Antrittsrede des Gevelsberger Bürgermeisters Claus Jacobi
Amtseinführung in der konstituierenden Sitzung des Stadtrates

Bürgermister Claus Jacobi hielt seine Amtsantrittsrede. Die vierte seiner Polit-Karriere.
  • Bürgermister Claus Jacobi hielt seine Amtsantrittsrede. Die vierte seiner Polit-Karriere.
  • Foto: Archivfoto: Pielorz
  • hochgeladen von Nina Sikora

Bereits zum vierten Mal ist Claus Jacobi in der Situation eine Antrittsrede verfassen zu dürfen. Am Donnerstag, 5. November, durfte er diese Anlässlich seiner Amsteinführung als Bürgermeister von Gevelsberg vortragen.

"Es ist ein für mich nach wie vor sehr bewegender Moment und es bleibt für mich immer eine große Ehre, dem Rat und der Verwaltung und vor allem Bürgerschaft dieser wunderschönen Stadt vorstehen und sie repräsentieren zu dürfen", versicherte der alte und neue Bürgermeister. Dann bedanke Jacobi sich bei den Wählern und dem Ratskollegen Gerd Vollmerhaus, der als Altersvorsitzender, die Amtseinführung vornahm. Auch die Stadtverwaltung wurde mit lobenden Worten bedacht. Zudem schloss er auch seine Familie in die Danksagungen mit ein.
Dann richtete er sein Wort an die Ratsmitglieder: "Gerade in der aktuell so schwierigen Zeit der Pandemie, wie sie vor uns zum Glück noch keiner erlebt hat und so Gott will auch hoffentlich niemand nach uns noch einmal erleben muss, sind wir als gewählte Vertreter in ganz besonderer Weise gehalten, für die Bürgerschaft nachvollziehbare Entscheidungen für unsere Heimatstadt auf den Weg zu bringen."

Zum Abschluss seiner Rede ging Bürgermeister Jacobi nur kurz auf seine geplante politische Arbeit ein, die "wichtigsten Projekte, Konzepte und Leitlinien" seiner "politischen Arbeit für Gevelsberg bis zum Ablauf dieser Wahlperiode" will er im Zusammenhang  mit der Einbringung des Etats 2021 erläutern.


Hier die komplette Rede im Wortlaut:

Verehrte Kolleginnen und Kollegen, auch wenn es heute bereits das vierte Mal ist, dass ich nach gewonnener Kommunalwahl in das Amt des Bürgermeisters der Stadt Gevelsberg eingeführt worden bin, darf ich Ihnen versichern:

Es ist ein für mich nach wie vor sehr bewegender Moment und es bleibt für mich immer eine große Ehre, dem Rat und der Verwaltung und vor allem Bürgerschaft dieser wunderschönen Stadt vorstehen und sie repräsentieren zu dürfen.

Ich bedanke mich insofern heute noch einmal zu allererst bei den Wählerinnen und Wählern, die mir erneut das Vertrauen in Form eines sehr beeindruckenden Wahlergebnisses ausgesprochen haben. Und in diesem Zusammenhang natürlich auch bei meiner Partei, die mich als Kandidat für das höchste Amt dieser Stadt aufgestellt und wieder einmal in großer Einmütigkeit unterstützt hat. Zugleich bedanke ich mich aber auch bei allen, die für einen anderen Ausgang dieser Wahl gekämpft haben, ist uns als Demokraten doch klar, dass die Legitimation eines Wahlergebnisses umso größer und beeindruckender ist, wenn zuvor tatsächlich mit einer echten Auswahlmöglichkeit um die Vergabe eines Wahlamtes gestritten wurde.

Ich bedanke mich in besonderer Verbundenheit bei meinem lieben Ratskollegen Gerd Vollmerhaus, der mich heute nicht nur als Altersvorsitzender, sondern auch als langjähriger Wegbegleiter und guter Freund in das Amt eingeführt hat. Lieber Gerd, vielen Dank für die Worte, die Du heute für uns und mich gefunden hast.

