Wohnraum in Dortmund dringend gesucht: Stadt lädt zur Diskussion ein

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Für Familien und Senioren will Vonovia Wohnungen im Innenblock an der Harkortstraße in Hombruch bauen. Wie auch im Kreuzviertel, wo am Sonnenplatz im Innenhof neue Wohnungen entstehen sollen, treffen die Baupläne bei den Nachbarn auf Ablehnung. Sie fürchten um ihre Wohnqualität. (Foto: Grafik: WP Winkler/ Vonovia)

Die gestiegene Wohnungsnachfrage in Dortmund konnte in den letzten Jahren zunächst noch im vorhandenen Bestand und mit der Neubautätigkeit von durchschnittlich 1000 neuen Wohnungen pro Jahr gedeckt werden. Der Druck auf den Wohnungsmarkt hat sich jedoch weiter verstärkt. Die Mieten steigen, die Leerstandsquote liegt nur noch bei 1,7 Prozent. Insbesondere das untere, das geförderte und das mittlere Segment sind deutlich angespannt. Bezahlbarer Wohnraum wird dringend gesucht.

 Es sind Angebote zu schaffen, die dem Trend zu mehr kleinen Haushalten entsprechen. Ende Dezember 2016 gab es 315.900 Privathaushalte. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg von rund 2000, insbesondere von Ein- Personen-Haushalten (+ 1 400). Gleichzeitig ist die Zahl der Haushalte mit vier und mehr Personen um 700 gestiegen, so dass auch die Nachfrage nach familiengerechten Wohnungen stieg.

Streitpunkt Innenhofbebauung

Zur Entlastung des Wohnungsmarktes ist es dringend erforderlich, neue Wohnungen zu bauen. Im geförderten Mietwohnungsbau mit guten Qualitäten und bezahlbaren Mieten konnte bereits eine erhebliche Steigerung der Fördertätigkeit erreicht werden: In den vergangenen drei Jahren wurden 138,3 Mio. Euro Fördermittel des Landes für den Neubau von über 900 Wohnungen und die Modernisierung von rund 1 500 Wohnungen bewilligt.

Stadt hat klare Leitlinien

Für Planungsdezernent Ludger Wilde ist es eine der vorrangigen Aufgaben, alle Potenziale für die Schaffung neuer Wohnungen zu nutzen: „In City-Lagen, in den Ortsteilzentren und in Bereichen mit aufgelockerter Wohnbebauung sind dort, wo es städtebaulich vertretbar ist, Lösungen für die Ergänzung von Wohnungen unter Berücksichtigung der Nutzerinteressen und des Quartierszusammenhangs zu suchen.“
Die Stadt arbeitet vielfältig an der Entwicklung von Wohnbauflächen für unterschiedliche Segmente und hat dazu klare Leitlinien. Wohnungsunternehmen, Investoren und Hauseigentümer sind gefragt, Wohnungen zu bauen. Finanzielle Förderungen seien verfügbar.

Nachverdichtung in der City

Eine Kernfrage ist die Nutzung des Potenzials durch unterschiedliche Formen der Nachverdichtung in Innenstadtquartieren, Ortsteilzentren und aufgelockerten Wohngebieten. Hierzu gibt es zwischen Vorhabenträgern und Bürgern im Einzelfall kontroverse Auffassungen. Eine Veranstaltung „Neuer Wohnraum im Bestand“ will Mittwoch (17.1.) Formate aufzeigen, wie Wohnungen gebaut werden können und Aspekte einer Bestandsergänzung erläutern. Diskutiert wird, welcher Ansatz wo geeignet ist und auf welchen Kriterien eine Beurteilung aufbaut.

MItdiskutieren:

 Vor diesem Hintergrund lädt die Stadt alle Interessierten zu einer Info-Veranstaltung zum Thema „Neuer Wohnraum im Bestand“ mit Architekten, Wohnungsunternehmen, Mieterverein und Hauseigentümern am Mittwoch, 17. Januar, von 18 bis 20 Uhr in den Saal Westfalia im Rathaus ein.
 Anmeldungen können sich Interessierte per E-Mail bis zum 15. Januar an walter.nickisch@stadtdo.de.

5000 Wohnungen müssten jedes Jahr gebaut werden

Über das kontroverse Thema, welches Planer "Bauen im Bestand" nennen, sprach der Stadt-Anzeiger mit dem SPD-Fraktions-Vorsitzenden Norbert Schilff.
"Ich bin nicht für jede Nachverdichtung!", stellt der Chef der SPD-Ratsfraktion zum Thema fehlender Wohnraum klar. Eigentlich, sagt er, eigentlich müssten in Dortmund jedes Jahr rund 5000 neue Wohnungen gebaut werden, "aber wir sind froh, wenn wir 2000 schaffen", so Schilff. Denn die Dortmunder treffen auf dem engen Wohnungsmarkt auf der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe auf viel Konkurrenz:

Auch Pendler und  Studenten suchen Wohnungen

Neben Studenten, die nach Dortmund ziehen wollen, gibt es rund 70-90.000 Einpendler und auch einige Ex-Dortmunder, die nach Selm, Borken oder ins Sauerland gezogen sind und nun zurück wollen.
"Wir müssen nicht ganze Felder zubauen", stellt Schilff klar, "jedoch entlang einer Straße hält er eine Randbebauung für möglich.


"Familie wichtiger als Feldmaus"

"Mir ist eine junge Familie wichtiger als eine Feldmaus", sagt der Fraktionsvorsitzende. Und man müsse bei Bauplänen in Innenhöfen schauen, ob es es berechtigte Interessen der dort Wohnenden gehe und da auf Abstände achten. Und Schilff denkt auch an die Menschen "ohne Lobby, die keine Wohnung haben, die gehen nämlich nicht auf die Straße." Fest stehe angesichts des Wohnungsmangels, dass es ohne Bebauung nicht ginge. Daher beleuchtet die SPD die Anforderungen an die Wohnungspolitik an diesem Wochenende auf einer Klausur.
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