Warum Keyboarder nicht sexy sind - Marius Ader spielt in fünf Bands

Marius Ader steht auf Hardrock. | Foto: Krusebild
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Stars scheffeln Millionen. Davon ist Keyboarder Marius Ader weit entfernt, aber seit zweieinhalb Jahren hat der 49-Jährige Musik zu seinem einzigen Beruf gemacht. Darüber kann der Recklinghäuser so selbstbewusst wie selbstironisch erzählen.

Anfang 2016 entschloss sich Marius Ader dazu, seine sichere Festanstellung bei einem bekannten Finanzdienstleistungsunternehmen aufzugeben. "Ich hatte das einfach satt." In Absprache mit seiner Ehefrau Vanessa, die seitdem jedes Wochenende auf ihn verzichten muss, packt er sein Equipment ins Auto und es geht raus zu den unterschiedlichsten Einsätzen.
Ist seine Partnerin da nicht manchmal besorgt? Wie war das noch mit Groupies? Marius kichert. "In all den Jahren habe ich mal eine Frau durch Musik abgekriegt. Ich bin Keyboarder! Frauen stehen auf Gitarristen, Leadsänger und vor allem auf Drummer. Keyboarder sind nicht sexy." Wobei ihm auch gleich sein Lieblings-Keyboarder-Witz einfällt: "Was haben Keyboards und Kondome gemeinsam? Mit ist sicherer, ohne schöner."
Die wilden Zeiten hat er in vollen Zügen auch ohne Groupies genossen, sie haben aber auch den Abbruch seines Studiums mit verschuldet. Egal! "Mit unserer Band Blue Velvet aus Recklinghausen hatten wir 1994 sogar einen Auftritt in Wacken." Aus Blue Velvet ging dann Die Bänd hervor, mit der er noch viele weitere Jahre rockte.
Mit sieben bekam er den ersten Musikuntericht, mit 15 Jahren hatte er seine erste eigene Band. Musik war sein Ding, rein aus Spaß an der Sache. Keine Gigs ohne Gage ist mittlerweile seine Devise und (auch) eine Konsequenz aus seiner langen Erfahrung als Tänzer auf den Tasten.

"Ich wollte die Chance nicht verpassen"

Marius Ader spielt jetzt in fünf Bands mit und verfolgt auch neue Projekte. Hier ein kurzer Überblick. Floyd Side of the Moon huldigt Pink Floyd und bietet eine satte, auch optisch beeindruckende Show. "Wir haben jetzt unsere erste CD herausgebracht und ich bin richtig stolz darauf, weil ich zum ersten Mal das Mischen übernommen habe." Die Tribute-Band hatte in diesem Jahr sogar Auftritte in Schwerin und Bremen. Wer Floyd Side live erleben möchte, kann das am Samstag, 10. November, um 20 Uhr in den Flottmann Hallen Herne. (Karten an allen bekannten VVK-Stellen).
www.floydside.de
Auf die Spuren von Deep Purple begibt sich die Band Purple Eyes, mit der Marius Ader die Ehre hatte, bei Bochum Total in diesem Sommer im Bermuda Dreieck zu spielen. "Mit Purple Eyes sind wir dann am 24. November ab 20 Uhr live zu Gast in den Flottmann Hallen Herne. Es wird ein gemeinsamer Abend mit Rewind, einer Rolling-Stones-Coverband, und Peter Zontkowski alias ,Zonte', der Songs von Tony Joe White und Johnny Cash singt."
www.purple-eyes.de
Wer im Frühling und Sommer die Food Truck Festivals im Ruhrgebiet besucht hat, wurde von reBeat unterhalten. Die Band covert Rockklassiker und Top-40-Hits. "Wir werden nicht nur von diesem Veranstalter fest gebucht", stellt Ader zufrieden fest.
www.rebeat-coverband.de
Dann gibt es noch die Robin Masters Band, benannt nach dem geheimnisvollen Auftraggeber in der Kult-TV-Serie "Magnum", bei der Marius Ader mitmischt. "Die einzige meiner Bands, die auch meiner Frau gefällt. Sie steht so überhaupt nicht auf Deep Purple und mit Pink Floyd kann man sie jagen.
 www.robinmastersband.de

Noch zwei Konzerte in den Flottmann-Hallen

Wer jetzt meint, so allmählich müsste Marius Ader die Puste ausgehen bei so vielen Teams, irrt. Mit der Sängerin Melissa Heiduk aus Bochum, die 2012 bei der Castingshow X Factor den zweiten Platz belegte, macht Marius Ader gerne auch auf Hochzeiten mit Musik Menschen glücklich.
Bochum, da war doch noch was? Im Bochumer Planetarium wird der Recklinghäuser mit Purple Eyes und der Band Pay Attention am Samstag, 3. November, eine Live-Sternen-Show abziehen.
Seit einiger Zeit plant Marius Ader ein völlig neues Projekt: "Ich möchte Filmmusik spielen, in Kinos, bei Festivals und anderen Veranstaltungen." Denn Marius ist nicht nur erklärter Musikliebhaber, sondern auch Cineast. Diese Leidenschaften gaben den Ausschlag für Master T.O.M. (Tunes Of Music), Arbeitstitel von ihm und Oliver Mann, mit dem er das Projekt verwirklichen möchte.

Vor 50 und vor 11.000 Zuschauern

Jedes Konzert ist einmalig, nicht wiederholbar. Der Publikumszuspruch ist auch immer wieder anders. Ader kennt die ganze Bandbreite. "50 Zuschauer sind einfach zu wenig, auch wenn die Stimmung noch so gut ist. Ab 250 Leuten fängt es an, sich zu rechnen." Spitze war der Auftritt bei Feuerzauber Oberhausen 2018, dem Wettstreit der Pyrotechniker, als reBeat vor 11.000 Zuschauern auftrat - und so gut ankam, dass sie für 2019 wieder verpflichtet wurden.
Mal ehrlich: Kann man von fünf Bands leben, die nicht in einer Liga mit Kiss oder Iron Maiden spielen? Marius: "Nein. Ich verdiene praktisch ein Taschengeld. Ich kann mir den Wechsel von der Festanstellung zum Musiker nur leisten, weil ich über Mieteinkünfte verfüge und meine Frau berufstätig ist. Aber ich stehe voll dahinter, es macht mich glücklich und zufrieden. Ich will am Ende meines Lebens nicht fragen: Warum hast du es nicht versucht?"

Autor:

Kerstin Halstenbach aus Recklinghausen

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