Kapitel V - Wo ist die Mannschaft der ersten Ära? - Mitglieder des Ensembles gesucht
Schock für das "Narrenschiff"

Zum Dorffest in Billmerich inszenierte das Ensemble eine zeitgenössische Bauernhochzeit, inklusiv eines dramatischen Höhepunktes und erntete viel Applaus für seine Idee.
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  • Zum Dorffest in Billmerich inszenierte das Ensemble eine zeitgenössische Bauernhochzeit, inklusiv eines dramatischen Höhepunktes und erntete viel Applaus für seine Idee.
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Einen Höhepunkt erlebte das Publikum, als das „Narrenschiff“ 1990 den eigenen Hafen verließ und Kurs Richtung Billmerich nahm. Mitten in den Planungen zum Dorffest „1100 Jahre Billmerich“ wurde die Mannschaft angesprochen, ob man eine pfiffige Idee habe. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis für das Theater dunkle Wolken und Sturm am Horizont aufzogen.
Eine clevere Idee zur Jubiläumsfeier hatte man: Passend zum Traditions-Charakter des südlichsten Dorfes wurde eine Bauernhochzeit gefeiert. Stilecht mit Pfefferpotthast und Bier, in urtümlicher Kleidung,  auf dem Hof Albers. Das Ensemble hatte sich ein zeitgenössisches Schauspiel überlegt, in dem die örtlichen Vereine jeweils Rollen spielen sollten. Handlung: Bei dem Hochzeitsfest zündet ein enttäuschter, von Liebeskummer geplagter Knecht ein Feuer an. Die Feuerwehr fuhr mit altem Leiterwagen auf, die Gesellschaft war entsetzt. Und das Publikum fragte sich: „Wer gehört zur Truppe, wer ist Besucher“. Es war kaum zu unterscheiden, da sich die Schauspieler munter unter das Volk mischten. Bei dem Fest erwarb sich das „Narrenschiff“ ein besonderes Renommé und war lange Gesprächsthema.
Modernisierung
In den 90-er Jahren kam das Programm des „Narrenschiff“ bestens beim Publikum an. Von Anfang lag die Auslastung des Saals bei zwei Dritteln und mehr. 99 Zuschauer fanden Sitzplätze. Kein Seemansgarn: Um die Kapazität leicht zu erhöhen wurden auch die Plätze „99a“, „b“ und so fort verkauft. Aus Sicherheitsgründen musste offiziell bei 99 eigentlich Schluss sein. Nach knapp zwei Jahren hatte sich das Theater etabliert, die überregionalen Kulturzeitungen veröffentlichten die Termine und damit war für Werbung gesorgt.
Auch technisch wollte das „Narrenschiff“ auf dem Laufenden bleiben. Lief aber mit Plänen zur Modernisierung von Licht- und Tonanlage auf die größte Sandbank seiner Zeit. Denn...
Der Schock
Das Ambiente des „Narrenschiff“ spielte eine „tragende Hauptrolle“ für das Theater und stellte sich als tragfähig heraus. Im Gegensatz zum Zustand es Fachwerkgebälks des Gebäudes an der Bismarckstraße. Das hatte eine unglaubliche Geschichte hinter sich. Der Kinosaal wurde nach dem Krieg u.a. als „Bedarfssaal“ genutzt. Wochentags diente die Empore als Boxring, an Sonntagen war der hohe Raum ein „Not-Gotteshaus“ der Ev. Kirche. Es gab eine Glocke in einem  Türmchen. Eine Kneipe davor gehörte auch  mit dazu. Doch Mitte der 90er Jahre standen die Eigentümer Waltraud und Armin Schumacher vor der Frage, das Gebäude zu renovieren. Und jetzt offenbarte das „Narrenschiff“ seine dunklen Geheimnisse. Als für Licht- und Tonanlagen neue Traversen (Ausleger) aufgehängt werden sollten, stellte sich heraus: Tragende Balken lagen in den Wänden nicht mehr richtig auf. Aus der Holzkonstruktion waren im Laufe der Jahrzehnte wichtige Balken zur Abstützung des großen Giebeldachs abgeschnitten und ausgesägt worden. Die gesamte Statik war plötzlich zweifelhaft und die Decken hätten neu abgestützt werden müssen.
Hinzu kam: Die Heizungsanlage lief ständig aus dem Ruder. Um überhaupt die Genehmigung zu erhalten, kam der Installateur stets kurz vor dem Schornsteinfeger zu Besuch. Stunden später machte die Anlage wieder schlapp. Das Dach war undicht, die Gesamtkosten sprengten den Rahmen.
Neuanfang
Eine Entscheidung musste her und 1996 schließlich wurde das Gebäude abgerissen. „Niemand hatte aber überhaupt damit gerechnet, dass sich das Narrenschiff dort 12 Jahre halten würde“, blickt Armin Schumacher zurück. Doch es sollte der Beginn einer neuen Ära an einem neuen Standort sein. Der Wind in der Kulturpolitik hatte gedreht, zentrale Projekte in umgenutzten Industriehallen waren plötzlich aktuell. Das „Narrenschiff“ tauchte ein in sein zweites Leben.
Verschollene Mannschaft?
Den Wendepunkt in der Ära "Narrenschiff" nehmen wir zum Anlass, nach der Mannschaft der "ersten Jahre" zu suchen.  Welche Erinnerungen haben sie an den Aufstieg des Theaters? Was machen sie heute? Verschollene melden sich unter st.reimet@gmx.de

Autor:

Stefan Reimet aus Holzwickede

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