Naturschutzverbände gegen Bebauung in Wickede-West

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Das Gelände westlich der Eichwaldstraße, so wie es derzeit aussieht. (Foto: Günther Schmitz)
 
Die geplante Bebauung in Wickede-West. (Foto: Stadt Dortmund)
Dortmund: Wohngebiet Wickede-West |

Die Naturschutzverbände BUND, Kreisgruppe Dortmund, der NABU Stadtverband und die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW lehnen die geplante Wohnbebauung in Wickede-West entschieden ab.

In einer gemeinsamen Stellungnahme verweisen die Umwetschützer auf den vorhandenen Flächennutzungsplan sowie auf die Beschlüsse des Landschaftsbeirates von 2002, 2004, 2005 und 2016. Im Stadtgebiet stünden andere, ökologisch weniger gravierende potenzielle Wohnbaustandorte zur Verfügung, so die Begründung der Naturschutzverbände für die Ablehnung.

"Zwar soll die beanspruchte Fläche reduziert werden, die geplante Ausdehnung nach
Westen stellt aber immer noch einen gravierenden Eingriff in die Landschaft dar", so der Sprecher des Dortmunder Kreisverbandes des NABU, Thomas Quittek.

Die Naturschutzverbände haben die geplante Wohnbebauung im Rahmen ihrer
Stellungnahme zum Flächennutzungsplan als die ökologisch bedenklichste in ganz
Dortmund bewertet und sich dabei unter anderem auch auf städtische Gutachten bezogen.

So fordern die Umweltqualitätsziele zur Freiraumentwicklung der Stadt den Ausschluss weiterer baulicher Entwicklung und Flächenversiegelung. Die Fläche des geplanten Wohngebietes umfasst eine wertvolle Feldflur, an die sich nördlich eine Wiesen- und Heckenlandschaft vom Biotopverbundsystem Stufe 2 sowie das geplante Naturschutzgebiet "Wickeder Holz“ anschließt.

Die Grundlagenkarte II des neuen Landschaftsplans weist hier an Biotop-Typen eine Fettwiese im Norden und einen Acker im Süden aus. "Hierbei ist anzumerken, dass auch die Äcker eine immer höhere Bedeutung für den Artenschutz wegen der drastisch abnehmenden Vogelarten der Feldflur bekommen", so Quittek.

Der gültige Landschaftsplan Dortmund-Mitte und der neue Landschaftsplan sehen zudem ökologische Aufwertungsmaßnahmen vor, so dass dieser Raum ökologisch weiter optimiert werden kann, zum Beispiel durch die Anlage von Blühstreifen und Feldgehölzen, argumentieren die Naturschützer.

Im Landschaftsplan DO-Mitte sind entlang des Grüningsbaches Ackerrandstreifen und ein unterbrochener Gehölzstreifen vorgesehen. Am Ostholzsiepen soll eine Obstbaumreihe entstehen, an der Eichwaldstraße eine Baumreihe. Im Bereich des Reiterhofes an der Eichwaldstraße ist die Anlage von Feuchtbiotopen vorgesehen.

Der Umweltplan der Stadt Dortmund stellt das Gebiet als wichtigen Erholungsraum dar. In der Grundlagenkarte 2 des Landschaftsplan-Vorentwurfs ist die Fläche als
„unzerschnittener verkehrsarmer Raum“ dargestellt.

In der Klimaanalyse für die Stadt Dortmund (KVR, 1986) ist die Fläche in der Karte
„Planungshinweise“ mit folgendem Hinweis dargestellt: „Weitere Zersiedelung vermeiden. Durchgrünungsgrad erhalten. Freihalten von Talzonen.“

Die Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz hat in dem Raum bereits im Jahr 2008 Daten von Brutplätzen des Turmfalken und Laichgewässer von Amphibien kartiert. Die geplante Baufläche gehört zum Nahrungshabitat und Landlebensräumen der genannten Arten.

Mitarbeiter der AGARD betreiben seit 1992 speziell im Dortmunder Osten und Nordosten Greifvogelschutz für Turmfalken. Inzwischen gibt es 20 künstlich angelegte Nistplätze im Osten Dortmunds, wovon sich die Hälfte in Asseln und Wickede und sechs im Untersuchungsraum befinden.

In den Gittermasten der Hochspannungsmasten befinden sich im Wickeder Bereich vier Greifvogelbrutkästen, die seit 1993 im Wechsel regelmäßig mit
Turmfalken besetzt sind. Ein fünfter hängt seit etwas 20 Jahren an der Scheue des
Reiterhofes an der Eschenwaldstraße und ist regelmäßig besetzt.

