Großes Interesse an WA-Gesundheitsdialog zum Thema Darmkrebs

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Im Ruhrorter „Schiffchen“ erläuterte Helios-Experte Prof. Dr. Stefan Lüth unter anderem die endoskopische Darmkrebs-Früherkennung.
 
Dr. Norbert Hennes gab Auskunft zur Minimal-Invasiven Chirurgie.
 
Der Rat der Mediziner war sehr gefragt: Prof. Dr. Lüth im Gespräch mit Teilnehmern.
Duisburg: Schiffchen | Ebenso beeindruckt wie erfreut zeigte sich Prof. Dr. Stefan Lüth von der Resonanz auf den WA-Gesundheitsdialog, den der Wochen-Anzeiger Duisburg jetzt in Kooperation mit dem Helios Klinikum zum Thema Darmkrebs-Vorbeugung und -Behandlung durchgeführt hat. Weit mehr Interessierte als angemeldet waren ins Ruhrorter Museumsrestaurant "Schiffchen" gekommen, zwei Stuhlreihen zusätzlich aber schnell herangeschafft.


„Das große Interesse, die vielen Fragen der Teilnehmerrunde, die breite Diskussion kenne ich so aus Hamburg nicht“, staunte der Mediziner, der zum 1. Oktober vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf an den Helios-Standort Duisburg-Hamborn wechselte, dort nun als Chefarzt der Gastroenterologie und Endoskopie tätig ist.

Prof. Dr. Lüth erläuterte zunächst in seinem Vortrag die Endoskopische Darmkrebs-Früherkennung. Dr. Norbert Hennes, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasiven Chirurgie, widmete sich in seinem Vortrag den Modernen Operationsverfahren bei Erkrankungen des Darms. Dann stellten sich beide Ärzte den Fragen des Publikums und nahmen sich der gesundheitlichen Sorgen der teils selbst von der Krankheit Betroffenen an. Auch wurden die Kaffeepause und das abschließende zwanglose Zusammentreffen für vertrauliche Vier- oder Sechs-Augen-Gespräche genutzt. So war es bei der Verabschiedung und in Telefonaten tags darauf manchem Teilnehmer auch ein Bedürfnis, sich persönlich bei den Helios-Experten und Verantwortlichen für die gelungene Veranstaltung zu bedanken.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Rahmen des WA-Gesundheitsdialogs:


Ab wann sollte man regelmäßig zur Vorsorge gehen?

Wenn keine bekannten Risiken vorliegen, empfiehlt sich eine regelmäßige Vorsorge ab dem 50. Lebensjahr, und dann im Abstand von zehn Jahren. Damit senkt man die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken. Um mehr als die Hälfte, wenn Polypen entfernt werden, und auf ein geringes Restrisiko, wenn gar keine Polypen gefunden werden können. Bei familiärer Vorbelastung, Beschwerden oder bestimmten Risikofaktoren, wie etwa starkem Übergewicht, Rauchen und so weiter, kann auch eine frühere Beobachtung sinnvoll sein. Über 70 Prozent der Erkrankungen aber werden zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr festgestellt.

Welche Symptome weisen auf Darmkrebs hin?

Das Tückische ist, dass ein Darmkrebstumor lange ohne erkennbare Symptome wachsen kann. Ein erstes Anzeichen ist oft das sogenannte okkulte (=verborgene) Blut im Stuhl, das aber meist mit dem bloßen Auge nur schwer zu erkennen ist. Manchmal treten aber auch sichtbare Blutbeimengungen auf.
Wird allerdings die Darmpassage zunehmend durch das sich ausbreitende Gewebe behindert, kann es abwechselnd zu Verstopfung und Durchfall kommen, wenn nur weicherer Kot die Engstellen passieren kann. Auch „bleistiftartiger“ Stuhl ist oft ein Alarmzeichen.

Wird der Tumor größer, entzieht er dem Körper zunehmend Energie. Dann können auch unspezifische Symptome wie Leistungsminderung, Allgemeinzustandsverschlechterung, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust auftreten. Die sehr häufigen Divertikel oder Hämorrhoiden sind übrigens keine Anzeichen für Darmkrebs. Sie sind zwar lästig, aus ihnen entstehen aber keine bösartigen Zellen.

Welche unterschiedlichen Verfahren zur Diagnostik gibt es heutzutage?

