"Akkordarbeit" in der Alten Kirche: Restaurierung der alten Sauer-Orgel beginnt

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In der Alten Kirche steht ein Musikinstrument, das seinesgleichen sucht: eine 125 Jahre alte Sauer-Orgel. Bis vor Kurzem war die Orgel das älteste bespielbare Exemplar im gesamten Stadtgebiet, doch wegen Sicherheitsmängeln musste das Schmuckstück verstummen. Anfang April folgte der Startschuss für die Restaurierung durch eine österreichische Orgelbaufirma.

Die Sauer-Orgel in der Alten Kirche hat prominente Geschwister im Berliner Dom und in der Leipziger Thomaskirche und ist eines von etwa 1.100 Instrumenten, die der berühmte Orgelbauer Wilhelm Sauer und seine Mitarbeiter in ihrer Werkstatt in Frankfurt an der Oder schufen. „Die Sauer-Orgel ist sehr stark dosiert und auch im Bassbereich stark. Trotzdem ist sie eher solistisch und hat im Klang mehr Licht als Schatten“, erklärt Matthias Wagner, Leiter der Restaurationsabteilung der österreichischen Orgelbaufirma Rieger. Doch diesen Klang kann die Gemeinde seit einiger Zeit nicht mehr genießen: Aus Sicherheitsgründen wurde die Orgel stillgelegt.

Die 1949 nachgerüstete Elektrik entsprach nicht mehr den heutigen Sicherheitsbestimmungen: „Einen Funkenschlag, der den Dachstuhl in Brand setzt, wollten wir nicht riskieren“, erklärt Ellen Kiener, Pfarrerin in der Alten Kirche. Doch nicht nur die Zwangsstilllegung der Orgel führte letztlich zum Entschluss, das Instrument restaurieren zu lassen. Hinzu kam ein Wasserschaden im Turm der Kirche, bei dem durch eine Fuge Nässe in das Gebäude und die Orgel eindrang. Eine Reparatur der undichten Stelle ist jedoch erst möglich, wenn die Orgel entfernt wird, denn diese steht einfach im Weg. „Da kam die Idee auf, auch bei der Orgel ganze Sache zu machen“, verrät die Pfarrerin .

Kein einfaches Unterfangen


Kein einfaches Unterfangen, das dementsprechend seine Zeit braucht - 2017 soll die Restauration abgeschlossen sein. Nach zwei Umbauten, der Elektrifizierung der Technik 1949 und einem „Update“ in den 80er Jahren, müssen zunächst die alten Originalteile erkannt und die Neuerungen aussortiert werden. „Das dauert etliche Stunden. So eine Orgel besteht aus etwa 10.000 Einzelteilen“, beschreibt Wagner diesen Teil der Arbeiten. Die Originalteile werden dann nach Österreich gebracht, um in der Orgelbauerfirma restauriert zu werden. Die großen, von außen sichtbaren Pfeifen bleiben zunächst aus optischen Gründen stehen, „damit dort kein Loch entsteht“, klärt der Restaurationsleiter auf. Einige Teile müssen sogar komplett neu, nach Vorlage eines Exemplars aus Fulda, hergestellt werden. Am Ende werden die restaurierten Originalteile sowie die neuen in der Alten Kirche wieder zusammengeführt. „Die Klanggebung ist der allerletzte Teil der Arbeiten. Wir werden sechs bis sieben Wochen brauchen, um die Orgel auszurichten“, erläutert Wagner.

Bei solch einem Arbeitsaufwand sind die Kosten entsprechend hoch: insgesamt 410.000 Euro. Die Finanzierung ist deshalb noch nicht in trockenen Tüchern. 90.000 Euro werden von der Kirchengemeinde eingebracht, 10.000 Euro übernimmt die Stiftung „Orgelklang“ der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EDK), 20.000 Euro steuert der Kirchbauverein der Alten Kirche bei und von weiteren Stiftungen erhofft man sich weitere 150.000 Euro. Dennoch stehen 140.000 Euro aus, die die Gemeinde irgendwie finanzieren muss.

„Ein Tag für die Orgel“


Dies soll durch Konzerte, Privatpersonen, Spenden und Aktionen geschehen. Unter dem Motto: „Ein Tag für die Orgel“ ruft die Gemeinde deshalb die Bürger dazu auf, einen Tageslohn für die Sauer-Orgel zu spenden. Einige tolle Projekte, wie ein Kuchenverkauf, Nachhilfeunterricht oder Mützenstricken, haben schon erfolgreich Geld in die Kasse geschwemmt, doch die Gemeinde hofft, zusätzliche Unterstützer für das Projekt begeistern zu können.

Unter anderem soll es mehrere Candlelight-Dinner und zahlreiche Konzerten geben, denn: „Eine Kirche ohne Orgel ist nicht eine Kirche ohne Musik“, betont Rolf Suchalla, Verantwortlicher für die Kulturarbeit in der Alten Kirche. Mit rund 20 Veranstaltungen im Jahr und einem Besucherschnitt von 80 Gästen pro Veranstaltung ist die Alte Kirche nicht unbekannt im Eventbereich. Die Planungen für Konzerte und Ausstellungen reichen bis zum Februar 2016 und können sich sehen lassen. Rolf Suchalla fasst zusammen: „Es ist eine gemischte, bunte Palette. Wir wollen jedem etwas bieten.“ Den Abschluss und gleichzeitigen Höhepunkt bildet die Konzertreihe „Orgel plus“, die in erweiterter Form - ab 2017 - mit dem restaurierten Instrument fortgesetzt werden soll.

Infos zur Restauration der Orgel, dem Projekt „Ein Tag für die Orgel“, Spendenmöglichkeiten und dem aktuellen Veranstaltungsprogramm bietet die Alte Kirche auf kirche-im-essener-norden.de.
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Stefan Koppelmann aus Essen-Nord | 05.05.2015 | 18:36  
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