Fleischkonsum: WWF für weniger aber dafür besseres Fleisch

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"MEAT IS MURDER". Mit einer Art Guerillamarketing machten Unbekannte im Mai in Dortmund an der Ecke Leopoldstraße/Münsterstraße deutlich, was sie so von Fleischkonsum halten. (Foto: Carsten Klink)
 
Um die Alltagstauglichkeit der Verbraucherempfehlungen zu garantieren, wurden unterschiedliche Produktionsmethoden, Labels und Warenklassen gerastert und nach einem Ampel- System geordnet. Daraus ergeben sich drei Kategorien: Gute Wahl, Zweite Wahl, Lieber nicht. Für Vegetarierinnen oder Veganer natürlich nur der erste Schritt. (Foto: WWF)
Dortmund: Leopoldstraße |

Der aktuelle Einkaufsratgeber "Fleisch und Wurst" des Umweltschutzvereins WWF wird eingefleischten Vegetarierinnen oder Veganern vermutlich nicht weit genug gehen. Sicherlich ist er aber ein Schritt in die richtige Richtung, da die beiden goldenen WWF-Regeln lauten: Weniger und dafür besseres Fleisch.

"Die Art und Weise wie wir uns ernähren, hat vielfältige und weitreichende Konsequenzen für uns selbst und unsere Umwelt. Wie viel Fleisch und welches Fleisch wir essen, bestimmt dabei maßgeblich welche Auswirkungen dies auf Natur- und Klimaschutz, das Welternährungsproblem, das Wohlbefinden von Tieren und nicht zuletzt auch auf unsere eigene Gesundheit hat.

Fleisch kann ein wertvolles Lebensmittel sein. Doch nicht nur gesundheitliche Gründe sprechen für einen bewussten Fleisch genuss, auch die Umwelt profitiert. Meistens landet gentechnisch verändertes Soja in den Futtertrögen. Soja wird überwiegend in Monokulturen angebaut, mit negativen Umwelt auswirkungen. Hinzu kommen der Einsatz von Pestiziden oder die Verunreinigung des Grundwassers.

Was bedeutet "weniger Fleisch"? Und wie definiert man "besseres Fleisch"? . Um die Alltagstauglichkeit der Verbraucherempfehlungen zu garantieren, wurden unterschiedliche Produktionsmethoden, Labels und Warenklassen gerastert und nach einem Ampel-System geordnet. Daraus ergeben sich drei Kategorien: Gute Wahl, Zweite Wahl, Lieber nicht.

Ökologische Auswirkungen wie CO2-Emissionen, die benötigte Fläche oder der Verlust biologischer Vielfalt wurden besonders gewichtet, aber auch Tierhaltung oder Medikamentengabe flossen in die Bewertungen ein.

GUTE WAHL
Produkte mit dem EU-Biosiegel erfüllen die Grundlagen der ökologischen und tiergerechten Landwirtschaft nach europäischem Standard. Die Umweltauswirkungen der ökologischen Landwirtschaft sind insgesamt deutlich positiver zu beurteilen als bei der konventionellen Landwirtschaft. Die Tiere haben in der Regel eine vielfältiger gestaltete Umgebung mit Tageslicht und frischer Luft und mehr Platz als in konventioneller Tierhaltung. Es werden
weitaus weniger schmerzhafte Eingriffe wie z. B. das Kupieren des Schwanzes bei Schweinen durchgeführt. Fleisch und Wurst mit Verbands-Biosiegeln wie etwa Bioland, demeter, Naturland, Biopark und Biokreis erfüllen neben den
EU-Mindestanforderungen weitere Zusatzkriterien, z. B. sind nur wenige Zusatzstoffe in der Lebensmittelverarbeitung erlaubt. In der EU sind 316 Zusatzstoffe zugelassen, für Bioerzeugnisse etwa 50 Stoffe – z. B. Bioland setzt nur 23 dieser Helfer ein.