Die Materialkosten wurden den Naturschützern zum großen Teil aus Mitteln der
Vereinsförderung von der Bezirksvertretung gewährt mit der Begründung, dass gerade in diesem großen, zusammenhängenden Freiraum solche Ausgaben sinnvoll untergebracht seien.

Zusammenfassend sehen die Naturschutzverbände gleich mehrere Gründe, das Gelände nicht zu bebauen:

Der gesamte Bereich zwischen Südrand Kurl/Husen und Nordrand Asseln/Wickede zum Migrationsraum der Amphibien zu zählen.

Die Fläche ist Bestandteil eines größeren unzerschnittenen Raumes zwischen den
Ortsteilen Asseln/Wickede im Süden und Husen/Kurl im Norden mit den
Naturschutzgebieten „Wickeder Holz“ (geplant) und „Wickeder Ostholz“.

Das geplante Baugebiet ist im Vorentwurf des neuen Landschaftsplans als
Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und liegt innerhalb des im Lärmaktionsplan der Stadt dargestellten lärmarmen Gebietes.

Die geplante Bebauung würde den Ausbau des Grüningsbaches erforderlich machen und zur Absenkung des Grundwasserspiegels mit einer Beeinträchtigung der Fettwiese führen.

Zur Artenschutzrechtlichen Prüfung merken die Naturschutzverbände an, dass der
Untersuchungsraum zu klein gewählt ist. Wegen der oben beschriebenen Bedeutung der Fläche innerhalb eines großen Freiraumes müsste der Untersuchungsraum nach Norden bis zur südlichen Bebauung Kurl ausgedehnt werden (Langerohstraße). Im Westen wäre die Eschenwaldstraßezu nennen. Das Wickeder Holz ist ebenfalls einzubeziehen wegen der Waldrandpopulationen und der
dortigen Kleingewässer. Im Osten ist der Untersuchungsraum bis zur Wickeder Straße auszudehnen.
Bei der Auflistung der Vogelarten fehlen die Meisenarten, Haussperling, Fitis, Zilpzalp. An Säugetieren kommt der Feldhase vor. Am Waldrand des Wickeder Holzes kommt die Saatkrähe vor. Aus der Sicht der Naturschutzverbände müssen weitere Kartierungen über eine volle Vegetations- und Brutperiode durchgeführt werden.

Aufgrund dieser erheblichen Bedenken sowohl des Naturschutzes hat der Rat der Stadt seinerzeit die Bebauung zurückgestellt. Erst im Rahmen der Haushaltsberatungen im Dezember 2014 hat die Mehrheit des Rates der Stadt die Realisierung des auf Eis gelegten Bebauungplanes wieder aufgegriffen. Durch die Ausweisung als Bauland soll der Wertgewinn abgeschöpft werden. Ökologische Bedenken werden zurückgestellt, so die Naturschützer.

Die Fläche in Wickede befindet sich im Sondervermögen „Grundstücks- und
Vermögensverwaltungsfonds“ der Stadt. Dieses wurde 1998 zur beschleunigten
Ausweisung von Wohnbauland und zur Erschließung von Finanzmitteln für den städtischen Haushalt gegründet.

Als Grundkapital dienten im städtischen Besitz befindliche oder angekaufte Grundstücke, die damals nicht im Flächennutzungsplan als Bauland vorgesehen waren. Ein Großteil dieser Grundstücke wurde ohne Beachtung ökologischer Belange angekauft. Diese Grundstücke sollen mit Gewinn an bauwillige Unternehmen und Privatpersonen als Bauerwartungsland veräußert werden.

Info:

Die AGARD hat im Jahr 2008 im Untersuchungsraum zwischen Asseln/Wickede und
Husen/Kurl folgende Amphibien erfasst bzw. geschätzt:
- Grasfrosch mindestens 2600 Tiere
- Erdkröte etwa 2000 Tiere
- Grünfrosch 500 Tiere
- Bergmolch 2000 Tiere
- Teichmolch 1500 Tiere
Es wurden in der Laichperiode 2008 insgesamt 21 Laichgewässer untersucht. Feuchtbiotope, die im Sommer meist trockenfallen, und die häufig auch besiedelt sind, wurden nicht berücksichtigt. Hierbei handelt es sich vorwiegend um Bachkolke (Wickeder Holz), Wassergräben in der Feldflur und zahlreiche stau- und sumpfnasse Stellen im und am Wickeder Ostholz.
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