Caritas-Gesprächskreis für pflegende Angehörige von an Demenz Erkrankten: Austausch - Wertschätzung - Beistand und Unterstützung

Einmal im Monat lädt der Caritasverband Gladbeck in Zusammenarbeit mit der Pflegekasse der "Barmer" zum Kurs und Gesprächskreis „Demenz verstehen“ in Van-Acken-Haus an der Rentforter Straße in Stadtmitte ein. Foto: Kariger
  • Einmal im Monat lädt der Caritasverband Gladbeck in Zusammenarbeit mit der Pflegekasse der "Barmer" zum Kurs und Gesprächskreis „Demenz verstehen“ in Van-Acken-Haus an der Rentforter Straße in Stadtmitte ein. Foto: Kariger
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Gladbeck. „Heute müssen wir wohl anbauen“, sagt eine Frau und lacht dabei, während sie den Raum im Seniorenzentrum Johannes-van-Acken-Haus betritt. Sie nimmt sich einen Stuhl von der Wand weg und schiebt ihn an den großen Tisch in der Mitte des Raumes. Viel Platz ist daran nicht mehr, denn es sitzen schon 15 Personen dort. Marie Luise Schulte im Walde kennt sie alle und begrüßt jeden so persönlich wie herzlich. Die Diplom-Sozialpädagogin leitet den Kurs und Gesprächskreis „Demenz verstehen“, ein gemeinsames Angebot des Caritasverbandes Gladbeck und der Pflegekasse der Barmer für pflegende Angehörige von Erkrankten.

Am Tisch sind unterdessen bereits rege Gespräche im Gang. Man kennt sich untereinander, plaudert entspannt, tauscht Neuigkeiten aus. Und stellt fest, an diesem Samstag sind zwei neue Gesichter dabei. Marie Luise Schulte im Walde begrüßt diese auch sogleich in der Runde und fragt, was sie hergeführt hat – vorausgesetzt, sie möchten es erzählen. Plötzlich sind alle mittendrin im Thema. Was macht man, wenn die Ehefrau sich morgens nicht anziehen will, weil sie nicht in die Tagespflege möchte? Was antwortet man auf die Frage: Warum weiß dein Mann das nicht mehr? Wie geht man mit den klugen Ratschlägen anderer um, die weder die Krankheit noch die Ansprüche einer Pflege zu Hause kennen?

„Um mit der Situation umgehen zu können, braucht man Hilfe, Unterstützung und Anregung“, sagt eine Teilnehmerin. Sie pflegt seit einigen Jahren ihren an Demenz erkrankten Ehemann. Und damit meint sie nicht nur die Beratung in Sachen Gelder, Anträge, Pflegeleistungen und -stufen. Es sind vor allem die kleinen und großen Situationen im Alltag mit dem Erkrankten, die herausfordern und immer wieder das Gefühl erzeugen, allein zu sein. „In diesem Kurs finde ich Ermutigung. Der Austausch hilft und ich sehe, ich bin eben nicht alleine“. Gabriele Holtkamp-Buchholz erinnert sich zudem an eine ehemalige Teilnehmerin, die nach dem Tod ihres demenzkranken Mannes zu ihr sagte: „Ich hätte viel eher Hilfe annehmen sollen.“

Marie Luise Schulte im Walde geht auf jede Frage der Kursteilnehmer ein, regt zum Austausch an und erklärt Situationen, indem sie das Krankheitsbild erläutert. „Der Verlauf einer Demenz ist so individuell, da kann man keine pauschalen Ratschläge erteilen. Die Devise lautet: Wir gucken was heute ist, nicht was morgen kommen könnte. Ich muss mir heute das Beste nehmen, das ich bekommen kann.“ Nur einen Ratschlag kann sie verallgemeinern, wenn beispielsweise der Erkrankte mit unpassend erscheinenden Sprüchen auffällt: „Verstecken hilft nicht. Gehen Sie offen mit den Situationen und der Krankheit um, dann kann man sie eher meistern.“

Demenz verläuft immer sehr individuell

Und noch einen wichtigen und gleichzeitig emotional sehr schwierigen Rat gibt sie an die Angehörigen weiter: „Achten Sie auf sich! Es hilft dem Erkrankten nicht, wenn Sie vollkommen erschöpft im Krankenhaus landen.“

Leichter gesagt als getan. „Das schlechte Gewissen und Schuldgefühle sind immer da“, sagt eine Teilnehmerin. „Umso wichtiger ist das Netzwerk, das man hier knüpfen kann“, so Marie Luise Schulte im Walde. „Aus diesem Kurs heraus hat sich zum Beispiel ein Witwenkreis gebildet, der die Zeit der Trauer gemeinsam bewältigt hat. Es sind richtige Freundschaften entstanden. Es gibt immer mehr Hilfe und Verständnis untereinander, als man denkt.“

Am Nachmittag nach dem Gesprächskreis hat eine Gedenkandacht mit den Angehörigen der Verstorbenen aus dem letzten Jahr stattgefunden. In sehr stimmungs- und würdevoller Atmosphäre wurde ihrer gedacht.

Gesprächskreis existiert schon seit 2011

Seit 2011 bietet der Caritasverband Gladbeck den Gesprächskreis für pflegende Angehörige demenziell Erkrankter an. Für 2018 konnte die Zusammenarbeit mit der Pflegekasse der Barmer verlängert werden, so dass erneut insgesamt 11 Kurstermine unter dem Titel „Demenz verstehen“ angeboten werden. Während der Kurszeiten im Johannes-van-Acken-Haus können die erkrankten Angehörigen dort betreut werden. Das Angebot und die Betreuung sind für die Teilnehmer kostenlos. Die Pflegekasse der Barmer und der Caritasverband kommen gemeinsam für die entstehenden Kosten auf.

Für das Jahr sind 2018 sind von 10 bis 12 Uhr sowie von 13.30 bis 15.30 Uhr noch zehn Samstagstreffen (17. März, 14. April, 19. Mai, 23. Juni, 21. Juli, 11. August, 8. September, 13. Oktober, 17. November und 8. Dezember) geplant. Um vorherige Anmeldungen unter Tel. 02043-373454 bei der verantwortlichen Caritas-Mitarbeiterin Gabriele Holtkamp-Buchholz wird gebeten.

Autor:

Uwe Rath aus Gladbeck

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