Sodann bedanke ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung, die mir durch ihre unermüdlich professionelle Arbeit in den zurückliegenden 16 Jahren überhaupt erst die Basis für ein erfolgreiches Wirken in unserer Stadt bereitet haben; es ist überhaupt nicht selbstverständlich sich als Bürgermeister so sehr auf eine Verwaltung verlassen zu können. Vielen Dank dafür sage ich hier stellvertretend dem Vorsitzenden des Personalrates, Axel Holland, den ich im Zuschauerraum begrüßen darf.

Last, but not least, gilt das emotional herzlichste Dankeschön – und das werden Sie alle verstehen – natürlich meiner Familie, die ich ebenfalls hier begrüßen darf. Der familiäre Rückhalt und die Unterstützung, die ich zuhause von Daniela und Simon in den letzten Monaten erfahren habe, waren sicherlich der unverzichtbarste Beitrag zu einer erfolgreichen Wiederwahl am 13. September dieses Jahres. Und in diesen Dank für ihre Unterstützung schließe ich natürlich auch meine liebe Mutter ein, die ich ebenso heute hier begrüßen darf.

Nach diesem umfänglichen Dankeschön, das ich an dieser Stelle unbedingt einmal an viele Menschen aussprechen wollte, möchte ich Ihr Augenmerk jetzt, liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen, auf die große Bedeutung Ihres demokratischen Wahlamtes lenken, und Ihnen allen, insbesondere den erstmals gewählten, meine herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem neuen Mandat aussprechen.

Gemeinsam bilden Sie über Parteigrenzen hinweg nun das „Kollegialorgan Stadtrat“, das als oberster Souverän die Leitungsverantwortung für alle politischen Prozesse unseres Gemeinwesens hat und damit die Herzkammer kommunaler Selbstverwaltung ist. Bitte sehen Sie hinter allem, was Sie hier in den nächsten fünf Jahren zu entscheiden, zu beraten und zu verantworten haben, stets Ihre über allem stehende Verpflichtung, dem Wohl dieser Stadt zu dienen.

Und zwar vor allen anderen Interessen, die Sie sonst auch noch miteinander vereinbaren müssen, seien es die Belange Ihrer jeweiligen Partei und Fraktion oder die Wünsche und Bedürfnisse der vielen Menschen, die Sie im politischen Diskurs zu bestimmten Entscheidungen anhalten oder bewegen wollen. Und vergessen Sie bitte nie, dass ein nach parlamentarischen Grundsätzen organisiertes Gremium wie der Stadtrat seinem Auftrag zur Gestaltung dieser Stadt am Ende nur gerecht werden kann, wenn nach hartem Schlagabtausch in der Sache immer wieder Kompromisse stehen, die möglichst alle demokratischen Kräfte mittragen können, weil sich alle in den Ergebnissen auch wiederfinden können.

Gerade in der aktuell so schwierigen Zeit der Pandemie, wie sie vor uns zum Glück noch keiner erlebt hat und so Gott will auch hoffentlich niemand nach uns noch einmal erleben muss, sind wir als gewählte Vertreter in ganz besonderer Weise gehalten, für die Bürgerschaft nachvollziehbare Entscheidungen für unsere Heimatstadt auf den Weg zu bringen.

Jetzt in der Krise ist das Vertrauen in das Funktionieren unserer kommunalen Demokratie offenbar besonders groß, wie wir alle aus unseren vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern erfahren haben. Gleichzeitig ist dieses Vertrauen in den Zeiten der Krise aber auch hochgradig verletzlich und es deshalb kommt auf die kluge und emphatische Vermittlung der Notwendigkeit so vieler Einschränkungen und Einschnitte an, die die Menschen in unserer Stadt derzeit auszuhalten haben. Mehr denn je kommt es deshalb darauf an, dass wir als gewählte Ratsmitglieder das Verordnete nun auch selbst authentisch vorleben und vor allem im Umgang miteinander und in der politischen Debatte eine Kultur des respektvollen und kollegialen Umgangs pflegen. Eine Kultur, die nach außen signalisiert, dass jetzt mehr denn je kein Raum für populistische Sticheleien, Verschwörungstheorien und Ausgrenzungsplattitüden ist.

