Gerscheder kämpfen für ihre Gemeinde und gegen die Abrisspläne

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Rund um die Friedenskirche soll der Hauptstandort für das künftige Gemeindeleben liegen. (Foto: Kurbani)
 
Das alte Gemeindehaus an der Schilfstraße soll einem neuen weichen. In den Räumen des neuen Hauses soll dann das Gemeindeleben in Gerschede /Dellwig stattfinden. (Foto: Kurbani)

Dr. André Remy ist einer, der mit anpackt, wenn es notwendig ist. 20 Jahre lang hat der Lehrer ehrenamtlich die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde Gerschede geleitet. Er war Presbyter und Mitglied der Landessynode.

Dass es „seine“ Gemeinde in ihrer jetzigen Form bald nicht mehr geben wird, das wollen Remy und andere Gemeindemitglieder nicht einfach so hinnehmen. Doch die Fakten scheinen klar. „Das Presbyterium hat beschlossen, die Gemeindearbeit in Gerschede aufzugeben, das Gemeindezentrum an der Samoastraße mit Kirche und Jugendkeller abzureißen“, so Remy. Die Kritik an der Entscheidung ist deutlich: Kein Zeitplan, kein Konzept für die weitere Gemeindearbeit, keine Begründung, warum von den fünf Zentren der Gemeinde das nachweislich Lebendigste aufgegeben werden soll.

Reges Gemeindeleben mit 40 Gruppen


40 unterschiedliche Gruppen treffen sich derzeit regelmäßig in den Gemeinderäumen. „Da bleibt einiges auf der Strecke“, ist sich Remy sicher. Zumal er der Zusage, Gerschede bleibe weiterhin ein Zentrum für die Arbeit mit Kindern und Familien, nicht recht trauen mag. „Uns wird ein Multifunktionsraum in Aussicht gestellt, der von Kindergarten und Gemeinde gleichermaßen für Aktivitäten genutzt werden soll. Nur wann? Der Kita-Betrieb lässt wenig Spielraum für Nachmittagsveranstaltungen im Senioren- oder Kinderbereich.“
Die offizielle Begründung für die Presbyteriumspläne klingt logisch: Rückläufige Gemeindemitgliederzahlen und damit einhergehende sinkende Einnahmen zwingen die Evangelische Kirchengemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede zum Handeln. Mit Hilfe externer Berater wurde nach Lösungen gesucht. Ergebnis: die Gemeindebezirke Gerschede und Dellwig müssen näher aneinander rücken. „Letztlich mit dem Ziel einer Verschmelzung“, so Kirchmeister Jörg Thiede.
Der neue Hauptstandort des Gemeindelebens wird nach den Presbyteriumsplanungen an der Friedenskirche (Schilfstraße) liegen; das alte Gemeindehaus dort soll einem Neubau weichen, in dem dann das Gemeindeleben in Gerschede / Dellwig vorwiegend stattfinden soll.
„Wir kleben nicht an einem Gebäude,“ sagt André Remy, „aber uns ist Gemeinde in Gerschede wichtig, gerade für die Menschen, die nicht einfach in einen anderen Stadtteil fahren können. Kirche zeigt sich daran, wie sie mit den Schwachen umgeht. Und das sind in erster Linie die Kinder und die alten Menschen.“ Für sie sei es wichtig, dass es in Gerschede auch weiterhin einen Ort gebe, an dem sich Gemeinde treffen kann.

Kunstaktion im Gemeindesaal


Eine Kunstaktion unter der Überschrift „Gemeinde in Gerschede ist mir wichtig, weil …“ zeigt, dass Remy mit seiner Meinung nicht alleine da steht. Über 100 Plakate schmücken derzeit den Gerscheder Kirchsaal und zeigen, was Menschen - von den Senioren im Gemeindekreis bis zu den Jugendlichen im Samoakeller - an ihrer Gemeinde in Gerschede wichtig ist.
Sie wünschen sich einen offenen Umgestaltungsprozess. Das wurde auch bei der abendlichen Informationsveranstaltung im Gemeindezentrum an der Samoastraße deutlich. „Die Resonanz war gut“, sieht sich André Remy bestätigt. Rund 140 Gemeindemitglieder und Interessenten hatten sich im Gemeindezentrum versammelt. „Nur vom Presbyterium war leider niemand dabei“, bedauert Remy.

Unterschriften für den Erhalt der Gemeinde



Die Initiative wirbt im Stadtteil um Unterstützung. Mit Flugblättern hat sie auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Mit einer Unterschriftenaktion werben die Unterstützer derzeit für einen offenen Prozess der Umgestaltung. „Es kann ja nicht sein, dass das zwölf Leute hinter verschlossenen Türen über die Zukunft der Gemeinde entscheiden.“ Ideen, wie der geforderte Prozess gestaltet werde könnte, haben die Gerscheder viele. Eine Teilsanierung bei gleichzeitiger Aufgabe der Kirche, etwa. „Einfach um den Prozess des Zusammenwachsens koordinieren und wachsen zu können.“

Rechtmäßigkeit der Beschlüsse prüfen



Doch neben dem Dialog und dem Werben für alternative Ideen beschreitet die Initiative auch andere Wege. André Remy hat Beschwerde bei der kirchlichen Aufsicht eingelegt. „Die prüft, ob die Beschlüsse des Presbyterium rechtens zustande gekommen sind.“ Das Ergebnis steht noch aus.
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