsten Max unter Telefon (02103) 72504.

Das neue Klavier ist da! Björn und seine Schwester Moana erlernen das Klavierspiel in der Musikschule. Ihre Mutter Melanie Gehring und Leih-Opa Christian Meyn-Schwarze sehen hier eine positive Entwicklung, die sie gerne fördern möchten, zumal die beiden Kinder auch kleine eigene Werke komponieren.
Vom 8. bis zum 17. September findet die Woche des bürgerschaftlichen Engagements unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier statt. Der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) ist in diesem Jahr zum fünften Mal Medienpartner der bundesweiten Aktionswoche.
Autor:

Lokalkompass Langenfeld - Monheim - Hilden aus Monheim am Rhein

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