Der Praxistest

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"PerF" läuft bis Ende Februar, wird von den Kooperationspartnern Kolpingbildungszentren Ruhr gem. GmbH und Griechische Gemeinde im Kulturzentrum Agora durchgeführt und von der Bundesagentur für Arbeit gefördert.

Er kommt aus Pakistan und war dort IT-Techniker. Zeugnisse und Papiere, die dies belegen, besitzt er nicht mehr. Welche Fähigkeiten und Kenntnisse er hat, kann er nur in der Praxis unter Beweis stellen. Hier setzt das "PerF-Projekt − Perspektiven für Flüchtlinge" an. Ziel ist, den Weg in den Beruf und zur deutschen Sprache zu ebnen.

"PerF" läuft bis Ende Februar, wird von den Kooperationspartnern Kolpingbildungszentren Ruhr gem. GmbH und Griechische Gemeinde im Kulturzentrum Agora durchgeführt und von der Bundesagentur für Arbeit gefördert.

"Es ist eine sehr gute Kooperation", lobt Agora-Chef Thorsten Schnelle. "Vernetztheit ist das Ziel", sagt Jobcenter-Leiter Wolfgang Limberg.

Im Projekt erhalten Asylbewerber mit einer Aufenthaltsgestattung oder BüMA (Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender) und Geduldete mit Arbeitsmarktzugang über einen Zeitraum von zwölf Wochen Unterstützung bei der Anerkennung ihrer im Heimatland erworbenen Bildungs- und Berufsabschlüsse, Deutschunterricht, Informationen über den deutschen Arbeitsmarkt sowie Bewerbungstraining. Und nach Möglichkeit eine betriebliche Unterweisung − dies ist jedoch auch abhängig von den Deutschkenntnissen. "Der Spracherwerb steht im Vordergrund", betont Christiana Braesch (Bereichsleitung Castrop-Rauxel der Kolpingbildungszentren Ruhr gem. GmbH).

Im Juni startete man das Projekt in Castrop-Rauxel mit 15 Teilnehmern aus Syrien, dem Irak, dem Iran und Nigeria. "Ich war überrascht von der Power, dem Engagement und dem Willen, die deutsche Sprache zu lernen und sich beruflich zu integrieren", sagt Christiana Braesch. Die zweite Gruppe, vorwiegend Menschen aus Afghanistan, sei ebenso engagiert gewesen, doch Vorbildung und Deutschkenntnisse waren nicht so gut wie bei den Teilnehmern der ersten Gruppe. "Ist die Sicherheit nicht da, wird noch mehr Deutschunterricht durchgeführt."

Wartezeit überbrücken

Das PerF-Projekt sei eine der ersten Maßnahmen, die Flüchtlinge "an die Hand" bekämen, um die Wartezeit bis zum ersten Integrationskurs zu überbrücken, so Nadine Dürig, Teamleiterin des "Integration Points" der Agentur für Arbeit. Das PerF-Projekt füge sich nahtlos in das Konzept des "Integration Points" ein. "Wir helfen und beraten bei Themen wie Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen und Dokumenten, Erläuterung des deutschen Arbeitsmarktsystems und sind Anlaufstelle hinsichtlich Sprachtrainings und -förderung."

Berufsanerkennung

Gerade die Berufsanerkennung spiele eine wichtige Rolle, weiß Dr. Dieter Kopetz, freier Mitarbeiter im PerF-Projekt. Nicht immer könne hier 1:1 übersetzt werden. "Bachelor ist nicht gleich Bachelor", nennt Kopetz ein Beispiel.
Zudem seien fehlende Zeugnisse und Papiere ein Problem. So war es auch bei dem IT-Techniker aus Pakistan. Es gelang, ihm einen Praktikumsplatz in einem Computer-Geschäft zu vermitteln. Insgesamt haben 18 "PerF"-Teilnehmer einen Praktikumsplatz erhalten. Und so kann bald auch die Frage beantwortet werden, welche Fähigkeiten sie mitbringen und wie sie beruflich einzustufen sind. "Es ist wichtig, die Wartezeit zu nutzen, sich beruflich weiterzuqualifizieren und in Betriebe hineinzugehen", weiß Sozialarbeiter Silvio Ströver.
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