Die Spiegelung ist bei der Diagnose von Darmtumoren immer noch das erste Mittel der Wahl. Aber auch hier gibt es Unterschiede beziehungsweise verschiedene Qualitätsindikatoren. Von Vorteil ist es immer, wenn der untersuchende Arzt bereits eine Vielzahl von Koloskopien durchgeführt hat. Studien belegen, dass die Entdeckungsrate auffälliger Befunde mit zunehmender Erfahrung stark steigt. Auch sollte sich der Arzt mehr als ein paar Minuten für die reine Rückzugszeit und Beobachtungszeit des Endoskops nehmen.

Rein technisch hat sich in den letzten Jahren ebenfalls viel getan, ob verbesserte Bildqualität in HD, virtuelle Farbendoskopie durch neue Prozessortechnik und bestimmte Lichtfilter sowie Weitwinkeloptiken oder auch die Verwendung bestimmter Farbstoffe, die zur besseren Kontrastierung der Schleimhaut führt. Empfehlenswert für den Patienten ist immer eine sogenannte CO²-Koloskopie, also eine Spiegelung, bei der der Darm mit Kohlendioxid anstatt mit normaler Raumluft geweitet wird. Das verhindert bei den Betroffenen unangenehme Blähungen und Bauchschmerzen nach der Untersuchung.

Ein Ersatz der Darmspiegelung durch andere bildgebende Verfahren wie das CT oder MR ist nicht zu empfehlen, weil weit weniger zuverlässig.

Welche Therapien gibt es, wenn Darmkrebs entdeckt wird?

Solange eine Veränderung des Darms noch nicht entartet ist, lassen sich die Befunde in der Regel mit Hilfe der Endoskopie sicher entfernen, dies trifft auch für sehr frühe bösartige Tumore im Darm zu. Darüber hinaus sollte aber in jedem Fall eine Operation vorgenommen werden.

In fortgeschrittenem Stadium gibt es zudem verschiedene, auf die Patienten zugeschnittene Behandlungsmöglichkeiten, etwa eine Kombination aus Teilentfernungen des Darms und nachfolgender Chemotherapie. Der Eingriff selbst erfolgt nach festgeschriebenen Vorgaben, deren Umsetzung im Anschluss durch den Pathologen auch überprüft wird. So soll für den Patienten die höchstmögliche medizinische Operationsqualität garantiert werden.

Bezüglich der Operationsart ist heutzutage klar belegt, dass die schonenderen, minimal-invasiven Verfahren – durch kleine Zugänge oder Körperöffnungen wie den Bauchnabel – den offenen Eingriffen deutlich überlegen sind. Patienten profitieren bei der „Schlüssellochchirurgie“ zum einen von geringeren Komplikationsraten, kleineren Narben, einer schnelleren Heilung und weniger Schmerzen. Zum anderen ist die sogenannte Rezidivrate, also die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs zurückkehrt, geringer.
Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass bis zu 80 Prozent der Darmkrebs-Patienten in Deutschland kein minimal-invasiver Eingriff angeboten wird.

Wenn ein Darmtumor streut, ist häufig die Leber betroffen. Was für Therapiemöglichkeiten gibt es dann noch?

Leider tritt bei rund 50 Prozent der Darmkrebspatienten im Verlauf der Erkrankung auch eine Beteiligung der Leber auf, medizinisch Metastasierung genannt. Die enorme Weiterentwicklung der Chirurgie ermöglicht es jedoch heutzutage, einen Großteil dieser Befunde durch eine OP zu entfernen. Gelingt das, so ist die weitere Prognose des Patienten genauso gut, als wären nie Metastasen aufgetreten. Die Vorbereitungen zur operativen Versorgung sollten immer in enger Abstimmung zwischen Internist und Chirurg erfolgen.

Was kann ich selbst tun, um Darmkrebs vorzubeugen?

Ernährung: 30 bis 35 Gramm Ballaststoffe pro Tag aus verschiedenen Nahrungsmitteln; fünf Portionen Obst und Gemüse; Fett, rotes Fleisch und Alkohol reduzieren.

Der Schutz durch zusätzliche Nährstoffe (etwa Folsäure, Calcium, Selen) oder Medikamente (etwa Aspirin, zusätzliche Östrogene) ist noch nicht abschließend belegt.

Lebensstiländerung: Nikotinverzicht; körperliche Aktivität (30 bis 60 Minuten moderate Bewegung pro Tag); Normalgewicht anstreben (BMI gleich oder weniger 25).

Und vor allem die Teilnahme an einer Vorsorgeuntersuchung!



Text: Kathrin Unterberg / Sabine Justen, Fotos: Hannes Kirchner
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Susanne Köckert aus Duisburg | 02.05.2016 | 19:40  
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