Dortmund plant Aktionswoche gegen Armut

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Menschen, die auf Hilfe andere angewiesen sind, gehören in auf dem Westenhellweg zum Alltag. Worte, Bilder, Geschichten, Fotos, Musik, Performances und vieles mehr, was Armut sichtbar macht, wird für eine Aktionswoche gesucht. (Foto: Archiv/Schmitz)
 
Hoffen auf viele Mitstreiter bei der Aktionswoche zur wachsenden Armut: (v.l.) Andreas Gora (Awo), Monika Dürger, Gunther Niermann (Paritätischer), Christoph Gerhmann (Caritas), Anja Butschkau (Awo) und Michael Vogt (Kath. Stadtkirche). Melden können diese sich unter  9934310 und a.butschkau@awo-dortmund.de.

Die Verbände in Dortmund schlagen Alarm: Obwohl die Zahl der Menschen, die von Armut betroffen sind, wächst, verschwinde das Problem mehr und mehr aus dem Blickfeld.

Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2012 über 26 Prozent der Dortmunder von Armut bedroht. Daher planen der DGB, die Kirchen und Wohlfahrsverbände unter dem Motto „arm in arm“ eine Aktionswoche vom 23. bis 28. Februar 2015.
„Die Zahlen sind schon schlimm genug“, meint Anja Butschkau von der Awo, „wir wollen der Armut ein Gesicht geben.“ Sie bittet um Hilfe, Ideen und Aktionen, um eine Woche rund um das Thema Armut zu füllen. Los geht es mit der Woche am 23. Februar, zum Monatsende, wenn oft das Geld nicht reicht, draußen in der Kälte vor der Reinoldikirche.

Auftakt am Monatsende, wenn das Geld knapp wird

Den Auftakt will Fred Ape musikalisch mitgestalten. Ein zweiter zentraler Ort der Aktionen in der Woche wird die Propsteikirche in der City sein. „Hier werden Flaschensammler oder vor der Tafel lange Schlangen heute als normal wahrgenommen und nicht mehr als Problem der Menschen“, sagt sie.
Und Monika Dürger, die seit 18 Jahren im Obdachlosencafé Reinoldi Armut hautnah erlebt, pflichtet ihr bei: „Unsere Gesellschaft hat ein großes Defizit“, stellt sie klar, „wir kucken nicht hin, dass Menschen schon schlimm genug dran sind“, dabei gehe es doch um die Würde des Menschen - etwa, wenn man einen Bettler auf der Straße sehe.
„Selbst schuld, das meinen doch viele“, sagt Awo-Geschäftsführer Andreas Gora, denn sie seien ja selbst nicht betroffen.

Arm in einer Stadt, die nicht arm ist

Viele Berufsgruppen verlören heute ihre Jobs und das eine oder andere Einkommen liege nicht weit über 1000 Euro. Und er berichtet über gefühlte Armut in einer Stadt, die doch eigentlich nicht arm sei.
Von Dortmundern gleich nebenan, die im Ortsverein nicht mehr Kuchen zum Kaffee essen, sondern eine Schnitte , da abends daheim der Kühlschrank leer sei. „Und das ist in einer führenden Industrienation definitiv nicht naturgegeben“, fügt er hinzu. Hunderte Frühstücke, die das Gasthaus täglich zubereite, und tausende Ausweise, welche die Tafel verteile, seien heute Standard. „Beide federn die schlimmste Spitze ab, aber das kann doch nicht die Lösung sein“, findet Gunter Niermann, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

"Es geht um gerechte Verteilung"

Das Armutsproblem, das sei keine Geldfrage. „Geld haben wir. Es geht um gerechte Verteilung.“
Christoph Gehrmann von der Caritas kennt die Folgen der Armut: „Sie grenzt aus! Sie schließt von Teilhabe, Freizeitgestaltung, Kultur und vielem mehr aus“, weiß er von seiner Arbeit. Er wünscht sich, dass die Woche zu Begegnungen, Kontakten und auch zu Betroffenheit führt.
„Wir haben heute Stadtteile, die dicht machen und Rechte im Rat. Allen, denn das nicht egal ist, die werden etwas tun müssen“, so Monika Dürgers Appell an Schulen, Kitas, Treffs, Vereine, Initiativen, Nachbarschaften, sich an der Woche aktiv zu beteiligen.

Menschen leben aneinander vorbei

Auch Michael Vogt begegnet als stellv. Stadtdechant der Kath. Stadtkirche immer öfter Menschen, die durch Armut in Schieflage geraten. Doch immer mehr lebten die Menschen aneinander vorbei ohne Hilferufe zu bemerken. „Auch in der bürgerlichen Gesellschaft wird das Geld immer knapper“, so seine Beobachtung.
Der Jobverlust, eine Trennung, schnell gehe es an die Existenz. „Wie soll eine Rentnerin, die sich mit Teilzeitputzstellen über Wasser hält, eine Zahnarztrechnung über 980 Euro bezahlen?“ fragt Monika Dürger. Ein Fall von vielen, den sie alltäglich erlebt. „80 000“, nennt Gunther Niermann eine Zahl, „80 000 leben heute, wo Hartz IV kein Förderprogramm sondern ein Schimpfwort ist, in Dortmund in Bedarfsgemeinschaften. Und die wollen nicht alle die Stadt ausplündern!“
Näheres: Arm mitten in Dortmund.
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