So wie die Gevelsbergerinnen und Gevelsberger, 31.000 an der Zahl, in den letzten acht Monaten solidarisch, mitmenschlich und rücksichtsvoll miteinander umgegangen sind und zueinander gestanden haben, so sollte auch der künftige Umgang der Ratskolleginnen und Ratskollegen miteinander sein. Und dies bedeutet ausdrücklich nicht, dass inhaltlich in der Sache nicht gestritten werden soll, ganz im Gegenteil, politische Auseinandersetzungen und Debatten braucht unsere Stadt, aber eben fair und stilvoll und ohne Schläge unter die Gürtellinie.

Liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen,

ich möchte mich heute auf diese wenigen Ausführungen zum Wert unserer kommunalen Demokratie und zur Kultur unserer künftigen Zusammenarbeit beschränken, um diese konstituierende Ratssitzung in Zeiten der Pandemie zeitlich nicht weiter auszudehnen als notwendig. Sie kennen mich und die politischen Ziele und Grundsätze, für die ich stehe und für die ich mich in den nächsten fünf Jahren engagieren möchte doch alle recht genau. Insofern werde ich den politisch-konzeptionellen Teil meiner Antrittsrede auf die Einbringung des Etats 2021 vertagen und Ihnen dabei auch im Hinblick auf die mittelfristige Finanzplanung einen Ausblick auf die wichtigsten Projekte, Konzepte und Leitlinien meiner politischen Arbeit für Gevelsberg bis zum Ablauf dieser Wahlperiode darlegen.

Nur so viel sei hier schon gesagt: Der abermalige städtebauliche Transformationsprozess, den wir mit dem Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept 2030 bereits verabredet haben, wird in den nächsten fünf Jahren eine nochmals stärkere soziale Dimension haben, als die großen Umgestaltungsprozesse, die Gevelsberg in den letzten 20 Jahren schon erlebt hat.

Ökologische, soziale, verkehrliche und digitale Ansprüche an unser Zusammenleben werden als feste Handschrift in allen Planungen zu finden sein, die das moderne Gevelsberg des Jahres 2030 ausmachen werden. Mehr Raum für zwischenmenschliche, interaktive Begegnungen im realen, wie auch im virtuellen Leben unserer Stadt wird in unserer neuen Innenstadt ebenso Realität, wie auch in allen Gevelsberg Stadtteilen.

Die Corona-Pandemie, die uns momentan aller Orten ihr hässliches Gesicht zeigt, könnte uns allen, wenn wir die Herausforderung annehmen, am Ende vielleicht sogar eine Triebfeder sein, Notwendiges und Unvermeidbares schneller umzusetzen, als es aus Bequemlichkeit oder politischer Ängstlichkeit immer weiter aufzuschieben.

Schließlich kann, wie es uns der beeindruckende Theologe und Mensch Dietrich Bonhoeffer aus einer noch viel, viel dunkleren Zeit als Vermächtnis hinterlassen hat, Gott am Ende aus Bösen doch immer wieder Gutes aufwachsen lassen und vielleicht sind wir alle im Moment Zeugen einer geschichtlichen Epoche in der sich solches, selbst in unserer doch überschaubaren Stadt, vollzieht.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns unserer großen Verantwortung in dieser schwierigen Zeit mit all unserer Kraft und Gottes Hilfe stellen und wünsche unserem demokratischen Zusammenwirken hier und heute einen gelungenen Start.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Autor:

Nina Sikora aus wap

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