Der fröhliche Herr der Briefe

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Selbst schreibt Marcus Hecker nur noch selten Briefe. Es gab aber mal eine Zeit, da schrieb er jeden Tag ...
 
So fröhlich kennen die Rotthauser ihren Briefzusteller Markus Hecker.
Der Briefzusteller Marcus Hecker kennt alle Leute in seinem Revier und alle kennen ihn

Was Mario Ruoppolo für den chilenischen Dichter und Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda war, ist Marcus Hecker für viele Rotthauser. Der Postman. Als solcher ist er aber nicht jemand, der einfach nur Briefe oder Päckchen zustellt, sondern ein Mann, der auch ein offenes Ohr für die kleinen und großen Nöte seiner Zeitgenossen hat.

Den Film „Der Postman“ kennt Markus Hecker nicht. Aber wenn es schon ein Film mit und über einen Postboten sein muss, dann schwärmt der 1,95-Mann von der französischen Komödie „Willkommen bei den Scht‘is“. Ein bisschen findet er sich in der Rolle des Protagonisten wieder. Aber eigentlich ist er Postbeamter in Rotthausen. Und das wiederum hat auch seinen Reiz.

Heimisch geworden

Dabei ist Marcus Hecker nicht mal ein gebürtiger Rotthauser ­– seine Wurzeln liegen in Bulmke. Seit fünf Jahren wohnen er und seine Frau Kerstin Groepler aber schon hier und fühlen sich heimisch. Den Stadtteil indes kennt Hecker schon länger.
Immerhin trägt er hier seit 1992 Briefe und Päckchen zu den Leuten. Zunächst als sogenannter Blockspringer in wechselnden Revieren und seit 1999 als Stammzusteller. Seitdem hat er an Rotthausen Gefallen gefunden.
„Auch wenn andere die Nase rümpfen: Rotthausen hat durchaus seine Reize“, ist Hecker überzeugt. Er mag die Vielfältigkeit des Stadtteils, das Miteinander hier, das dieses Fleckchen Erde nicht so anonym anmuten lässt. „Wir kennen die Nachbarn um uns herum und da steht man schon mal am Gartenzaun, schwatzt über dieses und jenes und trinkt auch mal ein Bierchen miteinander. Und ganz praktisch gibt es hier eine gute Infrastruktur. Klar, City ist anders, aber die Meyersche Straße ist zum Einkaufen auch nicht die schlechteste. Man kommt mit Bus und Bahn überall hin und hat auch mit dem Auto eine gute Anbindung ans Revier. „Man kann hier gut leben!“

Zum Glück gezwungen

Dass Marcus Hecker eigentlich lieber Reiseverkehrskaufmann geworden und dem Wunsch seines Vaters folgte, der seinen Sohn lieber in seinen Fußstapfen als Postbeamten sehen wollte, ist heute nicht mehr relevant. „Im Nachhinein habe ich die richtige Berufsentscheidung getroffen“, stellt er klar. Und so absolvierte er die dreijährige Berufsausbildung, die auch eine kaufmännische Lehre beinhaltete.
Allerdings zog des den fröhlichen Jungen - so erscheint er auch als 45-Jähriger - auf die Straße. „Meine Ausbildung hatte ich in der Bahnhofsstraße. Ich fand es damals schon interessant, draußen zu sein und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.“
Und das ist es auch, was Markus Hecker an seinem Beruf liebt: die frische Luft, die Bewegung und eine gewisse Unabhängigkeit im Arbeiten. Natürlich hat er seine Vorgesetzten. Und - klar - muss er die Dienstvorschriften beachten.

Im Job der eigene Herr

„Aber im gewissen Sinne bin ich in meinem Job mein eigener Herr.“ Das beginnt morgens gegen 6 Uhr mit Innendienst und der Vorbereitung auf die tägliche Tour. Das setzt sich fort, wenn er durch die 14 Straßen seines Reviers tourt und die Post in die Briefkästen steckt und hört auch mit der schriftlichen Nachbereitung bis zum Ende des Arbeitstages gegen 15.30 Uhr nicht auf.

Ja, es gibt schon Leute, die auf ihn und die Post warten. Aber sie stehen nicht unbedingt vor der Haustür. Eher hinter den Gardinen. Und wenn Marcus Hecker dann mit seinem gelben Postrad kommt, dann öffnen sie ihre Tür. Meist sind es ältere Leute. Und die freuen sich über den „großen Jungen, der mit seiner Fröhlichkeit ansteckt“, mit dem sie sich auch mal über Gott und die Welt oder über Fußball unterhalten können. Ganz gleich, ober er einen Brief für sie in der Tasche hat oder nicht. Briefzusteller zu sein hat auch eine sehr kommunikative Seite. „Das mag ich ganz besonders an meinem Beruf.“

Einstein

Es gibt übrigens kaum etwas daran, was er nicht mag. Jedenfalls fällt ihm nicht gleich etwas Negatives ein. Nicht mal die vierbeinigen Briefträgerhasser. „Ich komme gut mit Hunden klar“, versichert Hecker. Er sei während seiner 28 Dienstjahre noch nie gebissen worden. Nur einmal habe ihn so eine kleine Promenadenmischung ins Bein gezwickt. Es gab sogar mal einen Hund, der ihn besonders gut riechen konnte. Marcus Hecker erinnert sich noch gut an „Einstein“, den weißen Boxer mit der Sabberschnute. Der freute sich immer riesig, wenn er den Postman sah, während er andere Zeitgenossen mit grimmigem Knurren auf Abstand hielt. Das Geheimnis? „Ich kannte ihn schon als Welpen.“ Und noch heute, wo das Tier längst gestorben ist, kommt er mit dem Besitzer über „Einstein“ ins Gespräch. „Weißt du noch ...?“

Natürlich Schalke 04

Dass der Postman so körperlich fit ist, liegt sicher an seinem Job, aber auch an seinem Hobby. „Fußball. Natürlich Schalke. Ich habe seit 31 Jahren eine Dauerkarte.“ Und er spielte sich auch selbst von der Fußball-E-Jugend zur A-Jugend. Tischtennis bei Schalke und Basketball komplettieren die sportliche Freizeitlaufbahn. Letzteres passt, schon wegen seiner Größe. „Die 1,95 habe ich schon, seit ich 16 bin. Dann hat‘s mit dem Wachsen aber auch gereicht“, meint Markus Hecker salopp.

Ob er selbst Briefe schreibt? Markus Hecker lacht sein jugendliches Lachen: „Heutzutage eher selten. Aber als Jungendlicher hatte ich eine Brieffreundin in Frankreich. Ihr habe ich oft geschrieben. Naja und später ... Doch ... Als ich meine Frau kennenlernte, habe ich ihr oft einen Brief hinter die Scheibenwischer ihres Autos geklemmt.“ Für solche Post braucht man keinen Boten.
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