Roland Jahn, Beauftragter der Bundesregierung für die Stasi-Unterlagen, im Gespräch über DDR-Diktatur. Meinungsfreiheit ist von entscheidender Bedeutung für einen Rechtsstaat

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Auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Jutta Eckenbach war der Bundesbeauftragte für die Stasi Unterlagen zu Gast in Essen. Zum Abschluss der Ausstellung „Feind ist, wer anders denkt“, die eindrucksvoll schildert, mit welchen Methoden die Staatssicherheit in der DDR agierte, suchte Jahn das Gespräch mit einigen Schulklassen der Realschule am Stoppenberg sowie weiteren Gästen.

Jutta Eckenbach: „Es freut mich sehr, dass wir mit Roland Jahn nicht nur den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen nach Essen holen konnten, sondern mit ihm auch einen Zeitzeugen, der seine Erlebnisse und Erfahrungen in besonders guter Art und Weise an die Schülerinnen und Schüler weitergeben kann. Wir dürfen die deutsch-deutsche Geschichte nicht vernachlässigen. Meinungsfreiheit ist etwas unglaublich Wertvolles. Wir dürfen sie nicht als selbstverständlich ansehen. Ich danke Herrn Jahn, dass er dies heute so deutlich gemacht hat.“

Roland Jahn machte gleich zu Beginn deutlich, dass er sich auch an viele gute Zeiten in der DDR erinnert. Dennoch musste er Ereignisse miterleben, die ihn am System und an der Rechtsstaatlichkeit der DDR zweifeln ließen. Als junger Erwachsener begann er, Dinge kritisch zu hinterfragen. Dies führte dazu, dass er als Staatsfeind angesehen wurde und sein Studium aufgeben musste. Aber die Auswirkungen der Staatssicherheit bekamen nicht nur die designierten Staatsfeinde selbst zu spüren, sondern deren gesamtes Umfeld.

So sahen sich die Bürger der DDR gezwungen, Kompromisse einzugehen zwischen der Verwirklichung ihrer Wünsche und einem selbstbestimmten Leben mit Meinungsfreiheit. Denn Wünsche, wie z.B. ein Studium konnten nur dann erfüllt werden, wenn man nicht in Konflikt mit der DDR-Diktatur geriet.

Aber solche Konflikte sind nicht immer einfach. Es sind moralische Fragen, die man nicht pauschal beantworten könne, so Jahn. Immer wieder betont er, dass es nicht die eine Verhaltensnorm gebe. Vielmehr müsse sich jeder einzelne seiner individuellen Verantwortung bewusst sein und dementsprechend handeln. Um den Schülerinnen und Schülern zu verdeutlichen, in welcher schwierigen Situation sich ein Mensch befindet, fragt er sie immer wieder eindringlich: „Wie hättet ihr euch entschieden?“

Selbst als Jahn schon in Westdeutschland lebte, wurde er weiterhin von der Stasi überwacht. Auch in Essen waren DDR-Spione aktiv. Sie arbeiteten beispielsweise in großen Unternehmen, um an geheime Daten und Dokumente für die DDR-Regierung zu gelangen. Dies zeigt deutlich das weite Netz der Spionageaktivitäten der Stasi, das sich selbst in Westdeutschland ausgebreitet hatte.

Zum Schluss appellierte Roland Jahn an die Zuhörer: Sie sollten ihre Chance nutzen, sich informieren und die Meinungsfreiheit niemals als etwas Selbstverständliches ansehen. Außerdem betonte er die Wichtigkeit sich selbst als Teil eines Rechtsstaates und einer Demokratie einzubringen: „Demokratie ist nur so lebendig wie die Menschen selbst, wie die Menschen, die in ihr Leben“
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