„Weil ich Menschen mag“

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Ein wacher Geist: Wolfgang Knopp.
 
Die sanierte Christuskirche an der Röntgenstraße.
Essen: Christuskirche |

Pfarrer Wolfgang Knopp (Evangelische Lutherkirchengemeinde Altendorf) engagiert sich für den Nachwuchs, die Kultur und seinen Stadtteil.


Wenn der gebürtige Mönchengladbacher Wolfgang Knopp, 59, zurückblickt auf die letzten vier Jahrzehnte, freut er sich, dass er im Ruhrgebiet lebt. Zum Beispiel, weil seine Mitbürger so kontaktfreudig sind. Einen Migrationshintergrund habe hier ja fast jeder – bei einigen sei das nur etwas länger her, wenn die Familie im 19. Jahrhundert wegen des Bergbaus nach Essen gezogen ist. Pfarrer Knopp freut sich über die Offenheit der Menschen, zu der für ihn auch eine respektvolle Streitkultur gehört: „Bei Konflikten in der Gemeinde wurde es schon mal laut. Oder einer vergriff sich im Ton. Aber hinterher war immer Versöhnung möglich.“

Hoffnungsträger in Altendorf

Altendorf ist „eine Konzentration von Liebenswürdigkeit des Ruhrgebiets“, findet Wolfgang Knopp. Er mag das Viertel und fühlt sich sicher, auch nachts auf der Straße. Allerdings würde er sich freuen, wenn am Wochenende nicht regelmäßig Seitenfenster der unlängst renovierten Christuskirche eingeschlagen würden, Vermüllung des Vorplatzes inklusive. Regelmäßig kommt danach ein Glaser aus der Gemeinde vorbei und repariert den Schaden. Zum Glück, sagt Knopp, gebe es das: Viele Leute, die mit Herzblut den Stadtteil lebten. Aus der evangelischen, der katholischen und der muslimischen Gemeinde, aber auch aus dem Schützenverein.

Freies Denken

Der Schüler Wolfgang Knopp konnte mit Religion zunächst nicht viel anfangen. Er wählte das Fach ab und in der Oberstufe nur wieder, um mit wenig Aufwand Punkte zu sammeln. Dann kam ein Religionslehrer, der Freud und C. G. Jung lesen ließ. Der seinen Schülern beibrachte, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse dem Christentum nicht widersprechen, sondern es ergänzen können. Freies Denken, ein freier Glaube: Knopp fing Feuer.
Theologie hat er in Bonn und ab 1977 in Bochum studiert, weil seine Frau eine Stelle als Erzieherin im Ruhrgebiet bekam. Dabei wollte er nie ins Revier … „Manchmal sind die Wege komisch“, schmunzelt er heute.

Quer durch die Gesellschaft

Was er an seinem Beruf mag? Die Vielfalt, die Eigenarten der Menschen. „Ich kann an einem Tag quer durch die Gesellschaft gehen.“ Schwerpunkte seiner Arbeit sind die ökumenische Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden im Stadtteil, das Angebot „Kinderkiste“ für Kita- und Grundschulkinder, das Mehrgenerationenhaus in der ehemaligen Lutherkirche.
Die Jugend liegt dem Vater von vier mittlerweile erwachsenen Kindern besonders am Herzen. „Zurzeit sind die Konfirmanden unheimlich lieb“, berichtet Knopp. Den allgegenwärtigen Medien-Hype nimmt er mit Humor: „Wenn wir sie bitten, ein Wochenende ohne Smartphone zu verbringen, klappt das nicht. Da könnten wir sie ebenso gut bitten, nackt zu kommen.“

Für die Zukunft

In seiner Freizeit macht Wolfgang Knopp seit einigen Jahren Filme: Dokumentationen, Reisefilme, Videoclips. Dafür ist er beim Landesfilmfestival schon mehrfach ausgezeichnet worden. Beim Filmen bewegt Knopp sich unter Endzwanzigern. Er sagt: „Es ist erfrischend, wie sie die Zukunft sehen.“
Eine lebenswerte Zukunft, das ist sein Thema, dafür setzt er sich ein. Er plädiert für deutlich mehr Investitionen in Bildung („Es würde schon helfen, ein paar mehr Lehrer einzustellen und vernünftig zu bezahlen“) und für die Verschönerung von Bildungseinrichtungen („Ein Raum hat Wirkung auf die Seele von Menschen“). Dass in Frohnhausen Polizisten zu Fuß durchs Viertel gehen und Kontakt zu den Bewohnern halten, hält er für ein gutes Konzept. Ob so etwas auch in Altendorf zu mehr Respekt vor dem Gotteshaus führen könnte? Zu wünschen wäre es ihm.
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