Die Demo ist abgesagt

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Das bisherige Gebäude schmiegt sich an den Hang zum Brosweg. Foto: Henschke
 
Die städtebaulichen Planungen sehen fünf vom Hang abgerückte Häuser vor. Foto: Koschany + Zimmer

Bei der CDU Werden ging es um Neubauten im Frielingsdorfweg und den Spielplatz am Brosweg

Hanslothar Kranz, jüngst wiedergewählt als Vorsitzender der CDU Werden, begrüßte in den Domstuben zum politischen Stammtisch: „Hier und heute kann jeder seine Fragen loswerden.“



Eva Fendel vom Amt für Stadtplanung und Bauordnung sowie Dipl.-Ing. Architekt Achim Bassa, Geschäftsführer bei Koschany + Zimmer, stellten den aktuellen Stand der Planungen des Bauvorhabens am Frielingsdorfweg vor, betonten zwar den frühen Zeitpunkt im gewiss noch drei Jahre andauernden Gesamtprozess, mit der Fertigstellung ist vor Sommer 2020 kaum zu rechnen. Es blieb also noch Vieles im Vagen, Ideen werden noch gesammelt: „Wir kommen das nächste Mal aus der Deckung, wenn wir Konkretes haben.“ Dennoch hatte die zweistündige Diskussion viele spannende Details zu bieten.


Steigenden Baukosten, stagnierende Mieten

Die zukünftige Nutzung des Areals am Frielingsdorfweg ist weiterhin nur grob umrissen. Das Fitness-Center soll beibehalten werden, über die Errichtung einer bis zu viergruppigen Kita verhandeln die Entwickler zurzeit mit Stadt und Landschafsverband, der final zustimmen muss. Diese Kita würde auf der untersten Etage im so genannten Podium eingerichtet, bekäme eine eigene Freifläche. Etwa 30 Prozent der bis zu 38 Wohneinheiten könnten als geförderter Wohnungsbau entstehen. Dies war der Bezirksvertretung angesichts des akuten Mangels in Werden, Fischlaken und Heidhausen ganz wichtig, wie BV-Mitglied Herbert Schermuly noch einmal bekräftigte. Architekt Bassa betonte, die Eigentümerin wolle ganz bewusst das Objekt im Bestand halten und vermieten. Bassa dämpfte aber auch die Erwartungen: „Die Schere zwischen ständig steigenden Baukosten und stagnierenden Mieten klafft immer deutlicher. Das ist ein schwieriger Spagat.“ Geld machen könne man eher mit dem Verkauf von Eigentumswohnungen. Vielleicht werde das als Ärztehaus angedachte fünfte Gebäude verkauft.


Mehrgenerationenwohnen

Das Thema des Mehrgenerationenwohnens stößt auf nachhaltiges Interesse im Stadtteil. Viele ältere Werdener würden gerne in barrierearmen, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Wohnungen leben. Allerdings am liebsten in generationsübergreifenden Verbindungen und eben nicht isoliert von jüngeren Menschen. Auch meldete sich eine Gruppe von Werdener Eltern mit behinderten Kindern, die so langsam erwachsen werden. Eva Fendel outete sich als große Verfechterin dieser Ideen: „Das finde ich super gut. Wir sind darauf angewiesen, dass wir uns gegenseitig helfen.“ Aber Fendel bleibt vorsichtig: „Wir müssen auch schauen, dass es überhaupt funktioniert und sollten das Projekt nicht überfrachten. Eine Wohngruppe ist eigentlich nicht gemeint gewesen. Aufgrund der zu überwindenden Ebenen würde sich da eine sehr große Komplexität ergeben.“ Achim Bassa ergänzte: „Es ist ein Wohnprojekt, keine Pflegeimmobilie.“


Artikel 14 des Grundgesetzes

Der Architekt war auch bemüht, eine große Sorge der anwesenden Nachbarn zu zerstreuen: „Wir gehen ganz bewusst nicht an den Hang, lassen dem Brosweg Luft. Die neuen Häuser werden bis zu 30 Meter abgerückt, sind auch kaum höher als das bisherige Gebäude, einen Meter vielleicht.“ Sein Berufskollege Martin Ballin wohnt vis-à-vis und hat doch ein Problem mit der absoluten Höhe: „Bei uns in Werden muss ich lange suchen, um achtgeschossige Häuser zu finden. Das ist für die Gegend untypisch.“ Da musste ihm Stadtplanerin Fendel rechtgeben: „Ja, das haben wir so in Werden nicht. Aber ich finde dieses Projekt städtebaulich sehr gelungen.“ Sie sei viel im Stadtteil herumgefahren und habe da „witzige Sachen“ entdeckt: „Es entstehen da ganz pfiffige Lösungen. Plötzlich tun sich da so Trümmer auf.“ Völlig könne man nicht einschränken, dürfe nicht den Artikel 14 des Grundgesetzes unterlaufen: „Eine gewisse Baufreiheit muss noch bleiben.“ Das bestätigte Hanslothar Kranz: „Wir wollen doch die alten Kästen nicht mehr haben. Man muss dem Architekten seine Kreativität lassen, nicht alles einengen. Es lohnt sich, hier wird etwas Schönes geschaffen.“

Der Spielplatz bleibt

Der Abend war fast gelaufen, da spitzte Anwohner Harald Bruckmann ganz besonders die Ohren. Es ging um den Spielplatz am Brosweg, hier ist Bruckmann überaus engagierter Pate. Eva Fendel legte sich fest: „Wir haben in keiner Weise vor, am Spielplatz etwas zu ändern. Es ist ein gut ausgestatteter Spielbereich der Kategorie B mit Ballspielwiese. So wie er da liegt, werden wir ihn auch behalten und schützen.“ Selbst auf mögliche Klagen würde Fendel gelassen reagieren. „Kinderlärm ist sozialadäquat. Das sagt jedes Gericht der Welt!“
Eine Demonstration zum Erhalt des Spielplatzes scheint also nicht mehr nötig. Hanslothar Kranz als Schirmherr hatte bereits angekündigt, im Ernstfall sei er derjenige, der mit einem Schild vorneweg laufe: „Dafür werde ich kämpfen." Nun konnte er die tolle Neuigkeit beim Osterfeuer verkünden...
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