Brutale Übergriffe von Hooligans nach der Hogesa Demonstration - Polizei hatte Lage in der Innenstadt nicht im Griff

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Ob sich die jeweiligen rechtsextrem demokratiefeindlichen Gruppen Hogesa, Pro NRW, NPD oder Widerstand Ost-West nennen - alle eint das eingebräunte Weltbild und alle diese Gruppen brauchen Gegendemonstrationen, die zeigen, dass die Mehrheit der Menschen diesen Weg in diktatorische Verhältnisse und Ausgrenzung nicht will.
 
Gönül Eğlence, Vorstandssprecherin der essener Grünen, kritisiert die fehlende Strategie der Polizeieinsatzleitung nach dem Ende der offiziellen Hogesa Demonstration
Essen: Viehofer Platz | Erste Reaktionen nach der rechtsextremen Hogesa Demonstration in der nördlichen Innenstadt. Das Bündnis "Essen stellt sich quer ESSQ" stellt fest: Die Gegendemonstration war ein politscher Erfolg der Zivilgesellschaft, aber leider hatte die Polizei die nachfolgende Situation nicht unter Kontrolle.

Mit dem Wissensstand vom frühen Sonntagabend (18:00) erklärt ESSQ deshalb:

Als Erfolg sieht das Bündnis Essen stellt sich quer die heutige Kundgebung gegen den HoGeSa-Aufmarsch an. Angesichts der kurzen Zeit, ist es erfreulich, dass sich heute mehr als 300 Gegendemonstranten auf dem Pferdemarkt versammelt haben und weitere 200 in der Nähe des Limbecker Platzes. Auf der Kundgebung sprachen nur Max Adelmann für ESSQ und der Oberbürgermeister, Reinhard Paß. Danach wurden die Nazis von HoGeSa mit ohrenbetäubendem Lärm empfangen.
„Vor allem die Ereignisse nach unserer Kundgebung machen überdeutlich, dass die Polizei die Gefahrenlage grundsätzlich falsch eingeschätzt hat. Statt zu versuchen ein Bürgerbündnis als Gefährder zu brandmarken, hätte es der Polizei besser angestanden unsere Mahnungen, die wir im Kooperationsgespräch äußerten zu berücksichtigen.“, so Max Adelmann, Sprecher von ESSQ. „Statt sich mit uns über den genauen Platz der Gegendemonstration zu streiten, hätte sie durchaus Grund gehabt, den HoGeSa-Aufmarsch nach öffentlich bekannten Vorkommnissen in der Vergangenheit, zu verbieten. Wie bei praktisch allen bisherigen HoGeSa-Aufmärschen, waren die Teilnehmer auf Krawall aus und haben dies auch ausgelebt. Die Polizei hatte die Lage in der Innenstadt im Gegensatz zu ihrer eigenen Aussage überhaupt nicht im Griff und es ist nur der Besonnenheit der Gegendemonstranten zu verdanken, dass unseres Wissens niemand zu ernsthaftem Schaden kam.“

Hooliganangriffe nach dem offiziellen Ende der Demonstration

Nach dem Ende der Kundgebung von ESSQ auf dem Pferdemarkt wurden rund 40 Teilnehmer/innen in unmittelbarer Nähe des Platzes auf der Viehofer Straße von weit über 50 Hooligans mit Baseballschlägern, Stühlen der Außengastronomie und Böllern angegriffen. Die Gegendemonstranten konnten sich zurück zum Kundgebungsplatz und in eine Shisha-Bar flüchten, in der auch Passanten Schutz suchen mussten. Einige HoGeSa-Nazis versuchten, die Bar zu stürmen und zwei große Scheiben einzuschlagen, die beschädigt wurden. Erst dann tauchten wenige Beamte auf, die sehr zögernd eingriffen.

Kein ausreichender Schutz der Teilnehmerinnen der Gegenkundgebung vor der Hogesa

„Uns liegen mehrere Beschwerden von Teilnehmer/innen vor, die aussagen, dass einige Polizeibeamte auf Hilfegesuche zunächst mit dummen Sprüchen reagiert haben“, so Max Adelmann weiter. „Darüber hinaus stellt sich uns die Frage, wie die Hooligans trotz massiver Polizeipräsenz in der Innenstadt Baseballschläger mit sich führen konnten. Die Zusage der Polizei, allen Gegendemonstranten und den Teilnehmern der Feste zum Weltkindertag in der Innenstadt Schutz zu bieten, hat sie jedenfalls nicht eingehalten. Die Gründe dafür wollen wir geklärt haben. Die jetzt bekannten Geschehnisse deuten auf einen Skandal hin. Nach unseren jetzigen Erkenntnissen zeigt die Einsatzplanung der Essener Polizei ein desaströses Ergebnis.
Eine innerpolizeiliche Aufarbeitung dieses Einsatzes kann eigentlich nur personelle Konsequenzen nach sich ziehen.
Die Scharmützel in der Innenstadt dauerten noch Stunden nach Auflösung des HoGeSa-Aufmarsches an. Gruppen von Nazis waren in der Stadt unterwegs, so dass Teilnehmer/innen der Gegenaktionen Angst hatten, durch die Stadt zu gehen.
Nur einige Hogesa-Nazis wurden teilweise festgesetzt, erkennungsdienstlich behandelt und dann wieder freigelassen so dass sie sich unbeobachtet kurz nach 18:00 Uhr wieder im Hauptbahnhof und davor zusammenfanden. Wie sich nun die Situation weiterentwickelt ist unklar. Polizei ist vor Ort nicht zu bemerken. (Stand: 20.09.2015, 18:15 Uhr)

Eine ähnliche Einschätzung der Lage veröffentlichten die Essener Grünen:

Bei der Demo der HoGeSa gerät nach Auflösung der angemeldeten Kundgebung die Situation außer Kontrolle.


Dazu erklärt Vorstandssprecherin Gönül Eğlence: "Die Polizei hatte offenbar keine Strategie entwickelt, wie sie mit den Hooligans nach ihrer Demonstration umgehen. Ein Plan sieht anders aus. Wir erwarten, dass die Polizei aufklärt, wie es dazu kommen konnte, dass friedliche Demonstranten und unbeteiligte Geschäfte angegriffen werden und die Hooligans vor den Augen der Polizei Bier in Glasflaschen kaufen konnten. Der Umgang wirkte mehr kopflos als durchdacht. Dass stundenlange Einkesseln und ungeleitete Laufenlassen lässt hier leider auch auf erhebliche Lücken in der Strategie schließen. "
Vorstandsmitglied und Grünen Vertreterin im Bündnis "Essen stellt sich Quer", Elke Zeeb ergänzt: "Fassungslos mussten wir mit ansehen, wie die Hooligans nach Aufnahme ihrer Personalien ungeleitet durch die Innenstadt laufen konnten, obwohl wir als Bündnis im Vorgespräch darauf hingewiesen hatten, dass so was nicht passieren sollte. Wir haben den Platz nach mehreren Stunden verlassen in der Hoffnung, dass diese sich nicht, wie schon zuvor am 01. Mai diesen Jahres, anschließend doch noch zusammenrotten. Sinnvoll wäre z.B. eine Abführung in Bussen gewesen."
Eine Aufklärung der anscheinend unkoordinierten Polizeimaßnahmen gegenüber der Taktik der Hogesa wird hoffentlich innerhalb der kommenden Woche noch gegeben. Immerhin haben diese Hooligans ihr akutes Gewaltpotential wieder deutlich unter Beweis gestellt.
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