„Unsere Tür ist offen“

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Beim Empfang für Ehrenamtler: Jürgen Lukas, Janine Laupenmühlen, Gereon Wolters, Oliver Kern, Andrea Lukas. Foto: Henschke
 
Beim Infostand der Arbeiterwohlfahrt Petra Lukas, Christa Beisemann, Irmgard Wortmann und Susanne Bonmann, engagierte Frau des Bezirksbürgermeisters. Foto: Archiv

Bei der Werdener Arbeiterwohlfahrt sind Menschen jeglicher Couleur herzlich willkommen

Am 13. Dezember 1919 gründete Marie Juchacz sie als „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD“: Als Fürsprecher der Schwachen kümmert sich die AWO seit fast hundert Jahren um soziale Themen.

In Werden führt Jürgen Lukas die AWO. Der waddische Vorsitzende ist fast 60 Jahre in der Gewerkschaft. Er war Betriebsrat, Leiter der Werksfeuerwehr, Richter am Landessozialgericht, Versicherungsältester. Sozial und demokratisch ist wichtig, dafür muss man aber nicht unbedingt ein „Sozi“ sein. Also, die politische Haltung ist im Rathauskeller keine Grundbedingung. Viel wichtiger ist ein gutes Miteinander, weiß Jürgen Lukas: „Kommunikation ist das A und O. Das kann bei unseren Fahrten sein, beim Kaffee, beim Spielnachmittag. Wir reden viel miteinander, sprechen über alle Übel der Welt. Das ist doch viel besser, als alleine zu Hause zu sitzen.“ Seine Tochter möchte aber unbedingt einem schiefen Bild entgegenwirken. Andrea Lukas wird energisch: „Viele haben wohl den Eindruck, wir wären nur für Senioren da. Das ist nun wirklich nicht der Fall. Zu uns können alle Menschen kommen. Egal, welcher Herkunft, Altersklasse, sozialer Schicht, Religion oder sexueller Orientierung. Unsere Tür ist offen für Jeden. Einfach mal reinschauen.“

Respekt vor Andersdenkenden

In Zeiten, in denen mangelnder Respekt vor Andersdenkenden und mitunter auch blanker Hass gegenüber Minderheiten zunehmen, macht das bürgerschaftliche Engagement im Rathauskeller doch ein bisschen Mut. Das Ehrenamt ist allerorten in der Defensive, wenige finden noch Zeit und Motivation, sich für den Anderen einzusetzen. Gut, dass es noch so „Anpacker“ wie Jürgen Lukas und seine Mitstreiter gibt. Hier wird nicht lange drum herum geredet, sondern gemacht. Zur Seite stehen ihm seine Stellvertreterin Christa Beisemann, Ehefrau Petra und Tochter Andrea, die auch beide im Vorstand aktiv sind. Am 17. März ist Jahreshauptversammlung, hier soll der Vorstand erweitert werden: „Wir sind froh über jede helfende Hand.“ Jürgen Lukas lenkt seit acht Jahren die Geschicke der AWO in Werden: „Früher war alles besser? Das ist nicht mein Spruch. Anfangs dachte ich, ich müsste Mauern einreißen. Doch am besten gefahren bin ich mit vielen kleinen Schritten. Wichtig sind aber die Rückmeldungen. Ich bin da ehrlich, ein bisschen Lob tut auch mal gut.“

Ohne Ehrenamt geht es nicht

Viel Lob gab es beim Treffen der Ehrenamtler im Landschaftspark Duisburg Nord. Wahre Worte, die gut taten. „Gemeinsam für NRW“ war das Motto des Empfangs. Jürgen Lukas war natürlich nicht allein vor Ort. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hielt eine kurze, aber sehr charismatische Rede. Sechs Millionen ehrenamtlich Tätige ab 14 Jahren gebe es in NRW, die sich dafür einsetzten, dass es anderen besser gehe. Ohne das Ehrenamt funktioniere die Gesellschaft nicht. Um die ehrenamtlich Tätigen abzusichern, seien Versicherungen für Haftpflicht und Unfall eingeführt worden. Gerade NRW stehe für Demokratie, nur gemeinsam könne man ein Zeichen setzen gegen diejenigen, welche die Gesellschaft spalten wollen. Das Trennende helfe nämlich nicht, es zerstöre. Unter den 1.200 Teilnehmern fanden sich auch BV-Mitglied Daniel Behmenburg, AWO-Geschäftsführer Oliver Kern, die SPD-Kandidatin für den Landtag Janine Laupenmühlen und Gereon Wolters, SPD-Kandidat für den Bundestag.

Soziale Schere klafft

Jürgen Lukas ist schockiert über die immer mehr klaffende soziale Schere in Deutschland, sah aber schon früh die Entwicklung: „Vor 15 Jahren haben wir bereits vor drohender Altersarmut gewarnt!“ Er kennt sie alle, die den Weg zur AWO in den Rathauskeller finden. Den meisten geht es noch gut, doch er weiß auch von Witwen, die mit sehr wenig auskommen müssen: „Dabei haben wir immer gefordert, dass das Rentenniveau nicht unter 50 Prozent sinken darf. Der kleine Mann kann nicht verstehen, dass Milliarden in Banken gesteckt und dicke Boni gezahlt werden.“
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