Kolumne "Blick ins Leben" von Heidi Prochaska

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Eine Frühstücks-Entscheidung

„Wie viele Eier möchtest du zum Frühstück?“, werde ich Sonntagmorgens von dem besten aller Männer gefragt. Schon allein die Formulierung regt mich auf. Schließlich weiß ich noch gar nicht, ob ich überhaupt ein Ei möchte. Er ignoriert diese Entscheidungsvariante grundsätzlich, denn er ist Frühstücksei-Liebhaber und für das Eierkochen zuständig.

Ihn nerven meine ewig dauernden Entscheidungsprozesse. Obwohl es eigentlich eine einfache Sache ist, wäge ich meine Bedürfnisse nach aktuellem Appetit, Kalorien, Gesundheitsaspekten und Stimmungen gegeneinander ab - jedes Mal aufs Neue. Dafür bekomme ich widerwillig Aufmerksamkeit, da ich die Arbeit des Eierkochens verzögere, beziehungsweise nur unter Druck und nach mehrmaliger Aufforderung endlich entscheide. Das Gute-Laune-Frühstück wird zum Schweige-Frühstück.

So geht das nicht weiter. Ich brauche eine Lösung. Relativ spontan entscheide ich mich für eine Standardantwort, die für die meisten Fälle funktioniert. Ich lege mich auf die 1-Ei-Variante fest.

Endlich weiß er, was er zu tun hat und kann sich ungehindert den Frühstücksvorbereitungen widmen. Der Sonntagmorgen beginnt jetzt entspannt. Sollte ich das bestellte Ei mal nicht essen, entsteht kein Problem. Denn dieses kleine gelb-weiße Lebensmittel verschwindet spätestens beim Abräumen im Magen des Mannes, der unter anderem Eier und Entscheidungen liebt.

Diese Geschichte hat mich dazu gebracht über zwei Fragen länger nachzudenken: Wie viele Entscheidungen kann ich standardisieren und welche schnellen Entscheidungen machen mein Leben einfacher?

Heidi Prochaska
www.aendere-dich.de
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