Wildfleisch aus der EU aus nachhaltiger, regulierter Jagd ist eine vernünftige Nutzung natürlicher Ressourcen und hat kaum

negative ökologische Auswirkungen (ebenso Damwild in Gatterhaltung). Wildfleisch ist ein Nischenprodukt, kann jedoch zu einem guten Mix beim Fleischkonsum beitragen.

ZWEITE WAHL
Das Neuland-Siegel schreibt deutlich höhere Tierhaltungsstandards als konventionell üblich vor. Die Tiere haben Auslauf ins Freie und können auf Stroh liegen. Es wird auf gentechnikfreies Soja und heimische Futtermittel zurückgegriffen, eine Produktion der Futtermittel nach Bio-Kriterien ist jedoch nicht vorgeschrieben. Der Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger im
Ackerbau ist nach wie vor erlaubt.

Regionales Weidefleisch kommt überwiegend ohne Kraftfutter aus und ist daher ressourcenschonend. Auch bei der Tierhaltung ist es der konventionellen Mast deutlich überlegen. Es gibt jedoch kein einheitliches Zertifi zierungssystem oder ein Siegel, daher landet es im gelben Feld. Wenn Weidefl eisch auch solches ist, ist es sehr zu empfehlen. Im Zweifelsfall nachfragen oder den Betrieb selber während eines Ausfluges aufs Land besuchen!

LIEBER NICHT
Konventionell produzierte Fleisch- und Wurstwaren haben enorme
ökologische Auswirkungen. Der Anbau von Futterpfl anzen, v. a. Soja in Südamerika, führt zu massiver Abholzung wertvoller Wälder und damit zu einem großen Verlust an Artenvielfalt und hohen Treibhausgasemissionen. In Deutschland belasten Nährstoffüberschüsse aus der Tierhaltung die Gewässer und die Artenvielfalt. Außerdem sind die Anforderungen an die Tierhaltung ungenügend, da die Tiere nicht genug Platz und Möglichkeiten haben ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.

Konventionelle Fleisch-Markenlabels suggerieren oftmals kleinbäuerliche Idylle, haben i.d.R. jedoch keine nennenswerten Zusatzanforderungen mit ökologischem Mehrwert und sind meist reine Marketing instrumente.
Konventionelle Fleisch- und Wurstwaren mit QS-Siegel erfüllen keine ökologischen Nachhaltigkeitskriterien und nur minimalste Tierhaltungsanforderungen.

Importierte "Flug- oder Schiffware" wie etwa Wild- oder Schaffleisch aus Neuseeland oder Rindfleisch aus Argentinien ist mit hohen CO2-Emissionen behaftet und kann daher nicht empfohlen werden.". so der WWF.

Ausführlichere Informationen zum Thema finden Sie hier:
http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/e...

Ebenfalls passend zum Thema Fleischkonsum dieser Programmhinweis:

Vegetarisch leben - weit mehr als nur ein Fleischverzicht!
...Haben Sie schon mal zum Katzengulasch oder gegrillten Waldi eingeladen? Wieso eigentlich nicht? Warum essen wir Rind, Schwein und Huhn aber unsere Haustiere ebensowenig wie Insekten, Ratten oder Singvögel? Wer oder was bestimmt, was uns schmeckt? ...

Wir diskutieren nicht nur über Fleischproduktion sondern auch über Genuß und Verzicht zwischen Tradition, Statusdenken, Gewohnheit und Weltklima.
... Die Beweggründe, warum Menschen vegetarisch leben, sind vielfältig. Allein in Deutschland verschmähen schon rund 8 Prozent der Bevölkerung Fleisch auf ihrem Speiseplan. Für manche ist es nur ein kurzer Trend, für andere eine Lebenseinstellunng ...

WDR-Fernsehen, 19. Mai von 15 - 16 Uhr am 18. Mai auch auf SWR und ARD-alpha
weitere Einzelheiten: www.planetwissen.de
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